Unterstützen die Aktion: Familie Förstner. Foto: Förstner

Woher kommt Rassismus? Warum steckt in jedem Menschen ein kleiner Rassist und wie können wir das ändern? Fragen wie diese beantwortete der Koordinator Cord Dette in einem Vortrag zum Thema "Rassismus im Alltag", zu dem das Juks3 eingeladen hat.

Schramberg - Cord Dette vom Demokratiezentrum "Albbündnis für Menschenrechte, gegen gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit" stellte seinen Online-Vortrag unter das Thema "Rassismus im Alltag. Die sind anders als wir." Das Juks3 hatte im Rahmen der internationalen Wochen gegen Rassismus dazu eingeladen. OB-Stellvertreter Martin Himmelheber begrüßte die Zuhörer und erläuterte anhand des Schramberger "Haus des Mohren", wie Rassismus auch in Schramberg im Alltag etabliert sei. Dieser Umstand sei jedoch so alltäglich geworden, dass sich niemand mehr dessen Ursprungs bewusst sei.

Rassismus ist historisches Konstrukt

Cord Dette warnte die Zuhörer vor, dass der Vortrag ein Gefühl von Scham und Schuld hervorrufen könnte. Dies sei ein normaler Effekt, der bei weißen Menschen mit der Auseinandersetzung mit Rassismus häufig einhergehe. Rassismus sei nicht im Menschen angelegt, wie etwa der Wunsch nach Abgrenzung von "anderen" und Vergruppungsprozessen. Bei Rassismus handele es sich um ein historisches Konstrukt, das auf dem Gegensatz von Macht und Ohnmacht beruhe.

Dette erläuterte den historischen Hintergrund der Entstehung von Rassismus von der Antike, über die Spanische Inquisition und den Kolonialismus bis hin zum Nationalsozialismus. Er versuchte darzustellen, wie gewisse rassistische Äußerungen entstanden sind und warum es wichtig ist, sich der Bedeutung bestimmter sprachlicher Aussagen bewusst zu werden. Seinen Vortrag gestaltete Dette interaktiv. Immer wieder bezog er die Zuhörer durch Beispiele und Fragen mit ein. Er erklärte das Phänomen der Täter-Opfer-Umkehr, das vor allem der Verharmlosung rassistischer Bemerkungen und Verhaltensweisen diene und erläuterte den Zusammenhang zwischen Fremdzuweisung und dem Ungleichgewicht der Mächte bei Diskussionen über Rassismus.

In jedem Mensch steckt ein kleiner Rassist

Um Anti-Rassist zu werden, riet Dette den Zuhörern, müsse man aufhören, nur bei anderen auf rassistische Bemerkungen zu achten und sich eingestehen, dass in jedem Mensch zumindest ein kleiner Rassist stecke. Bevor man anfange, die Schuld bei anderen zu suchen, sei es oftmals besser, sich bei seinem Gegenüber zu entschuldigen, sollte man sich doch einmal rassistisch geäußert haben ohne darüber nachzudenken.

Im Anschluss konnten die Zuhörer Fragen stellen. Es entwickelte sich eine angeregte Diskussion über bestimmte rassistisch konnotierte Begriffe und ihre Verwendung sowie über die Frage, wo Rassismus beginnt und wie anti-rassistisches Verhalten aussieht.

Vereine beteiligen sich

Die Mitarbeiter des Juks3 freuen sich, dass so viele Schramberger Bürger an der Fotoaktion "Ich wähle Menschenwürde" teilgenommen haben. Darunter viele Einzelpersonen und Familien, aber auch mehrere Vereinsmitglieder. Auch zwei der teilnehmenden Vereine teilten ihre Gedanken zur Aktion mit dem Juks3.

Den Mitgliedern der Schützengesellschaft Schramberg ist es ein großes Anliegen, auch öffentlich gegen Rassismus einzustehen. "Gerade im Vereinsleben ist es wichtig, offen für andere Menschen, andere Denkweisen und andere Kulturen zu sein." Denn nur so könne man im Miteinander voneinander lernen. Die gemeinsame Liebe zum Sport verbinde die Vereinsmitglieder, unabhängig von Herkunft oder Nationalität. Dieser Meinung ist auch der Musikverein Harmonie Tennenbronn. Er nimmt an der Aktion teil, weil "Musik die Sprache der Welt ist. In der Musik sind alle gleich. Jeder sollte musikalisch aktiv sein dürfen, unabhängig von der eigenen Abstammung".

Weißes Privileg vor Augen führen

Christina Klausmann setzt ein eindeutiges Zeichen gegen rassistisches Verhalten. "Eine Gesellschaft funktioniert am besten, wenn sie offen ist und nicht ausgrenzt. Eine Gesellschaft sollte sich permanent auf Veränderung einlassen und nicht an starren Strukturen festhalten. Nur so können wir gemeinsam wachsen, statt Einzelne zulasten von vielen groß und übermächtig werden zu lassen." Ihr ist es wichtig, den Menschen, die sich rassistisch äußern, zu zeigen, "dass sie in der Minderheit sind und auch bleiben werden". Zudem sei es wichtig, sich das eigene weiße Privileg vor Augen zu führen. Klausmann wünscht sich eine Welt, in der die Nation nichts mehr zählt: "Wir sollten uns alle als Weltenbürger begreifen."

"Rassismus ist doof und unnötig", findet auch Familie Förstner. Sie wünscht sich für die Zukunft, dass alle Menschen dieselben Möglichkeiten für die Entwicklung der eigenen Persönlichkeit erhalten, unabhängig von der Herkunft. Auch Simon Moosmann bezieht Stellung. "Meistens sind nur die extremen Stimmen laut. Das muss sich ändern", findet er. Er ist überzeugt, dass die breite Mehrheit weltoffen und anti-rassistisch ist. Diese Einstellung sollte man öffentlich machen und nicht nur "gutheißen". Mit direktem Rassismus habe er bisher noch keine Erfahrungen gemacht. Er findet es aber erschreckend, welche Vorurteile über Menschen anderer Herkunft oder Kultur fest in der Gesellschaft verankert seien. Ein einschneidendes Erlebnis sei für ihn gewesen, als zwei bei seiner Tante wohnende geflüchtete Menschen gezwungen waren, gegen ihre Abschiebung anzukämpfen. "Und das, obwohl sie sehr schnell und gut Deutsch gelernt, sich in die örtliche Gemeinschaft integriert und eine sichere Arbeitsstelle hatten." Für die Zukunft wünscht er sich, dass "Toleranz und Weltoffenheit jederzeit die Oberhand behalten". Zugleich sei es wichtig, sich nicht in Details zu verfangen, sondern auf das Große und Ganze zu achten: eine respektvolle und offene Grundhaltung.

Die Aktion des Juks3 hat einige Schramberger zum Nachdenken angeregt. Im kommenden Jahr werden hoffentlich mehrere Aktionen angeboten werden können, ohne zu stark von der Corona-Situation eingeschränkt zu werden, wünschen sich die Beteiligten.

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