Hans Hoss, Ebingens letzter Oberbürgermeister, ist in der Nacht zum Freitag 90-jährig gestorben
Von Martin Kistner
Albstadt-Ebingen. Im August hatte er noch seinen 90. Geburtstag gefeiert und die Weggefährten aus Albstadts Gründerjahren bei sich willkommen geheißen. Es war das letzte Mal: Dr. Hans Hoss, Ebingens letzter Oberbürgermeister, ist in der Nacht zum Freitag gestorben.
Schon sein Vater war Beamter gewesen; die Karriereschritte brachten regelmäßige Ortswechsel mit sich brachten. Geboren wurde Hans Hoss 1923 in Vaihingen an der Enz, den größten Teil seiner Kindheit und Jugend verbachte er jedoch in Schwäbisch Gmünd, wo der Vater seit 1929 Oberamtmann – Landrat – war. Der Sohn wurde 1941 von der Schulbank weg eingezogen, erlitt mehrere schwere Verwundungen, entging am 13. Februar 1945 nur dank viel Glück dem Dresdner Feuersturm. Die Kriegsgefangenschaft währte nicht lang; 1946 konnte Hans Hoss endlich die Abitursprüfung nachholen und in Freiburg das Studium der Rechts- und Staatswissenschaften antreten. 1951 wurde er zum Doktor der Jurisprudenz promoviert und trat seinerseits die Beamtenlaufbahn an. Erste Stationen waren die Landratsämtern in Schwäbisch Hall und Heilbronn; ihnen folgte ein Bonner Intermezzo – von 1955 bis 1961 war Hoss im Bundesinnenministerium tätig; in diese Zeit fiel auch die Hochzeit mit Margarete Böckheler und die Geburt des ersten Sohns.
Der Konkurrent wurde am Ende zum Freund
Entscheidend für Hans Hoss’ weiteren Lebensweg wurde das Jahr 1961. Dass er nicht für immer im Rheinland blieben würde, war für ihn klar gewesen; als 1960 Walther Groz, Ebingens erster Oberbürgermeister nach dem Krieg, abtrat, bewarb sich Hoss um die Nachfolge. Zweiter aussichtsreicher Kandidat neben ihm war damals Ernst Kircher, der Erste Beigeordnete der Stadt. Es sagt viel über Hoss’ Wesensart und seine Qualitäten als Moderator und Vermittler aus, dass sein erster Gang nach dem Wahlsieg ihn in die Tübinger Augenklinik führte, wo der durch ein Augenleiden gehandicapte Kircher ausgerechnet die Endphase des Wahlkampfs verbracht hatte. Der Unterlegene nahm das Angebot einer guten Zusammenarbeit an – und schied 1971 nicht allein als guter Kollege, sondern als Freund des Oberbürgermeisters aus dem Amt. Wozu dessen konziliante Art nicht unwesentlich beigetragen haben dürfte.
Von der Notwenigkeit der Fusion überzeugt
Konzilianz dürfte auch zum Erfolg des wichtigsten kommunalpolitischen Projekts von Hoss’ Amtszeit beigetragen haben: der Gründung von Albstadt. Er musste nicht davon überzeugt werden, dass Ebingen, Tailfingen und ihre Nachbargemeinden sich im Wettbewerb der Kommunen als Teile einer größeren Einheit besser behaupten würden; jahrelang warb er mit Ausdauer und Leidenschaft für den Zusammenschluss. Vorausschauend machte er mit Axel Pflanz bereits 1971 einen Tailfinger zu seinem Referenten; bei den Verhandlungen der folgenden Jahre dürfte das beiden Seiten zugute gekommen sein.
Im politischen Leben der neuen Stadt spielte Hoss jedoch keine Schlüsselrolle mehr. Unter dem Gründungsvertrag stand noch seine Unterschrift, aber aus gesundheitlichen Gründen verzichtete er auf eine Bewerbung ums Amt des Albstädter Oberbürgermeisters – Moses blieb auf dem Berg Nebo zurück, Albstadts Josua trug den Namen Hans Pfarr. Hoss aber übernahm einen Lehrauftrag an der Stuttgarter Fachhochschule für öffentliche Verwaltung, wurde 1982 Professor und 1995, als Ruheständler, mit dem Bundesverdienstorden erster Klasse ausgezeichnet.
Die verbleibenden Lebensjahre widmete er seinen historischen und politischen Interessen, den Reisen, dem Wandern auf der Südwestalb, die ihm in über vier Jahrzehnten zur Heimat geworden war, und der Familie – Hans Hoss war Vater zweier Söhne und Großvater von fünf Enkeln. In seinen letzten Lebensjahren nötigten ihn die gesundheitlichen Probleme, kürzer zu treten und häuslicher zu werden, als ihm vielleicht lieb war. Hans Hoss wird am Montag auf dem Ebinger Friedhof beigesetzt; die Trauerfeier beginnt um 14 Uhr.