Im Schutz der Dunkelheit mitten in der Nacht pirscht sich die Einbrecherin an das Auto heran und prüft, ob sich eine der Türen öffnen lässt. Foto: privat

Mitten in der Nacht auf Beutezug: In Donaueschingen filmt eine Kamera eine mysteriöse Frau. Einbrüche folgen – auch anderswo im Landkreis werden Taten registriert.

Es ist wieder Einbrecher-Zeit. Frühe Dunkelheit, wegen der Kälte wenig Frequenz in den Außengebieten der Häuser und Lichtquellen, die den Gaunern signalisieren, wo jemand zu Hause sein könnte und sich ein Einsteigen damit nicht lohnt.

 

Immer wieder warnt dieser Tage auch die Polizei und mahnt zur Vorsicht und Aufmerksamkeit.

Dass das zu Recht geschieht, zeigte sich nun bei Donaueschingen. Kameras von Privatleuten hatten es nun aufgezeichnet: Hier bekamen die Bürger unerwünschten Besuch.

Sie kommt mitten in der Nacht

Sie ist dunkel, vermutlich schwarz gekleidet, und nachts, kurz nach 4 Uhr unterwegs: Eine junge Frau, vermutlich Anfang, Mitte 20, mit lockigem Haar und heller – eventuell weißer – Basecap. Die Schildmütze hat sie tief ins Gesicht gezogen, als sie sich auf dem Anwesen in einem Wohngebiet in Donaueschingen-Neudingen klammheimlich bewegt.

Ihren Kopf hält sie gesenkt. Ruhig und langsam bewegt sie sich um ein Auto herum, das unter einem Carport steht. Und da geschieht es: Sie streckt die Hand aus, greift nach dem Türöffner des Familienautos und prüft, ob er sich zufällig öffnen lässt. Sekunden später wiederholt sie einen solchen Versuch am Kofferraumdeckel. Dann schleicht die Gaunerin davon – und das Kamerabild zeigt wieder eine nächtliche Ruhe, als wäre nichts geschehen.

Doch die Frau hat offenbar mitnichten aufgegeben. In dieser Nacht auf den 1. November, als die Menschen wenige Stunden zuvor noch vergnügt Halloween feierten und sich auch in Neudingen viele Kinder schaurig-schöne Kostüme übergestreift hatten, um für ein wenig Spuk und Schrecken zu sorgen, spielten sich in dem 700-Seelen-Dorf am Rande zum Landkreis Tuttlingen später tatsächlich noch mehrere gruselige Szenen ab, wie die weitere Recherche zeigt. Und auch in der Folgenacht soll keine Ruhe eingekehrt sein.

Mehrere Fälle wie dieser

Die junge Familie war kein Einzelfall. Am Morgen danach ging es in Neudingen und den angrenzenden Dörfern um wie ein Lauffeuer: „Hallo zusammen, in den letzten zwei Nächten waren Banditen im Ort unterwegs. Autos wurden aufgemacht und Wertsachen gestohlen. Falls jemand was bemerkt hat oder bestohlen wurde, bitte an die Ortsverwaltung wenden“, so eine der zahlreichen Rundnachrichten.

Die Bewohner tauschen sich aus, informieren sich gegenseitig über die Vorfälle, prüfen, was gegebenenfalls auf dem eigenen Grundstück passiert ist und fehlt.

Das sagt die Polizei

Nachgefragt beim zuständigen Polizeipräsidium in Konstanz, geht Pressesprecher Daniel Brill der Sache auf den Grund. Alleine in der Halloweennacht auf Samstag, 1. November, seien in Neudingen tatsächlich mehrere Auto- und Garagen-Einbrüche registriert worden. Zwei Diebstähle aus Fahrzeugen seien angezeigt worden sowie ein Diebstahl aus einem Hofladen und ein versuchter Einbruch in ein Firmengebäude.

Eine der Polizei zugegangene Video-Aufnahme werde noch ausgewertet.

Offenbar beließen es der oder die Täter nicht beim Öffnen unachtsam unverschlossen gelassener Autotüren – in mindestens einem Fall sei bekannt, dass die Täter sich gewaltsam Zutritt ins Wageninnere verschafft hätten.

Gestohlen worden sei Bargeld, Geldkassetten und ähnliches sowie sogar Kleidung. Nach Informationen unserer Redaktion entwendeten die Langfinger auch Pakete, die in einem Auto waren, das in einer Garage stand. „Nach derzeitigem Ermittlungsstand gehen wir von einem oder zwei Tätern aus“, erläutert der Polizeisprecher weiter. Eine Serie von Auto-Aufbrüchen, die jüngst in Donaueschingen registriert worden sei, stehe aber vermutlich nicht mit diesen jüngsten Taten in Verbindung.

