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Albstadt Kommunalwahl: Tag der Auszählung

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SilkeBeck (links) und AnnaHeppeler drücken mit Autorin Susanne Conzelmann die Schulbank. Foto: Conzelmann

Albstadt - Die Kommunalwahl war schon am Sonntag um 18 Uhr vorbei. Für die Wahlhelfer freilich war der Montag nach der Wahl der arbeitsreichere. Unsere Autorin Susanne Conzelmann war "mittendrin".

"Obwohl ich Rentner bin, habe ich Zeit, Wahlhelfer zu sein", schmunzelt Walter Eyth. Zum ersten Mal in seinem Leben ist er in diesem Jahr Wahlhelfer, eine Jahrgängerin habe ihn angesprochen und man müsse sich ja engagieren, sagt er.

Eyth und ich treffen uns bei einer Schulung im Rathaus, meine ist gerade zu Ende, seine beginnt in wenigen Minuten. In Lautlingen wird er im Einsatz sein, am Wahltag selbst und am Folgetag, wenn die komplizierte Kommunalwahl ausgezählt werden muss. Kumulieren, panaschieren – bei jeder Kommunalwahl muss ich nochmals nachlesen, was genau nun hinter welchem Fremdwort steckt. Falls es dem geneigten Zeitungsleser so geht wie mir: Kumulieren bedeutet, dass man einem Bewerber bis zu drei Stimmen geben kann. Panaschieren heißt, dass der Wähler seine Stimmen über mehrere Listen verteilen kann.

Eigentlich eine gute Idee des Gesetzgebers, ist doch die Kommunalwahl eine Persönlichkeitswahl. Doch genau diese Besonderheit macht das Auszählungsprozedere zu einer komplizierten Angelegenheit. Das merken meine "Mitschülerinnen" und ich auch bei der Einweisung im Schulungsraum 308 des Albstädter Rathauses.

An diesem Mittwochmorgen bin ich zwischen 10 und 11 Uhr eine von fünf ehrenamtlichen Helfern, die Referent Joachim Wichmann in die Geheimnisse der "Stimmzettelerfassung" einweist. An mehreren Tagen bietet Wichmann diese Schulungen im kleinen Rahmen an, seit vielen Jahren schon ist er als "Externer" im Auftrag der Stadtverwaltung im Einsatz. Heiter und geduldig führt er Silke Beck und Anna Heppeler, meine "Schulbanknachbarn", mit mir gemeinsam durch die schnell vergehende Stunde, viele Zwischenfragen müssen geklärt werden.

Wir spielen, jede an einem eigenen Bildschirm, verschiedene Szenarien durch. Was ist, wenn jemand zuviele Stimmen abgegeben hat? Oder weniger als möglich? Wenn ein Wähler von Hand noch weitere Namen hinzugefügt hat oder den Wahlschein in Schnipseln einwirft, weil er sich noch im Königreich Württemberg wähnt? Soll es ja geben.

Bei der zurückliegenden Gemeinderatswahl 2014 fand sich in meinem Stapel mit zu erfassenden Wahlzetteln einer, auf dem quer über die oberste Wahlliste fett "Lug und Trug" geschrieben worden war. Wir fanden es damals lustig, einerseits – andererseits: Ist es nicht verwerflich, wie wir in Deutschland manchmal mit unserem Wahlrecht umgehen? Der "Lug-und-Trug"-Wähler hatte aber zumindest seinen Unmut kundgetan, andere verzichten aus freien Stücken ganz auf ihr Wahlrecht, auf ein nicht in jedem Staat selbstverständliches Privileg.

In anderen Ländern leben auch Wahlhelfer gefährlich. Vor kurzem erst fand sich in den Nachrichten die Schlagzeile "Wahlhelfer sterben an Erschöpfung". Da komme ich doch ins Grübeln: "Sollte ich mir das mit dem ehrenamtlichen Engagement nicht besser noch einmal überlegen?" Auch wenn es in dem kurzen Bericht nicht um Deutschland, sondern um Indonesien geht. Dort sind nach amtlichen Angaben seit Mitte April mehr als 300 Wahlhelfer und Polizisten an Erschöpfung gestorben. Wie kann das sein? Der Artikel geht nicht näher darauf ein, schildert nur, dass zu Indonesien mehr als 17 000 Inseln gehören und eine Wahl bei 260 Millionen Einwohnern auch immer eine organisatorische Herausforderung ist.

Ob der Verantwortung wird mir doch mulmig

Vieles zu organisieren gibt es auch in Albstadt. 29 Wahllokale, zehn Briefwahlbezirke, das muss schon gut vorbereitet sein. Joachim Wichmann macht uns immer wieder auf mögliche Fehlerquellen aufmerksam. Da wird mir ob der Verantwortung schon etwas mulmig.

Doch bei der Auszählung selbst gilt beim Eingeben immer das Vier-Augen-Prinzip, das Team eines Wahlbezirks stimmt dann gemeinsam am Ende nochmals alles ab. Der Wählerwille wird ernstgenommen, jede Stimme soll und muss da landen, wo sie vom Wähler zugedacht war.

Um diese Stimmen wird schließlich derzeit heftig geworben. Jeden Tag flattern Prospekte mit den Kandidaten der verschiedenen Listen ins Haus. Meine Kinder werden von Parteien als "Erstwähler" umworben. Am Mittagstisch unterhalte ich mich mit meiner älteren Tochter über die Bewerber. Sie bemängelt, dass die Generation bis 30 Jahre kaum vertreten ist und wundert sich, weshalb bei der Beschreibung denn der Familienstand so erwähnenswert sei. Sie lächelt über den Versuch einer Liste, sich durch Hashtags möglichst jugendlich zu geben. Doch sie freut sich, dass sie nun endlich an einer Wahl teilnehmen darf. Durch die "Fridays for future"-Demonstrationen wurde sie in den vergangenen Monaten für politische Aktivitäten sensibilisiert.

Richtig sauer dagegen ist unsere 15-Jährige, politisch interessiert, aber eben noch nicht wahlberechtigt. Mit schlechtem Gewissen denke ich da an meine erste Europawahl – um die es am 26. Mai neben den Kommunalwahlen schließlich auch geht: Das Wetter war schön, ein Ausflug ins Grüne lockte, und es war doch "bloß" Europa...

Die Europawahl wird am Wahltag selbst ausgezählt, das Ergebnis ist schneller zu ermitteln. Aber dank Joachim Wichmanns guter Einführung fühlen sich die Helfer auch für die Kommunalwahl gut gerüstet. Wie die beiden jungen Frauen neben mir ist ein Großteil der Helfer schon zum wiederholten Male im ehrenamtlichen Einsatz. Das gibt dann doch auch mir Sicherheit.

Alle Ergebnisse finden Sie in unserem Ticker zur Kommunalwahl.

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