Die Akteure der Internationalen Wochen gegen Rassismus haben ein vielschichtiges Programm ausgearbeitet. Foto: Stadt Lörrach/Hannah Schelly

Es ist mittlerweile das achte Mal, dass sich Lörrach an den Internationalen Wochen gegen Rassismus beteiligt. Was vom 12. bis zum 29. März alles geboten wird.

Das Programm stellt die Themenbereiche Demokratie, Menschenwürde und gesellschaftlichen Zusammenhalt in den Fokus, war bei der Pressekonferenz zu erfahren.

 

Historische Bedeutung

Die Demokratie gehöre ja quasi zur DNA Lörrach, erklärte Jörg Lutz einführend und verwies auf die historische Bedeutung Lörrachs im Jahr Revolutionsjahr 1848 sowie auf die intensive Auseinandersetzung mit der Nazi-Vergangenheit früherer Stadtspitzen. Leider sei das Thema Demokratie und deren Gefährdung aktueller denn je. Untrennbar verbunden mit dem Demokratieverständnis seien indes Menschenwürde und Antirassismus, so der Oberbürgermeister.

Insel der Glückseligen

Auch wenn in Lörrach rassistische Vorkommnisse nicht oft in den Schlagzeilen seien, da man quasi „auf einer Insel der Glückseligen“ lebe, müsse man jeglichen rassistischen Tendenzen präventiv entgegenwirken, ergänzte Lars Frick, Fachbereichsleiter Kultur.

Genau dafür sehen beide das aufgegleiste Veranstaltungsprogramm als ideal an.

Rechte Sprüche an Schulen

34 Veranstaltungen finden zwischen dem 12. und 29. März statt. Veranstalter sind Kulturinstitutionen, Vereine, Schule, Kirche, Synagoge, Werkraum Schöpflin oder Burghof, listet Sonja Raupp vom Fachbereich Kultur und Tourismus auf. Dabei sollen alle Bevölkerungsgruppen angesprochen werden. Wichtig ist ihr, dass die Jugend auch im Fokus steht. „Denn es ist erschreckend, wie viele rechtspopulistische Äußerungen mittlerweile an den Schulen zu hören sind“, sagt sie.

Starkes Netzwerk

Das Angebot ist also bunt, es reicht von Vorträgen über Workshops, Theater, Stadtführungen bis zu Filmpräsentationen. Inzwischen hätten sich die Akteure bei ihren Treffen ein starkes Netzwerk aufgebaut, freut sich Raupp.

Das Plakat zur Veranstaltungsreihe Foto: Gabriele Hauger

Zum Auftakt der Wochen gegen Rassismus wird in der Volkshochschule eine Ausstellung eröffnet. Titel: „Was ihr nicht seht.“ Darin werden Erfahrungsberichte Betroffener präsentiert, Beispiele für Alltagsrassismus in Deutschland aufgezeigt. Im Alten Rathaus zeigt der Verein ROSA einen Dokumentarfilm über eine afghanische Frau im Lager Moria, anschließend findet eine Diskussionsrunde statt.

Mit dabei ist auch der SAK. Schon immer arbeite man hier nach dem Prinzip, für alle offen zu sein, erklärt Jakob Rubner, SAK Kinderbüro/LUDOS Jugendtreff. Bei Spielangeboten soll daher wieder gezeigt werden, dass es beim Miteinander Spielen nicht viel Sprache braucht. Außerdem sind Jugendliche unter dem Motto „Let’s party“ dazu aufgerufen, ihre Vielfalt zu feiern – und das auch selbst zu organisieren. Und es gibt drei Abende, an denen Jugendliche sich in einem VR-Escaperoom auf Perspektivwechsel einlassen können.

Bei Führungen wird an Lörracher Plätzen von Demokratie, Rassismus, Widerstand und Ausgrenzung erzählt.

Erlebnisse von Flüchtenden

Pfarrer Dr. Luca Ghiretti, Diakoniepfarrer im Kirchenbezirk Markgräflerland, hat einen Sozialarbeiter und Künstler nach Lörrach eingeladen. Francesco Piobbichi war lange in Lampedusa und setzte seine dortigen Erfahrungen künstlerisch um. Er berichtet zudem über die Ausbeutung von Menschen ohne Papiere in Kalabrien. Ausstellung und Film werden gezeigt.

Eine Bereicherung

Ghiretti mahnte an, Migration nicht immer nur als Problem zu sehen. Die daraus resultierende Bereicherung müsse im Vordergrund stehen – ohne blauäugig zu sein.

Unter dem Titel „Der Tag, an dem ich sterben sollte“ spricht im Werkraum Schöpflin Said Etris Hashemi, der den rassistischen Anschlag in Hanau überlebte. Diese und weitere Akteure spannen zudem am Aktionstag im Herzen der Stadt am 21. März zusammen mit Musik, Info und Spielangeboten.

Aktionswochen: 12. bis 29. März; Infos: www.loerrach.de/wochen-gegen-rassismus