Großen Handlungsbedarf in Sachen Klimaschutz sieht das Aktionsbündnis Klimanotstand in Villingen-Schwenningen. Foto: Pixabay

Nach einem Dialog des Aktionsbündnisses Klimanotstand mit der Stadt beziehen die Klimaschützer Stellung – und kritisieren die Selbstdarstellung der Stadt. Es gehe nicht darum, die bestehenden Projekte hervorzuheben – sondern zu betonen, was noch getan werden muss.

Villingen-Schwenningen - Trotz einigen positiven Entwicklungen in Sachen Klimaschutz sei noch viel zu tun, wenn die ganze Doppelstadt bis zum Jahr 2035 tatsächlich klimaneutral werden soll, erklärt das Aktionsbündnis Klimanotstand gegenüber dem Schwarzwälder Boten.

Nachdem eine 48-Stunden-Mahnwache und ein offener Brief des Aktionsbündnisses an Stadtverwaltung und Gemeinderat Furore gemacht hatte, fand am 22. April ein Gedankenaustausch mit der Stadtverwaltung statt (wir berichteten). Das Aktionsbündnis Klimanotstand, bestehend aus der Fridays for Future-Bewegung, den Omas gegen Rechts, den Extinktion Rebellion und der Seebrücke, übte gegenüber der Stadt Kritik in Sachen Klimaschutz aus.

Kommune fällt eine sehr wichtige Rolle zu

Schwerpunkt des Dialogs waren die Themen Bauen und Wohnen, Energie und Mobilität. "Die Handlungen der Stadt kann man als Klimaschutz-Aktivist nur gut finden", erklärt Christopher Beck von dem Aktionsbündnis gegenüber dem Schwarzwälder Boten. Trotzdem komme der eigentliche Grund für das Gespräch zu kurz, so Beck. Dem Aktionsbündnis sei es wichtig offen zu legen, was die Stadt "nicht beziehungsweise noch nicht macht", so der Aktivist.

Mit diesem konkreten Handlungsbedarf hätten sich die Stadt und die Kommunalpolitik noch nicht ausreichend auseinandergesetzt. Beck ist es wichtig zu betonen, dass das Aktionsbündnis nicht alles gut findet, was die Stadt bisher tut. "Sonst hätten wir uns das auch alles sparen können", macht das Mitglied der Gruppe Extinktion Rebellion deutlich.

Das Ziel ist, dass die Stadt Villingen-Schwenningen spätestens im Jahr 2035 komplett klimaneutral ist. Das heißt, dass das Leben des öffentlichen Sektors und der Bürger keine Emissionen mehr verursacht. "Der Kommune fällt hierbei eine sehr wichtige Rolle zu, denn wenn die Emissionsfreiheit bei den Bürgern nicht ankommt, waren die Bemühungen der Unterzeichnerstaaten des Pariser ­Abkommens umsonst", erklärt Beck. Das Aktions­bündnis weist dabei besonders auf drei Handlungsfelder hin, die von der Stadt noch gar nicht oder zu wenig bearbeitet würden.

Bauen und Wohnen

Vor allem in Sachen Bau- und Wohnwende sind die Klimaschützer der Meinung, dass für die spätere klimaneutrale Nutzung von Gebäuden ein klimaneutraler Baustandard bei der Herstellung Voraussetzung sein soll. Ansonsten müssten Neubauten mit niedrigerem Standard bereits nach einigen Jahren wieder aufwendig nachsaniert werden. "Was absurd wäre", so Beck.

Beim bereits vorhandenen privaten Gebäudebestand soll die Kommune, laut den Klimaaktivisten, in den nächsten Jahren den Eigentümern ermöglichen, klimaneutrale Heizungskonzepte quartiersweise umzusetzen. Ohne kommunale Mitwirkung seien solche Projekte kaum durchführbar.

Energiewende

Im Bereich Energiewende verweise die Stadt immer wieder auf die eigenen Liegenschaften, die bereits Ökostrom beziehen. Das ist laut Aktionsbündnis jedoch nicht ausreichend. Nicht nur die Verwaltung, sondern die ganze Kommune müsse klimaneutral werden.

Beispielsweise könnten die Stadtwerke den Bürgern einen Ökostromtarif anbieten, der günstiger als die herkömmlichen Strommix-Tarife ist, schlagen die Klimaschützer vor. "Wo ein Wille ist, da ist also auch ein Weg." Anzustreben ist laut Aktionsbündnis, dass die Stadtverwaltung in ihrer Vorbildrolle zunächst auf eigenen Liegenschaften selber mindestens so viel Strom produziert, wie sie auch selbst verbraucht.

Mobilität

Eine weitere Forderung des Bündnisses ist die Mobilitätswende in der Kommune. Die Stadt führe hier an, dass die Stärkung des Umweltverbunds aus Fuß-, Rad- und öffentlichem Verkehr eine politische Zielsetzung der Stadt sei. Ein Radverkehrskonzept werde derzeit erarbeitet und soll noch dieses Jahr beschlossen werden. Hierbei werde besonders auf Routen geachtet, die alle wichtigen Ziele der Stadt miteinander verbinden.

Dieses Vorgehen halten die Klimaschützer für nicht ausreichend. "Solange die Radnetze den Pkw-Straßennetzen ausweichen müssen, wird keine Mobilitätswende stattfinden." Die Entscheidung für das Radfahren müsse strukturelle Vorteile bieten, damit die Ersetzung von nicht notwendigem Autoverkehr möglich sei. Außerdem fordert das Aktionsbündnis, dass bei der Frage der in der Stadt erhobenen Parkgebühren ­Elektrofahrzeuge privilegiert werden sollten.

Trotz allem zieht Beck ein positives Resümee aus dem ersten Gespräch mit der Stadtverwaltung. Beiden Seiten sei es wichtig, miteinander ins Gespräch zu kommen. Jetzt bleibe abzuwarten, ob die Stadt auf die genannten Forderungen der Aktivisten eingeht, wenn Klimaneutralität tatsächlich in der Mitte der Gesellschaft ankommen soll.

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