Der Aktionstag Geschichte in St. Georgen spannte den Bogen von Handwerk und Industrie bis zu Architektur und Kultur. Aber auch von dunklen Kapiteln war zu erfahren.
Abwechslungsreiche Historie präsentierte das Kreisarchiv Schwarzwald-Baar beim Aktionstag Geschichte in der Stadthalle in St. Georgen. Dabei wurden auch dunkle Kapitel nicht ausgespart.
Bürgermeister Michael Rieger erinnerte an die Bedeutung des ehemaligen Klosters St. Georgen, der Erfindergeist der Einwohner und den „visionären“ Bau der Schwarzwaldbahn. Er mahnte, dass Geschichte immer neu betrachtet werden müsse.
Landrat Sven Hinterseh lobte angesichts von 26 ausstellenden Institutionen „bürgerschaftliches Engagement in Reinstform“. Der Aktionstag sei wichtig, da es vieles zu entdecken gebe. Geschichte sei unheimlich komplex, das Kloster St. Georgen eine Triebfeder hochmittelalterlicher Landesgeschichte, so Kreisarchivar Clemens Joos.
Mit Infos zu einem Orchestrion und der derzeit laufenden Ausstellung zur örtlichen Uhrenproduktion ab dem 19. Jahrhundert konnte das Museum „Gasthaus Arche“ in Furtwangen aufwarten. Bäuerliches Arbeitsgerät zeigte der Stand zum auf 500 Quadratmetern einer ehemaligen Pfarrscheuer beheimateten Bauernmuseum Bösingen.
Entwicklung der Waffentechnik
Eine über 200-jährige Geschichte der Waffentechnik erläuterte Oberndorf mit einem Perkussionskarabiner, außerdem einen Artikel von 1848 des Schwarzwälder Boten, der auf die damals aufgehobene Zensur einging. Für Kinder Geschichte erlebbar macht der Geschichts- und Heimatverein Villingen mit der „Geschichtskratte“, in der sich unter anderem alte Spiele finden, als Ergänzung gibt es zudem Führungen für den Nachwuchs.
Der Verein für Geschichte und Naturgeschichte der Baar informierte über Vorträge zu Themen wie das Naturschutzgebiet Mittelmeß oder den Brautzug Marie Antoinettes 1770. Allgemein verständliche Darstellungen zur Ortsgeschichte präsentierte der Arbeitskreis „Fridinger Geschichte“.
Altstadt im 16. Jahrhundert drei Mal abgebrannt
Schiltach wiederum berichtete von einer 1590 geplanten Siedlung von auf Brandschutz ausgerichteten Fachwerkhäusern, nachdem die Altstadt im 16. Jahrhundert drei Mal abgebrannt war. In Wurmlingen wartet auf Besucher ein Badgebäude als Teil eines ehemaligen römischen Gutshofes.
Das Freilichtmuseum Neuhausen ob Eck lockte mit Impressionen aus Bauernhäusern und geplanten Schreibstunden in Sütterlin oder Handwerksvorführungen.
Fasnet spielt große Rolle
„Fasnet“ war und ist ein großes Thema in Möhringen, wie der Heimatverein mittels eines mehr als 100 Jahre alten Narrenhansele-Kostüms verdeutlichte.
Das fürstlich fürstenbergische Archiv Donaueschingen zeigte den Gegensatz herzöglicher Kriegsbegeisterung nach 1900 und der Ernüchterung durch Kriegserfahrungen. Einem dunklen Thema widmeten sich auch die Initiative KZ-Gedenken in Spaichingen und die Gedenkstätte Eckerwald, in der noch in den letzten Kriegstagen vor allem polnische Bürger des Warschauer Aufstands dabei starben, als sie Öl aus Schiefer gewinnen mussten.
Heimatmuseum Furtwangen erinnert an Jahresausstellung
Mit Schloss-, Adels- und Bauernmuseen wartete das Forum für Kunst und Kultur am oberen Neckar auf. Schenkenzell wiederum informierte über die Schenkenburg. Das Heimatmuseum Furtwangen erinnerte an die Jahresausstellung zu Korbwaren und Veranstaltungen im Heimathaus.
Das Museum oberes Donautal informierte über Sammlungen im Ifflinger Schloss, der St. Georgener Verein für Heimatgeschichte präsentierte sich mit Publikationen und Informationen zum Lapidarium oder der Projektgruppe „Das dritte Reich und wir“. Einen größeren Überblick boten zudem verschiedene Kreisarchive aus der Region.