Flächendeckend Tempo 30 – das ist das Hauptziel.
„In Maulburg passiert viel.“ Mit dieser Feststellung eröffnete Bürgermeisterin Jessica Lang die Debatte. Mit dem Aktionsplan will die Gemeinde Maulburg den Fuß-, Rad- und öffentlichen Nahverkehr im Ort fördern, dazu gehört ein lückenloses Rad- und Fußwegenetz. Sie will mehr Aufenthaltsqualität schaffen, vor allem in den beiden Ortsmitten am Rathaus und am Latschariplatz, den Straßenraum begrünen und an den Klimawandel anpassen. Die Lärmbelastung der Anwohner soll durch die Ausweisung von Tempo 30 verringert werden. Ein erster Workshop mit „Stakeholdern“, an dem auch Bürger und Wirtschaft beteiligt waren, habe stattgefunden, sagte die Bürgermeisterin. Auch über das Landesportal MOBI-Planer können Bürger online Vorschläge machen.
Bürgerbeteiligung soll in den Aktionsplan einfließen
Weitere Planungen sollen in den Aktionsplan einfließen, etwa die Ergebnisse des Gemeindeentwicklungskonzeptes mit Bürgerbeteiligung, die Schulwegeplanung, die Campusentwicklung bei Endress und Hauser, Pläne zum Ausbau der S-Bahn und des Radschnellwegs RS 7.
Wolfgang Wahl vom Planungsbüro RAPP AG stellte Verkehrszählungen und Untersuchungen zur Lärmbelastung vor. Danach leiden in Maulburg nachts 788 Einwohner unter gesundheitsschädlichem Verkehrslärm von mindestens 55 Dezibel, vor allem in Blostweg und Hermann-Burte-Straße, an der B 317, in der Hauptstraße und an der Adelhauser Straße. Wahl empfahl, auf diesen Straßen Tempo 30 auszuweisen, wo bisher noch Tempo 50 gilt. Verkehrslärm gefährde die Gesundheit, erklärte Wahl die Rechtslage: Ab einer Belastung von 55/65 Dezibel nachts/tagsüber könne eine Gemeinde freiwillig Lärmschutzmaßnahmen ergreifen, ab 57/67 Dezibel sei sie dazu verpflichtet. Wahl empfahl, auf der B 317 bei Maulburg das Tempolimit von 70 Stundenkilometern zu erweitern.
Wahl analysierte Stärken und Schwächen im Maulburger Verkehr und schlug Verbesserungen vor: mehr Fußgängerüberwege und Elektroladesäulen, Weiterarbeit am Schulwegekonzept, Parkraumbewirtschaftung und Überwachung. In Maulburg gebe es weder beim Auto- noch beim Radverkehr Unfallschwerpunkte, hob er positiv hervor.
Die Trennwirkung der S-Bahnstrecke werde sich nach dem Ausbau erhöhen, da dann in Maulburg die Schranken häufiger geschlossen würden, nannte Wahl einen weiteren Punkt. Bekanntlich soll in Zukunft auch die S 5 bis Schopfheim fahren und die S 6 zwischen Basel und Lörrach im 15-Minuten-Takt verkehren.
Zur Debatte steht auch die Schließung von Bahnübergängen im Zuge des S-Bahnausbaus. Bürgermeisterin Lang empfahl dem Gemeinderat, eine Machbarkeitsstudie in Auftrag zu geben, bevor die Gemeinde Maulburg dazu eine Entscheidung fällt. Drei Varianten sollten geprüft werden: die Erhaltung der Bahnübergänge Köchlin- und Hermann-Burte-Straße. Die Schließung des Übergangs Köchlinstraße mit Unterführung für Fuß- und Radverkehr. Schließung beider Übergänge mit Unterführung für den Verkehr im Bereich Hermann-Burte-Straße.
Was die Räte zu dem Thema sagen
Kurt Greiner (Freie Wähler) dankte Wolfgang Wahl für den Sachstandsbericht. Die Vorschriften zum Lärmaktionsplan würden bei der flächendeckenden Ausweisung von Tempo 30 helfen, stellte er fest. Christian Leszkowski (SPD) und Heidrum Seidensticker (Freie Wähler) befürworteten die Machbarkeitsstudie zu den Bahnübergängen. Leszkowski wollte aber erst zustimmen, wenn er die Kosten kenne.
Christoph Schwald (Freie Wähler) mahnte dagegen zur Eile: Seit 20 Jahren kämpfe er für eine S-Bahn-Unterführung. Je länger man warte, desto eher würden benötigte Grundstücke überbaut. Heidrun Seidensticker (Freie Wähler) bat um einen Zeitplan für all die genannten Vorhaben mit verschiedenen Akteuren.