Seit Jahrzehnten ein Ärgernis: die Lautlinger Ortsdurchfahrt. Foto: Kistner

Bundesverkehrswegeplan: Bau wird vermutlich noch ein Dutzend Jahre auf sich warten lassen.

Albstadt-Lautlingen - Für die einen ist das Glas halb voll, für die anderen halb leer – die Lautlinger Ortsumgehung steht auf der Prioritätenliste des Landes für den Bundesstraßenneubau auf Platz zwölf. Das bedeutet: Ihr Bau ist nicht in unabsehbare Ferne gerückt – aber es dauert noch lange.

 

Wie lange? Darüber lässt sich derzeit nur spekulieren, weil es jede Menge Unbekannte gibt – aber vollständig beliebig sind die Prognosen auch nicht mehr, nachdem die Prioritätenliste des Landes für den neuen Bundesverkehrswegeplan vorliegt. Das Bundesverkehrsministerium muss den Empfehlungen nicht folgen, aber erfahrungsgemäß halten sich die Modifikationen in Grenzen: Der Bund verlässt sich im Regelfall auf die Expertise aus den Ländern.

In gewisser Weise erteilt das Land auch eine Lizenz zum Spekulieren – die Planer aus dem Stuttgarter Verkehrsministerium haben die Tabelle, auf der die Straßenbaumaßnahmen in der Reihenfolge ihrer Vordringlichkeit aufgeführt sind, ganz rechts eine graphische Interpretationshilfe hinzugefügt, die für die Lautlinger besonders aufschlussreich ist: Ein roter und ein grüner Balken laufen hinunter und verblassen dabei kontinuierlich – der rote begleitet die Maßnahmen, die innerhalb der Laufzeit des neuen Verkehrswegeplans – zwölf bis 15 Jahre – verwirklicht werden können, falls in Baden-Württemberg tatsächlich nur die 120 Millionen pro Jahr zur Verfügung stehen, die in der mittelfristigen Finanzplanung stehen. Der grüne reicht um einiges weiter – er zeigt an, was gebaut werden könnte, wenn alles beim Alten bleibt: Derzeit stehen 230 Millionen Euro pro Jahr zur Verfügung – damit wäre das Tempo doppelt so hoch. Dieser grüne Balken reicht zwölf Maßnahmen weit – die zwölfte ist die Lautlinger Ortsumgehung.

Die konkrete Rechnung dazu: Wie die Pressestelle des Landesverkehrsministeriums mitteilt, geht man in Stuttgart davon aus, dass laufende Baumaßnahmen bis 2016 erledigt sind. Dann kommt an die Reihe, was heute baureif ist, 17 Maßnahmen, die nicht auf der neuen Prioritätenliste stehen, aber Vorfahrt haben. Sie kosten 700 Millionen Euro – es wird also 2020, bis die Maßnahmen auf der Prioritätenliste an der Reihe sind.

Und dann? Auch wenn Berlin künftig 230 Millionen Euro jährlich für Bundesverkehrswegebau in Baden-Württemberg bereit stellt, stehen für den Neubau von Bundesstraßen nur 30 Prozent, also rund 70 Millionen pro Jahr zur Verfügung – die Hälfte des Geldes ist nämlich fürs Autobahnnetz reserviert. Jetzt ein Blick auf die Liste: 379 Millionen kosten die ersten elf Projekte, dann ist Lautlingen an der Reihe – nach Adam Riese also nach fünfeinhalb Jahren. Das heißt: Läuft alles nach Plan, wird 2025 oder 2026 der erste Spatenstich gesetzt.

Ist das eine gute oder schlechte Nachricht? Für Baubürgemeister Udo Hollauer letzteres – er spricht von einem "Worst-Case-Szenario", und über den roten Balken mag er gar nicht erst nachdenken: Sollte Berlin tatsächlich nur noch halb soviel Geld investieren wie bisher, käme der Baubeginn 2032 – aber bis dahin gäbe es schon wieder einen neuen Verkehrswegeplan, und die Karten wären neu gemischt.

Übrigens: Ganz egal, ob 2026 oder 2032 gilt – das Planfeststellungsverfahren für die Lautlinger Ortsumgehung dürfte bis dahin längst abgeschlossen sein.