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Albstadt Ärzte äußern Kritik am Zentral-Klinikum

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Was die medizinische Leiterin Brigitta Bienstein am Krankenhaus Albstadt aufgebaut hat, bewundert einer ihrer niedergelassenen Kollegen, bezweifelt aber, dass das Klinikum Albstadt in dieser Form bestehen bleiben wird. Foto: Archiv: Eyrich

Albstadt-Ebingen - Nicht nur Kinder sagen die Wahrheit, sondern auch Menschen, die sicher sein können, nachher nicht dafür beschimpft zu werden. Zum Beispiel: niedergelassene Ärzte, die sich – ohne dass ihr Name genannt wird – zur Krankenhausdebatte äußern.

Den Beteuerungen aus dem Landratsamt und der Führungsetage des Zollernalbklinikums glaubt er nicht. Aus seiner Überzeugung, dass es in zehn Jahren kein Krankenhaus in Albstadt mehr geben wird, das den Namen verdient, macht er deshalb kein Hehl. Der Mann ist niedergelassener Arzt und kennt die Abläufe und Strukturen in der medizinischen Landschaft des Zollernalbkreises intim.

Schon während der Diskussion vor mehr als zehn Jahren über das künftige Gesicht der Krankenhauslandschaft im Zollernalbkreis sei ein Zentralklinikum eine der Optionen gewesen – eine, die der Mediziner nicht für die schlechteste hält. Aber nicht, wenn dieses in Balingen steht, sondern auf der grünen Wiese zwischen Laufen und Dürrwangen. "Die ganze Krankenhauspolitik der zurückliegenden Dekade ist doch nur darauf ausgerichtet, zu sparen", betont er. "Und ein gutes Konzept habe ich auch noch nicht gesehen."

Dann spricht er von Dingen, die nicht gut (gewesen) seien: Häufiger Chefarzt-Wechsel in Balingen, Spezialeinheiten, die unglaublich viel Bürokratie verursachten. Zwar seien Einrichtungen wie die erweiterte Schlaganfall-Einheit im Zollernalb-Klinikum am Standort Albstadt wichtig und richtig, zumal es dort um Notfälle gehe. In anderen Fällen, so lässt er durchblicken und nennt das Darmzentrum als Beispiel, stünden Bürokratie und medizinischer Aufwand jedoch in keinem Verhältnis mehr.

"Die Leute finden sich in Balingen schwer zurecht"

Das "Kirchturmdenken", das die derzeitige Diskussion bestimme, gefällt dem Mediziner überhaupt nicht, zumal "die Leute nicht bedenken, dass das, was jetzt beschlossen wird, erst im Zeitraum von Jahrzehnten umgesetzt wird. "Wenn sie jetzt im Kreistag die Krankenhaus-Reform beschließen, geht es erst einmal darum, Gelder zu beantragen", betont er und fügt dann hinzu: "Allerdings mag es gut sein, dass es in zehn Jahren kein Krankenhaus in Albstadt mehr gibt."

Aber braucht Albstadt nicht eine ortsnahe Versorgung für die Stadt und ihr Umland, vor allem im Notfall? "Heute lässt sich in Rettungswägen schon praktisch alles machen." Dass es davon zu wenige gebe, fügt er freilich hinzu und hebt zudem hervor: "Die kritische Zeit von fünf bis maximal 15 Minuten im Notfall können wir ohnehin kaum irgendwo einhalten." Sei diese überschritten, werde es so oder so gefährlich für den Patienten, der einen Schlaganfall oder Herzinfarkt erlitten habe.

Auf die Frage, ob beim Thema medizinischer Versorgung die Wirtschaftlichkeit überhaupt eine Rolle spielen dürfe, scheint der Mediziner förmlich gewartet zu haben, denn seine Augen leuchten, als er das Beispiel eines europäischen Landes nennt, in dem die Krankenhäuser etatmäßig rote Zahlen schrieben und die Bevölkerung dennoch darauf bestehe, sie zu erhalten.

Glaubt er, dass die Albstädter das Klinikum Balingen meiden und das Sigmaringer bevorzugen würden, nähme man ihnen ihre Klinik weg: "Die Leute finden sich in Balingen schwer zurecht", hat er erfahren. Außerdem sei die Freundlichkeit des Personals in den Krankenhäusern der Umgebung "unterschiedlich". Letzteres spiele ein große Rolle bei der Wahl eines Krankenhauses, und zwar bis zum Ende: Das Klinikum Sigmaringen etwa verfüge über Palliativ-Betten im Gegensatz zum Zollernalb-Klinikum.

Welches Gesicht dieses in zehn, 20 Jahren haben wird, weiß auch der Mediziner nicht. Eines aber weiß er: Dass viele der Verantwortlichen, die nun politisch und medizinisch die Weichen stellen, dann nicht mehr im Amt respektive im Dienst sein werden – und damit jeglicher Verantwortung ledig.

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