Die Frage nach den Diebesbanden

Müssen die Kreisbewohner nun besondere Angst vor Diebstählen haben? Daniel Brill verneint das – zumindest nicht mehr oder weniger als in der dunklen Jahreszeit allgemein üblich. Was das heißt, wurde zuletzt vielfach klar: In Hüfingen dringen Unbekannte in der Nacht auf den 10. November in das Feuerwehrgerätehaus ein und lassen Ausrüstung im Wert von knapp 15 000 Euro mitgehen, in Villingen steigen Einbrecher in der Nacht auf den 6. Oktober in einen Mobilfunkladen in der Niederen Straße ein, in Bad Dürrheim versuchen sich Diebe gleich an mehreren Geschäften, scheitern aber großteils an den einbruchssicheren Türen im Gewerbegebiet, in Bräunlingen hingegen gelingt der Coup bei einem Supermarkt, in Triberg gelangen Einbrecher in die Post und nehmen Pakete mit, in St. Georgen stehlen Diebe Buntmetall aus einer Firma in St. Georgen, in Königsfeld hatten Diebe sich sogar an Spendenkassen der evangelischen Kirche bedient.

Dennoch: „Der Schwarzwald Baar Kreis erweist sich bislang nicht als Schwerpunkt“, auch wenn jahreszeitentypisch die Einbruchskriminalität ansteige, sagt Brill.

Gerüchte, wonach aktuell osteuropäische Diebesbanden die Region unsicher machten, konnte Brill nach Informationslage im Polizeipräsidium nicht bestätigen.

Trotzdem werde auf die jahreszeitenabhängigen Kriminalitätsentwicklungen reagiert – es seien Sicherheitskonzepte entworfen und umgesetzt worden, „die sich signifikant an diesem Phänomen ausrichten“. Durch verschiedene Organisationen des Polizeipräsidiums Konstanz würden Maßnahmen getroffen, „um das Sicherheitsgefühl der Bevölkerung nicht nur subjektiv, sondern auch tatsächlich zu erhöhen. Dazu zählt auch, Schwerpunkte im Streifendienst zu verschieben“. Und auch ganz praktische Tipps, wie sich Bürger vor Einbrüchen schützen können, gibt die Polizei.

Wozu die Polizei jetzt rät

Beleuchtung
Eine gut beleuchtete Umgebung kann Einbrecher abschrecken. „Stellen Sie sicher, dass Ihre Außenbeleuchtung funktioniert und regelmäßig überprüft wird“, so die Polizei.

Sichtbarkeit:
„Lassen Sie keine dunklen Ecken oder Versteckmöglichkeiten auf Ihrem Grundstück zu. Schneiden Sie Büsche und Sträucher zurück, um eine gute Sicht auf Ihr Haus und die Umgebung zu haben.“

Türen und Fenster:
„Stellen Sie sicher, dass alle Türen und Fenster abgeschlossen sind, auch wenn Sie nur für kurze Zeit das Haus verlassen. Verwenden Sie robuste Schlösser und überprüfen Sie regelmäßig, ob sie funktionieren.“

Alarmanlagen:
„Eine Alarmanlage kann ein effektives Mittel sein, um Einbrecher abzuschrecken. Stellen Sie sicher, dass Ihre Alarmanlage regelmäßig überprüft und gewartet wird.“

Nachbarschaft:
„Eine gute Nachbarschaft kann ein wichtiger Faktor sein, um die Sicherheit zu erhöhen. Sprechen Sie mit Ihren Nachbarn und haben Sie gegenseitig ein wachsames Auge.“

Urlaub:
„Wenn Sie für längere Zeit verreisen, stellen Sie sicher, dass Ihr Haus nicht wie unbewohnt aussieht. Lassen Sie Ihre Pflanzen gießen, den Rasen mähen und Ihre Zeitungen und Briefe abholen.“

Wertgegenstände:
„Verstecken Sie Wertgegenstände wie Schmuck, Bargeld und wichtige Dokumente an einem sicheren Ort, wie einem Safe oder einem Bankschließfach.“

Überwachungskameras:
Überwachungskameras können ein effektives Mittel sein, um Einbrecher abzuschrecken und die Polizei bei der Ermittlung von Tätern zu unterstützen.“