Mary Peltola bei Gesprächen mit Bürgern während des Wahlkampfs in Alaska. Foto: Imago/Zuma/Marc Lester

Mary Peltola hat gut Aussichten, als erste Ureinwohnerin Alaskas einen Sitz im amerikanischen Kongress zu erobern – und ein Comeback von Sarah Palin zu verhindern.

Als junges Mädchen verfolgte sie den Wahlkampf des Mannes aus nächster Nähe, den sie nach fünf Jahrzehnten im US-Kongress beerben möchte. Dabei könnte Mary Peltola sich nicht stärker von dem Republikaner Don Young unterscheiden, mit dem ihr Vater eng befreundet war. Während der legendäre Kongressabgeordnete aus Alaska ein Raubein war, das gerne austeilte, hat die Angehörige der Yupik das Image einer sanften Brückenbauerin.

 

Die 48-Jährige ist jetzt bestens positioniert, den verstorbenen Don Young zu beerben. Nach Auszählung von mehr als achtzig Prozent der Stimmen liegt sie um mehr als sechs Punkte vor der ehemaligen Gouverneurin des Bundesstaates, Sarah Palin, und vor Nick Begich, der aus der prominentesten Familie der Demokraten stammt, aber wie Palin als Republikaner antritt. Aufgrund der langen Postlaufzeiten aus den entlegenen Regionen Alaskas lässt das offizielle Wahlergebnis noch eine Weile auf sich warten. Doch es müsste ein Wunder geschehen, damit einer ihrer Mitbewerber noch an Peltola vorbeizöge.

Das nächste Ziel sind die Zwischenwahlen im November

Mit dem Rückenwind einer Amtsinhaberin ginge sie dann im November bei den Zwischenwahlen noch einmal an den Start. Ein Rennen, in dem sie nach dem komplizierten Ausscheidungssystems Alaskas ebenfalls deutlich führt.

Dass die einzige Demokratin in dem einstmals bis zu 50 Kandidaten großen Feld mit deutlichem Abstand vorn liegt, hat mit ihrer Qualität als unabhängige moderate Stimme zu tun. „Ich sehe die Menschen jenseits ihrer Parteizugehörigkeit“, so beschrieb die Leiterin einer Fischereibehörde der Ureinwohner am Kuskokwim River in der Wahlnacht ihr Erfolgsrezept. „Die Menschen in Alaska schätzen das. Sie wählen Personen und nicht Parteien.“ Ihre positive Ausstrahlung als Person stellte die vierfache Mutter in ihrer Zeit als Abgeordnete im Staatsparlament von Alaska von 2009 bis 2019 unter Beweis. Damals freundete sie sich mit ihrer Konkurrentin um den Kongresssitz über eine zeitgleiche Schwangerschaft an. Sie arbeitete so gut mit der Gouverneurin zusammen, dass Sarah Palin bis heute nur Gutes über Peltola zu sagen hat. Palin, die ehemalige Vizepräsidentschafts-Kandidatin John McCains und eine Wegbereiterin des Trumpismus in den USA, würde sogar für Peltola stimmen, stünde sie nicht selber auf dem Wahlschein. Das jedenfalls deutete sie während einer Debatte an, als der Moderator danach fragte, wer ihre zweite Wahl in dem nach Rängen gewichteten System wäre. Palin zeigte auf die Demokratin.

Während Mary Peltola auch eine „Alaska-zuerst“-Kandidatin ist, unterscheidet sie sich beim Klimaschutz und dem straffreien Zugang zur Abtreibung deutlich von Sarah Palin und dem verstorbenen Vorgänger Don Young. Ein Vorteil ist ihre ethnische Herkunft als Angehörige der Yupik. Rund 15 Prozent der Einwohner des Bundesstaates sind Ureinwohner.

Der Sieg bei den Nachwahlen wäre historisch

Die ausgebildete Lehrerin erinnerte in ihrem Wahlkampf an die sozialen Werte der Yupik, die sie nach Washington bringen will. Der Sieg bei den Nachwahlen wäre ein historischer Erfolg für Peltola. Sie wäre die erste indigene Repräsentantin aus Alaska. Und sie stünde bei den Zwischenwahlen dem Comeback Sarah Palins im Wege.