Gertrud Nitz freut sich an ihrem Geburtstag auf das Ende der Pandemie, dem sie entgegenfiebert. Foto: Schwarzwälder Bote

Geburtstag: Gertrud Nitz aus Ebingen wird am heutigen Samstag 90 Jahre alt

Albstadt-Ebingen. Auf neun von harter Arbeit geprägte Lebensjahrzehnte kann Gertrud Nitz aus Ebingen zurückblicken – sie wird am Samstag 90 Jahre alt.

Gertrud Link wurde am 12. Juni 1931 in Altnau geboren. Das liegt im Schweizer Kanton Thurgau, doch die Familie stammte von der Alb, und dorthin zog die Mutter mit den beiden Töchtern Gertrud und Marianne zurück, nachdem der Vater gestorben war – Gertrud war gerade mal fünf Jahre alt. Geld war keines da; die Schwester wuchsen in ärmlichen Verhältnissen auf: "Wir hatten nur einen Ball, aber keinen Radelrutsch oder ein Rädle wie andere Kinder", erzählt Gertrud Nitz, und es klingt etwas wehmütig.

Nach der Schulzeit arbeitete Gertrud Link erst drei Jahre lang in einem Ebinger Haushalt. 1954 fanden sie und ihre Schwester Arbeit bei Groz-Beckert und blieben dort bis zur Rente. Und noch einen weiteren entscheidenden Schritt im Leben unternahmen die beiden gemeinsam: 1975 heirateten sie zwei donauschwäbische Cousins – Gertrud gab Georg Nitz das Jawort, Marianne dessen Vetter.

Die schwesterliche Beziehung blieb auch nach der Doppelhochzeit eng – nicht von ungefähr war Gertrud mit von der Partie, als Marianne 1975 eine Flugreise nach Teneriffa gewann – mit dem Ehemann reiste sie nach Mallorca. Sonntags besuchten die beiden oftmals die Schwester in Bitz; den Weg bewältigten sie, da sie kein Auto hatten, zu Fuß. "Das Essen habe ich immer mitgebracht. Damit sie nicht so viel Arbeit hatte."

1999 starb Georg Nitz. Zehn Jahre später erlitt Gertrud Nitz’ Schwester einen Schlaganfall und musste ins Pflegeheim. Gertrud Nitz besuchte sie mehrmals wöchentlich in der Ebinger Augustenhilfe und umsorgte sie; seit Marianne nicht mehr lebt, fühlt sie sich recht allein; ihr fehlen die sozialen Kontakte. "Niemanden zu haben ist nicht schön."

Corona hat diese Situation eher noch verschlimmert. Zwar kann Gertrud Nitz ihren Haushalt immer noch selber machen und auch selbstständig einkaufen, und wenn das Wetter es zulässt, geht sie auch mal mit der Nachbarin spazieren. Aber sie wird doch froh sein, wenn die Pandemie ausgestanden ist und sie wieder in die Stadt und unter die Leute kann – auf einen Kaffee oder ein Eis.

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