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Albstadt Ärztemangel macht sich stärker bemerkbar

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Kann man den Hausarzt einfach wechseln? Foto: ©Romolo Tavani – stock.adobe.com

Albstadt - Lange Wartezeiten, umständliche Anfahrtswege – der Gang zum Hausarzt entwickelt sich in ganz Baden-Württemberg zur Herausforderung. Auch in Albstadt macht sich der Ärztemangel stark bemerkbar.

In Albstadt gibt es insgesamt 85 Ärzte, 30 davon sind Hausärzte. Der "Schlüssel", den der Gesetzgeber vorgibt, weist einen Versorgungsgrad von 88,4 Prozent auf, bis zur Grenze von 110 Prozent wären aktuell noch zehn Niederlassungsmöglichkeiten für Hausärzte gegeben, teilt die Kassenärztliche Vereinigung Baden-Württemberg auf Anfrage mit.

Warum werden diese nicht genutzt? Die Stadt begründet das mit der "niedrigen Einwohnerzahl", und die ländliche Umgebung sei für junge Ärzte schlichtweg unattraktiv, erklärt Andreas Ilch, Sachgebietsleiter für Soziales und Gesundheit bei der Stadtverwaltung Albstadt. "Mediziner, die ihre Ausbildung oder ihr Studium abgeschlossen haben, werden sich mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht als Hausarzt in Albstadt niederlassen." Ein aktuelles Beispiel: Es gab bis vor kurzem drei Psychologen in Albstadt, jetzt gibt es keinen mehr – "es kommen keinerlei Anfragen für eine Niederlassung", meint Ilch. Was das für fatale Folgen für Betroffene und auch für Mitarbeiter in Institutionen für psychisch Kranke Menschen hat, sei kaum tragbar.

Mehr als 40 Stunden sind einfach nicht drin

Überdies sei es gerade jüngeren Medizinern wichtig, Familie und Beruf zu vereinbaren. Insbesondere für Frauen sei das ein wichtiger Aspekt: "Es gibt mehr Frauen als Männer im Beruf – mehr als 40 Stunden Arbeit lassen sich nicht mit der Familienplanung vereinbaren", schildert Ilch. Laut einem Bericht der AOK gaben 60,9 Prozent der Nachwuchsmediziner in einer Umfrage an, später einmal Teilzeit arbeiten zu wollen, davon sind 77,2 Prozent Frauen.

Außerdem schläft die Konkurrenz nicht und lockt die jungen Ärzte mit Angeboten. Forschung und Unternehmen im In- und Ausland wie Dänemark, Schweden oder der Schweiz werben einen großen Teil der deutschen Nachwuchsmediziner ab. "Der kleine Teil, der übrig bleibt, möchte keinen 60-Stunden-Job ausüben", meint Ilch. Was eine eigene Praxis definitiv fordere. "Der Heimatverbund lässt nach."

Und falls doch der eine oder andere junge Arzt sich für einen Sitz auf dem Land entscheidet, "dann reißen sich die Gemeinden und Kommunen um ihn". Das sei jedoch ein Bundesproblem, meint Andreas Ilch.

Die Überalterung der Mediziner sei ein Problem, denn 43 Prozent der Hausärzte sind über 60 Jahre alt und möchten in absehbarer Zeit in Rente gehen, finden aber keinen Nachfolger für ihre Praxis. Wie Norbert Münster: Er war Hausarzt in Onstmettingen und hat etwa zwei Jahre gebraucht, bis er als Nachfolger Walter, Lennart und Krischan Spengler für seine Praxis gefunden hatte.

Der Numerus Clausus liegt weiterhin bei 1,0

Dazu kommt, dass viele Ärzte den Verkauf ihrer Praxis samt Interieur fest als Altersvorsorge eingeplant hatten. Jedoch sind die Praxen meist nicht auf dem neuesten Stand der Technologie, und somit bleiben die angehenden Renter auf ihren Kosten sitzen. Deshalb sei die Altersgrenze der Mediziner so hoch, weil viele aufgrund fehlenden Geldes noch Reserven angelegen müssten. "Und kein junger Arzt ist mehr bereit, solche Schulden auf sich zu nehmen", meint Ilch.

Aber für jedes Problem gibt es doch eine Lösung? "Jein", meint Ilch. Es gebe zu wenig Ausbildungs- und Studienplätze, und der Numerus Clausus (NC) für ein Medizinstudium liege weiter bei einem Notendurchschnitt von 1,0. Können nur Schüler mit Einserabitur gute Ärzte werden? Mit Sicherheit nicht, sagt Ilch. Doch das Bundesverfassungsgericht entscheide über den NC. Die einzige Möglichkeit, die die Stadt habe, um die Lage zu verbessern, sei es, sich gut zu präsentieren. Bei der Veranstaltung "Arzt im Zollernalbkreis" im Juli wurde das versucht. Dort wurden Medizinstudierende über Albstadt als Niederlassungsort informiert.

Zudem hat sich die Stadt Ende 2014 mit einem Ärztegremium zusammengesetzt, um eine Hausärztebroschüre zu entwickeln, durch Interne Probleme wurde sie aber erst im Frühjahr 2018 veröffentlicht. Sie beinhaltet Daten und Fakten über Albstadt, informiert über den Wirtschafts- und Bildungsstandort, die Lebensqualität, Einkaufen und Kultur sowie die Verkehrsinfrastruktur. Möglich wäre es noch, Seminare zu organisieren, die Stadt und deren Kliniken oder Praxen zu zeigen – doch auch dafür müssten sich die Ärzte wieder Zeit nehmen, meint Ilch.

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