Ein aktives Biber-Pärchen treibt derzeit sein Unwesen auf der Schwenninger Möglingshöhe und weiß dabei gar nicht, wie über sie diskutiert wird. Während sich die Nagetiere über ihren Bau freuen, wächst bei den Menschen der Unmut.
Auf der Schwenninger Möglingshöhe war jemand fleißig. Seit dem späten Frühjahr des vergangenen Jahres hat sich dort ein Biberpärchen eingenistet.
Das Resultat ihrer Arbeit ist momentan schwer zu übersehen: Etliche Bäume in Ufernähe sind den Nagetieren zum Opfer gefallen und wurden buchstäblich einen Kopf kürzer gemacht. Die Vorstellung eines so fleißigen Tierchens mag putzig erscheinen und auch Roland Brauner, stellvertretender Forstamtsleiter, schmunzelt bei den Erzählungen über den pelzigen Bewohner auf der Möglingshöhe. „Der Biber ist gerade wirklich aktiv“, sagt er lächelnd.
Doch so süß ein brauner Biber, der alles, was nicht niet- und nagelfest ist, für seinen Bau kurz und klein nagt, auch sein mag – das Forstamt sowie die Stadt beschäftigt dieser schwer und hält die Forstverantwortlichen auf Trapp.
Der Biber hält sich an keine EU-Richtlinie
So werden frische Setzlinge massakriert, Wander- und landwirtschaftliche Wege unterspült und ständig müsse das heimische Gewässer wegen den Biberbauten umgeleitet oder diese umgesiedelt werden. „Das ist eine echte Sisyphusarbeit“, gibt Brauner zu und ergänzt lachend: „Auch für den Biber. Kaum vorstellbar, wenn einem ständig sein hart erarbeitetes Eigenheim gekündigt wird!“ An eine bestehende EU-Wasserrichtline zur Durchwanderbarkeit des Wasser hält sich der Biber natürlich ebenso nicht – „der macht genau das Gegenteil“, sagt Brauner.
Madlen Falke von der städtischen Pressestelle benennt das Problem in Zahlen: So koste die Aktivität der Biber die Doppelstadt allein im vergangenen Jahr für Kontrollen, Fällarbeiten, Aufräumarbeiten, Baumschutzmaßnahmen und mehr um die 60 000 Euro, wobei die Kosten mit wachsender Population noch weiter steigen werden, prognostiziert Madlen Falke die Zukunft.
Ein Wolf muss wohl Abhilfe schaffen
Doch wieso fühlen sich die Biber hier so wohl? „Das Gleichgewicht ist nicht hergestellt, das ist das Problem. Der Biber hat hier keine natürlichen Feinde, der Wolf fehlt“, erklärt Brauner. Wäre da eine Wolfspopulation im Wald etwa die Lösung? Brauner schmunzelt. „Das sicherlich nicht, aber so langsam sollte man über ein Bibermanagement nachdenken“, erklärt der erfahrene Forstamtsleiter.
Da stecke jedoch ein riesiger bürokratischer Aufwand dahinter, da der Biber bis dato noch unter Naturschutz steht. Er selbst habe nichts gegen die Tiere und finde sie auch ganz putzig, doch immerhin sei mit dem Wald auch ein großes wirtschaftliches Interesse verbunden und die finanziellen Lasten, ständig neue Buchen oder Eichen hochzuziehen, weil sich der Biber an diesen vergnügt hat, seien groß.
Doch die Stadt dämpft die Erwartungen eines Bibermanagements: „Da der Biber ein nach Bundesnaturschutzgesetz beziehungsweise der übergeordneten Flora-Fauna-Habitat-Richtlinie besonders streng geschütztes Tier ist, dürfen weder wir als Stadt, noch der Landkreis, Planungen zur Regulierung der Biberpopulation erstellen“, erklärt Madlen Falke.
Die Chancen stehen also gut, dass das pelzige und putzige Tierchen noch weiter munter an den städtischen Bäumen nagt.