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Albstadt Am 8. Mai 1945 schlug für Dieter Haas die "Stunde Null"

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Unter Geiern: Das Herz des Jubilars Dieter Haas schlägt für seltene Vögel. Foto: Kistner Foto: Schwarzwälder-Bote

Von Martin Kistner

Albstadt-Pfeffingen. Die Diskussion, ob der Tag der deutschen Kapitulation, der 8. Mai 1945, die "Stunde Null" der Nation war, wird von Historikern mit Verve geführt. Im Fall von Dieter Haas, dem Gynäkologen und ornithologischen Globetrotter aus Pfeffingen, kann die Antwort nur "Ja" lauten: Er wurde am 8. Mai 1945 geboren. Heute feiert er seinen 70. Geburtstag.

Dieter Haas kam als viertes von acht Kindern – vier Jungen und vier Mädchen – in Bad Buchau am Federsee zur Welt. Sein Vater war Lehrer, Naturschutzbeauftragter und ein namhafter Ornithologe, in dessen Haus, Standort einer Außenstation der Vogelwarte, Vogelfreunde aus ganz Deutschland ein und aus gingen – das Federseeried war ihr Mekka. Dieter Haas war 13, als die von acht Kindern stark beanspruchten Eltern beschlossen, ihn in ein Internat, das evangelisch-kirchliche Aufbaugymnasium in Michelbach/Bilz, "auszuquartieren". Bereits ein Jahr später ging er mit seinem ältesten Bruder auf interkontinentale Tramptour nach Marokko; er konnte nach seiner Rückkehr nach Michelbach einiges erzählen.

Zwei wichtige Konstanten in Dieter Haas’ Leben, der Vogelschutz und das Reisen, sind damit bereits genannt; eine dritte, die Medizin, kam mit dem Studium in Tübingen und Kiel hinzu. Seine Doktorarbeit schrieb Haas über Blasenbilharziose, eine in den Tropen verbreitete Wurmerkrankung – das Thema bot ihm Gelegenheit zu ausgiebigen Feldstudien in Südtunesien. Frisch promoviert erhielt er das Angebot, im westafrikanischen Liberia die Leitung eines tropenmedizinischen Instituts zu übernehmen, doch seine erste Frau wollte nicht. Haas ist ihr im Nachhinein dankbar dafür: "Einige Jahre später brachen dort schwere Unruhen aus – hätte ich ja gesagt, wäre ich vielleicht nicht mehr am Leben."

Die Alternative zur Tropenmedizin hieß Gynäkologie, die zu Liberia Tailfingen. 1981 übernahm Dieter Haas die gynäkologische Praxis Valacic und nutzte in den folgenden Jahrzehnten immer wieder die Möglichkeit des Freiberuflers, sich selbst über Monate zu beurlauben und auf Reisen zu gehen. Er war auf allen Erdteilen außer Antarktika, durchquerte den indischen Subkontinent im Kleinbus und frönte der Leidenschaft für die Tierfotografie.

Seine zweite Passion, die fürs Schreiben, pflegte er auszuleben, wenn er wieder zu Hause war: Haas, das "Friedenskind", ist ein streitbarer Geist, der seit den 70er Jahren journalistische Lanzen für Natur-, Tier- und vor allem Vogelschutz bricht. Dass Störche und Raubvögel heutzutage nirgendwo so gut wie in Deutschland durch Abdeckhauben auf den Überlandleitungen vor dem Starkstromtod geschützt sind, ist nicht zuletzt seinem Einsatz zu verdanken: "In den Chefetagen der Stromversorgungsunternehmen haben sie das Wort ›Killermasten‹ gar nicht gern gelesen."

Später nahm Haas den Kampf für Geier und andere vom Aussterben bedrohte Großgreifvogelarten auf. Er wirbt ausdauernd dafür, Tierkadaver nicht panisch aus der Landschaft zu entfernen, sondern diese Aufgabe wie in anderen europäischen Ländern an Mutter Natur zu delegieren: "Der Geier ist der beste Abdecker, den es gibt. Hygienischer geht es nicht." Die Folge des Entsorgungswahn: Geier, die von der Eiszeit bis ins 19. Jahrhundert zur mitteleuropäischen Fauna gehörten, werden in Deutschland nicht mehr heimisch, weil sie permanent vom Hungertod bedroht sind.

Wer all das genau wissen will, muss nur Dieter Haas lesen: Eine große Publikation zum Thema Aasökologie ist in Arbeit. Vor wenigen Monaten hat Haas seine Praxis an den Nachfolger übergeben; seither war er in Argentinien und Chile unterwegs und hat einen großen Bericht über den Waldrapp verfasst, der hierzulande fast ausgestorben war und nun wieder ausgesiedelt wird. Nächste Woche fährt er – wieder mit seinem ältesten Bruder – nach Frankreich, im Juni ist er in Norwegen. Zuvor aber feiert er – mit seiner Frau, den drei Kindern, den sechs noch lebenden Geschwistern und den Freunden. Wo? In Bad Buchau, wo er vor 70 Jahren seine "Stunde Null" erlebte.

Ihre Redaktion vor Ort Albstadt

Karina Eyrich

Fax: 07431 9364-51

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