Der traditionsreiche Landgasthof Albans Sonne in Schapbach braucht einen neuen Wirt. Denn Tilo Lutz will kürzer treten. Für die Suche nach einem Nachfolger hat auch Bürgermeister Bernhard Waidele seine Unterstützung zugesagt.
Bad Rippoldsau-Schapbach - Die "Sonne" in der Ortsmitte Schapbachs gibt es seit über 160 Jahren. 1913 brannte die Wirtschaft vollständig ab. Vom damaligen Besitzer Alban Armbruster wurde sie wieder aufgebaut und großzügig erweitert.
Rosel Lutz, geborene Müller, die 1965 Ernst Lutz heiratete und im März 2020 im Alter von 84 Jahren starb, war 42 Jahre lang für die "Sonne" alleine verantwortlich.
Betrieb von Mutter übernommen
1993 hatte Sohn Tilo Lutz das Musiklokal "Junger Alban" eröffnet und 22 Jahre lang mit großem Erfolg betrieben. 2009 übernahm Tilo Lutz den Betrieb von seiner Mutter. Aus gesundheitlichen Gründen will der 54-Jährige in einem Jahr das Gasthaus mit Hotel veräußern. Verkaufen will er aber nur, wenn der Käufer die Fortführung der Gastronomie zusichert. Seit Generationen schätzen die Gäste die persönliche und herzliche Atmosphäre und den freundlichen Service der "Sonne". Auch die kulturellen Veranstaltungen wie das Piano-Frühstück mit Hotel-Chef und Entertainer Tilo Lutz zusammen mit Eugen Heinrich zeichnen das Haus aus.
Die Fortführung der Gaststätte ist auch ganz im Sinne der Gemeindeverwaltung, denn allzu viele Gaststätten gibt es in Schapbach nicht mehr, wo früher einmal 13 Lokale vorhanden waren und ihre Gäste bewirteten. Das Hotel Ochsenwirtshof liegt zwei Kilometer außerhalb von Schapbach, und das Gasthaus Adler hat nur noch zu bestimmten Anlässen geöffnet. Somit ist "Albans Sonne" unverzichtbar für Schapbach, das weiß auch Bürgermeister Bernhard Waidele. Eine Gaststätte mitten im Ort sei für die Gemeinde eine wichtige Institution. Hier trifft man sich, hier finden die Veranstaltungen, Versammlungen, Beerdigungen, Geburtstagsfeiern und Hochzeiten statt. Und natürlich auch für den Tourismus sei so eine Gaststätte im Ort sehr wichtig, betont Waidele. Viele Gäste vom stets gut frequentierten Campingplatz Alisehof und auch vom Alternativen Wolf- und Bärenpark kehren hier ein.
Gemeinde sagt Hilfe bei der Suche zu
Die Gemeinde hat Lutz zugesagt, bei der Suche nach einem Käufer behilflich zu sein, denn das sei so nicht einfach Privatsache, und man würde auch den neuen Betreiber unterstützen. Dabei denkt Waidele an die Beantragung von Mitteln aus dem Leader-Programm, das Projekte im ländlichen Raum fördert. Auch Gelder aus dem Tourismus-Infrastrukturprogramm seien eventuell möglich, gab Tourismusleiter Josef Oehler zu verstehen.
Seit Mai bietet Lutz die Gaststätte zum Verkauf an. Zwar haben sich einige Interessenten gemeldet, doch meist wollen diese das Hotel ohne Gaststätte weiterführen. Aber das kommt für Lutz nicht in Frage, das Gemeindeleben im Ort solle weitergehen und nicht sterben. Er könne die Gedanken der Interessenten aber nachvollziehen, denn die Zeiten in der Gastronomie seien schwieriger geworden, wobei das größte Problem der Personalmangel sei. Zwei bewährte Stammkräfte seien ausgefallen, und Ersatz sei nur schwer zu bekommen. So konnte die Gaststätte gerade in den Sommermonaten über die Mittagszeit nicht immer geöffnet werden.
Die Corona-Zeit hatte Lutz für Sanierungen genutzt. Sicherlich werde die Suche nach einem Nachfolger schwierig, das weiß auch Lutz. Während der Übergangszeit würde er bei Bedarf auch seine Hilfe anbieten.