Das Ringen um den Impfstoff geht weiter. Foto: Bein

Das Coronavirus hat sich im Kreis hartnäckig festgesetzt. Laut Gesundheitsamt ist aktuell keine Tendenz nach unten in Sicht. Die kommenden beiden Wochen seien "entscheidend". Zwar wird es Anfang Juli erstmals kommunale "Pop-Up-Impfaktionen" geben, doch insgesamt sieht Landrat Michel bei der Impfstoffverteilung eine "eklatante Benachteiligung".

Kreis Rottweil - Deutliche Worte fielen diesmal bei der Telefonkonferenz mit der Landkreisbehörde. Der Grund: Durch das neue Konzept mit Impfungen über Betriebsärzte gerät der Kreis Rottweil bei der Verteilung der Vakzine ins Hintertreffen. Denn die hauptsächlich mittelständischen Unternehmen im Landkreis haben keinen eigenen Betriebsarzt und fallen damit bei der Zuteilung von Sonderkontingenten raus.

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Doppelt gestraft

"Hier bei uns werden viele Firmen über Hausärzte betreut", so Landrat Wolf-Rüdiger Michel. Und Impfaktionen gingen dann von deren knappem Kontingent ab. Dies sei eine deutliche Benachteiligung des ländlichen Raums, dabei leide man ohnehin schon darunter, dass kein zentrales Impfzentrum in der Nähe ist, wo Impfdosen in höherer Zahl vorhanden sind. "Es kann nicht sein, dass der ländliche Raum zum Impf-Verlierer wird", ärgert sich der Landrat. Die Betriebsärzteregelung sei ein erneuter "Schlag ins Genick".

Weniger Vakzin fürs KIZ

Im Kreisimpfzentrum (KIZ) können aktuell weniger Impfungen als sonst durchgeführt werden – nur 2390 pro Woche statt zuletzt 3900. Erstimpfungen sind gar nicht möglich, der Impfstoff wird für die Zweitimpfungen gebraucht. Nächste Woche soll es wieder 225 Erstimpfungen, wenn’s gut läuft etwas mehr, geben.

Zu wenig, weiß Landrat Michel, der sagt, es habe den Anschein, man werde für den bisher errungenen Impferfolg nun "abgestraft". Der Kreis, so betont er, stehe bei den Impfquoten mit Blick auf vergleichbare Kreise gut da. Betrachtet man die Quoten nach Postleitzahlen, so haben 42,5 Prozent der Landkreisbewohner die Erstimpfung erhalten, 19,9 Prozent sind vollständig geimpft. Einen großen Anteil leisten die Hausarztpraxen. 25 263 Impfungen gab es auf dieser Schiene schon, insgesamt wurden im Kreis Rottweil rund 74 000 Spritzen gegen das Coronavirus gesetzt.

Impfaktionen Anfang Juli

Immerhin: Anfang Juli wird es dank der Zusammenarbeit mit dem zentralen Impfzentrum in Offenburg erstmals zwei kommunale Pop-Up-Impfaktionen geben. Wie Ordnungsamtsleiter Thomas Seeger informiert, ist für die Raumschaft Schramberg am 7. Juli eine Aktion in Schramberg geplant und in Oberndorf für die Raumschaft Oberndorf und Sulz am 2. Juli – jeweils mit Zweittermin. Für die Impfaktionen seien für jeden Standort und Aktionstag 500 Impfdosen in Aussicht gestellt. Macht 2000 Dosen insgesamt. Gemäß der Vorgaben gelte hier weiter eine Priorisierung. Es sollen Bürger über 60 Jahre Vorrang haben. Wenn die Strukturen stehen, würden die Kommunen über das Prozedere und die Anmeldeformalitäten informieren.

Ausbrüche in Lauterbach

Bleibt die leidige Inzidenz, die im Kreis Rottweil einfach nicht deutlich heruntergehen will. Woran liegt’s? Neben dem üblichen "diffusen" Infektionsgeschehen berichtet Gesundheitsamtsleiter Heinz-Joachim Adam, dass in Sachen Infektionen die Gemeinden Rottweil, Schramberg und Lauterbach ins Auge fallen. In Lauterbach gebe es zwei Ausbrüche. Zum einen in einem Seniorenheim mit 20 Infizierten, davon 14 Beschäftigte, die nicht geimpft seien, und sechs Bewohner, von diesen seien vier geimpft. Den Ausbruch habe man "im Griff", ebenso den Ausbruch in einem privaten Umfeld in einer Anschlussunterbringung in Lauterbach mit acht Infizierten. Alle seien nicht geimpft. Zudem sei zu beobachten, dass Reiserückkehrer aus Südosteuropa die Inzidenz "angetrieben" hätten.

Es gibt bedauerlicherweise zwei neue Todesfälle. Es handelt sich um zwei Menschen über 80 Jahren mit Vorerkrankungen, die "mit COVID-19" verstorben sind.

Kein Rückgang in Sicht

Der Großteil der – Stand Mittwochvormittag – 79 Infizierten im Kreis ist der Altersgruppe der 20- bis 29-Jährigen zuzuordnen. Zu 90 Prozent hätten diese die klassischen Symptome, so Adam. Er bezeichnet die stabile Inzidenz von um die 50 als "erfreulich". Momentan gehe man von leicht steigenden Zahlen aus. Die Kalenderwochen 24 und 25 würden entscheiden, wie es weitergeht und ob sich der Kreis Rottweil mit sinkenden Zahlen "in den Sommer retten" kann.

Viele falsch positive Tests

Erstaunlich: Das umfangreiche Testgeschehen im Kreis Rottweil (an den 55 gemeldeten Teststellen wurden vergangene Woche rund 22 500 Tests durchgeführt) bringt, wie Adams Ausführungen zu entnehmen ist, keine Mengen an echt positiven Tests hervor, aber doch eine nicht unerhebliche Zahl an falsch positiven Ergebnissen. Die Zahl liege aber "unter 100", meint Adam. Die Tests müssten sensibel sein, um Infizierte zu entdecken, erklärt er. Die Testzentren würden unangekündigt kontrolliert. Zwei Standorte – in Sulz und auf der Saline in Rottweil – mussten geschlossen werden.

Eltern verärgert

Das Thema Tests an Schulen sorgt dann auch bei Ordnungsamtsleiter Thomas Seeger für deutliche Worte. Die neue "Corona-Verordnung Schule" sei "misslungen" und sorge für viel Unmut bei Eltern, sagt er. Und diesen Unmut könne er voll und ganz verstehen.

Man könne zwar erkennen, dass mit den 60 Stunden geltenden Tests für Schüler eine Erleichterung geschaffen werden sollte. Doch weil gleichzeitig Ausnahmeregelungen beispielsweise für Grundschulen eingebaut wurden, gibt es viel Konfusion. Den Eltern kann die Testpflicht übertragen werden, diese müssen die Grundschulkinder damit daheim testen – können diese Tests aber nicht für 60 Stunden bescheinigen lassen. Und auch Tests an Teststationen gelten für Schüler nur 24 Stunden. Die Folge: "Eine absolute Ungleichbehandlung, die nicht darstellbar ist", so Seeger.