König Felipe baut seine älteste Tochter Leonor langsam zur Thronfolgerin auf. Foto: Imago/PPE

Die Spanier sind nicht verliebt in ihre Monarchie. Aber wenn sie König Felipe mit ihren Politikern vergleichen, kommt er ziemlich gut weg. Begibt sich jetzt seine Tochter Leonor in die Startlöcher?

Madrid - Vor sieben Jahren dankte König Juan Carlos ab, aber er ist immer noch da. Er lebt jetzt weit weg in Abu Dhabi, was seine mediale Präsenz in Spanien aber nicht mindert. Neulich, Anfang Juli, kam der Schweizer Staatsanwalt Yves Bertossa in Madrid vorbei, um mit Madrider Kollegen den jeweiligen Stand der strafrechtlichen Ermittlungen gegen den Ex-Monarchen abzugleichen. Bisher ist bei diesen – schon drei Jahre währenden – Ermittlungen nicht viel herausgekommen, aber das ist egal. Strafrechtliche Ermittlungen, in diesem Fall hauptsächlich wegen mutmaßlicher Steuerhinterziehung, ruinieren jeden Ruf. Den von Juan Carlos auf alle Fälle. Den der ganzen spanischen Monarchie gleich mit.

 

Nun gut, Letzteres ist eine Sache des Betrachters. Als König Juan Carlos, damals 76 Jahre alt, im Juni 2014 alle Welt mit seinem Rücktritt verblüffte, erklärte er das so: Es sei der Moment, „einer neuen Generation Platz zu machen“. Sein Sohn Felipe VI., damals 46, versprach bei seiner Thronrede eine „erneuerte Monarchie für neue Zeiten“.

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Die Operation Erneuerung ist halbwegs geglückt. Nimmt man alle Spanier zusammen, dann mögen sie ihren König, seinen Vater dagegen nicht mehr besonders. Felipe geben sie, nach einer aktuellen Umfrage des Klatschmediums Vanitatis, die Note 6,4 (auf einer Skala von 0 bis 10) und Juan Carlos eine 3,5. Die Note Felipes entspricht einem knappen Befriedigend. Verglichen mit ihren Politkern, von denen keiner über ein Mangelhaft herauskommt, haben die Spanier ihren König also ganz gern.

Königstreu sind in Spanien vor allem die Älteren

Trotzdem hat Juan Carlos’ unbefangener Umgang mit geschenktem Geld der Monarchie geschadet. Unter den 25- bis 34-Jährigen kommt Felipe nur auf ein schlechtes Ausreichend (5,4 auf der Skala von 0 bis 10); königstreu sind vor allem die Älteren. Die nachlassende Anhänglichkeit an die Monarchie wird allerdings so bald keine Konsequenzen haben. Offen republikanisch sind nur die ganz linken und einige Regionalparteien. Die Revolution muss noch warten.

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Als Staatsoberhaupt ist der König vor allem „Symbol der Einheit und Beständigkeit“ des Landes, so steht es in der Verfassung, und wenn es drauf ankommt, soll er auch „Schlichter“ und „Moderator“ sein. Falls Felipe diese Rolle ausfüllt, dann tut er es hinter den Kulissen. Er mischt sich selten in die Politik ein. Nur einmal, im Katalonienkonflikt 2017, tat er es doch, was ihm die Separatisten bis heute nicht verziehen haben.

Außerdem spricht die Verfassung dem König „die oberste Befehlsgewalt über die Streitkräfte“ zu, was auch wieder symbolisch gemeint ist, aber praktische Konsequenzen hat: Dem König steht eine militärische Ausbildung gut an. Felipe brachte sie als junger Mann hinter sich. Leonor, seine älteste Tochter und Kronprinzessin, hat sie noch vor sich.

Wird Kronprinzessin Leonor auch Militärdienst gehen?

Leonor ist 15 Jahre alt, im Oktober wird sie 16, und wächst gerade in ihre künftige Königinnenrolle hinein. Ende August wird sie Spanien für zwei Jahre verlassen, um an einer Eliteschule in Wales ihr Abitur abzulegen. Danach wäre Zeit für den Militärdienst, doch darüber spricht das Königshaus noch nicht.

Immerhin hat sie dieses Jahr schon ein U-Boot getauft und den „Husaren der Prinzessin“, einer Kavallerie-Einheit, ein Foto von ihr gewidmet – so etwas wird von Königsguckern seismografisch genau verzeichnet. Ihre größte Tat aber vollbrachte sie Anfang Juli, als sie in Barcelona eine kurze Rede in wohlklingendem Katalanisch hielt. Schön und angemessen für das kommende Symbol der Einheit Spaniens.