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Albstadt Am Ende bleibt nur noch die Stille

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Nachdem die "Gesänge von Krieg und Frieden" in der Städtischen Galerie verklungen waren, überreichte Kuratorin Veronika Mertens Rosen an die Sängerinnen und Sänger. Foto: Miller Foto: Schwarzwälder-Bote

Von Sabine Miller

Albstadt-Ebingen. Kriege gibt es seit Menschengedenken, Frieden auch. Brigitte Wendeberg, ihr Kammerchor und Sprecherin Marianne Nauber haben sich in ihren "Gesängen von Krieg und Frieden" auf zutiefst menschliche Weise mit dem Thema befasst und das Publikum im Landenberger-Saal der Städtischen Galerie zu Tränen gerührt.

An eine Wand des nüchtern wirkenden Raums hat Veronika Mertens vom Galerieteam eine Radierung Ernst Skrickas mit dem Titel "Mensch – Pein" gehängt. Schwarze Hände greifen von allen Seiten nach einer hellen, engelsgleichen Figur – die Seele im Würgegriff des Bösen.

Ein Motiv, das eine beklemmende, gleichsam magische Wirkung ausübt – stellvertretend für all die anderen Exponate der derzeit laufenden Sonderausstellung "Goya – Dix. Yo lo vi. – Ich musste das alles selber sehen", Bilder, welche die entsetzliche Realität des Kriegs zeigen, von Künstlerhänden auf Papier gebannte Szenen, die sich die lebhafteste Fantasie nicht vorzustellen vermag.

Als höchstes Glück erweist sich angesichts der Leichenberge und der grauenhaften Brutalität der Frieden. Und mit der uralten Bitte um diesen – "Dona nobis pacem" – traten Dirigentin Brigitte Wendeberg und ihr Ensemble die mit der Schau korrespondierende musikalische Reise durch Zeiten und Länder an. Aus allen Ecken schienen die funkelnden Klangströme der Tonschöpfung des Komponisten Giovanni Pierluigi da Palestrina (1515 – 1594) zu quellen, als wollten sie das ihnen innewohnende Gebet weit in die Zukunft und gleichwohl zurück in die Vergangenheit hineintragen.

Jäh erfuhr der Hörer den Bruch, als Marianne Nauber ans Rednerpult trat und mit dunkler, sonorer Stimme und großem Einfühlungvermögen in die Melodie des gesprochenen Wortes einen Text Kurt Tucholskys aus der Wochenzeitschrift "Weltbühne" vorlas: "An den Wänden des Lazaretts kleben die Schreie; die Helfer, was konnten sie tun? Das verbrannte Fleisch mit irgendwelchen Tinkturen bepinseln, amputieren?" Die Rede war von den Schauplätzen des Ersten Weltkriegs bei Verdun. Wenig später rezitierte die Sprecherin Bertolt Brechts "Kinderkreuzzug".

Beängstigende, schmerzvolle Gefühle rief das Konzert hervor. Es bot – welch ein Kontrast – wunderschönen Gesang auf hohem Niveau; klare, wache Stimmen von Sängern und Sängerinnen folgten dem leisesten Wink einer hochkonzentriert agierenden Chorleiterin. Hanns Eislers "Gegen den Krieg", ein Meisterwerk der Artikulation, William Byrds "Lullaby", eine Komposition Maurice Ravels, die Liturgie des Griechen Mikis Theodorakis und abermals "Dona nobis pacem", diesmal vertont vom estnischen Zeitgenossen Urmas Sisask. All das fügte sich unter Wendebergs Taktstock zu ergreifenden, prachtvollen Klanggemälden zusammen.

Nachdem der letzte Ton verklungen war, teilte sich der Chor in zwei Reihen auf, umfing das Publikum, die alte Friedensbitte erneut auf den Lippen, gebetsmühlenartig erst, dann in größeren Abständen. Stille machte sich schließlich breit. Wie hatte Marianne Nauber die Dichterin Else Lasker-Schüler zitiert: "Wir wollen uns versöhnen. Wenn wir uns herzen, sterben wir nicht."

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