Vor dem Start der Aktivrente zum 1. Januar überwiegt die Skepsis. Misslingt das Experiment, muss korrigiert werden, meint unser Autor.
Arbeiten im Alter hat einen besonderen Stellenwert, der sich nicht nur finanziell bemessen lässt – es gibt dem Ruheständler das Gefühl, gebraucht zu werden. Gleichwohl erscheint die Offerte der Bundesregierung verlockend: Nach dem Ausstieg aus dem Berufsleben noch 2000 Euro im Monat steuerfrei hinzu zu verdienen, ist ein schöner zusätzlicher Anreiz, um das ganze Erfahrungswissen an jüngere Beschäftigte weiterzugeben.
Neuregelung begünstigt eher Gutverdiener und Mitnahmeeffekte
In den über 65-Jährigen, die heute schon Minijobs haben, liegt ein Potenzial, um den Fachkräftemangel punktuell zu verringern – etwa im Handwerk. Doch sind die Erwartungen der Experten, wie viele Seniorinnen und Senioren insgesamt auf das Angebot eingehen, sehr gedämpft. Ein erheblicher Teil älterer Beschäftigter hört doch schon vorzeitig auf, weil es nicht mehr geht – oder im Bewusstsein, dass sie schlicht zur Genüge gearbeitet haben. Sie zum freiwilligen Weitermachen zu motivieren, dürfte problematisch werden. So gesehen wird die Neuregelung eher Gutverdiener und Mitnahmeeffekte begünstigen – zudem mehr Männer als Frauen.
Die gravierenden Probleme der Beitragskassen werden mit der Aktivrente mitnichten beseitigt. Ob die Gesamtrechnung auch angesichts hoher Steuermindereinnahmen aufgeht, erscheint sehr fraglich. Kann man es dennoch nicht einfach mal versuchen? Ja, aber wenn es sich als Fehlschlag erweist, sollte die Bundesregierung auch bereit sein, sich zügig wieder zu korrigieren.