Halloween ist traditionell Kürbisschnitzzeit. Der OGV Ringingen wollte diesem Brauch jüngst bewusst ein Gegengewicht verleihen. Die Devise hieß: Rüben statt Kürbisse!
Viele Vereine bieten Kindern dieser Tage Kürbiskopf-Schnitzen an. Einige andere besinnen sich auf ältere Traditionen. Bei ihnen werden, wie in alter Zeit, Geisterköpfe aus Dickrüben geschnitzt. Etwa dieser Tage beim Obst- und Gartenbauverein Ringingen. 50 junge Leute in Begleitung ihrer Eltern – nicht nur aus dem eigenen Dorf – nahmen teil.
Der Gartenbauverein hatte dafür im Frühjahr ein eigenes Feld mit Rüben gepflanzt. Das ist eines der Probleme: Dickrübenfelder waren vor Jahrzehnten auf der Alb gang und gäbe. Die Früchte wurden als Viehfutter angebaut. Doch Milchviehhaltung gibt es heute nur noch vereinzelt, während es in den Dörfern früher aus jedem Stall heraus muhte. Also werden auch keine Rüben mehr angebaut.
Ältere Ringinger haben als Kinder Dickrüben geschnitzt
Warum sich die Tradition verloren hat, scheint aus diesem Grunde klar. Doch wo liegen die Ursprünge? Eine Antwort konnten wir darauf vorläufig nicht finden. Ältere Ringinger erzählen, auch sie hätten als Kinder Dickrüben geschnitzt. Das Rohmaterial kam vom eigenen Acker – oder von einem fremden, wobei man den Besitzer freilich nicht um Erlaubnis fragte, ob er eines seiner Erzeugnisse für diesen Zweck zur Verfügung stellen möchte. Dann wurden die Rüben ausgehöhlt, und manches herausgeschnittene Stück wanderte in den Mund.
Einige Erzähler sagen, sie seien nachts mit ihren, von innen mit einer Kerze erleuchteten, Geisterköpfen durch das Dorf gezogen, hätten sie vor eine Haustür gestellt und geklopft (oder geklingelt) und sich anschließend versteckt. Immer in der Erwartung, dass die Hausbewohner sich beim Anblick der leuchtenden Fratzen gehörig erschrecken oder gruseln würden. Was wohl selten oder nur gespielt der Fall war.
Einer berichtete, er und seine Kameraden seien in Deckung gegangen, kurz bevor sich die Tür öffnete. Die Hausherrin habe sich die flackernde Pracht angesehen – und die Köpfe eingesammelt. Weg waren sie; das Rübenkopflaufen damit für dieses Jahr beendet!
„Mädchenhaft“ mit Laterne vorgekommen
Ein anderer wusste zu erzählen, man sei am Martinstag in Gruppen losgezogen. Er habe im ersten Jahr eine wunderschöne Papierlaterne besessen, doch die älteren Jungs hätten Rübenköpfe getragen. Daraufhin sei er sich „mädchenhaft“ vorgekommen und habe sich im darauffolgenden November eine Dickrübe von einem Feld „besorgt“ und eigenhändig seinen ersten Geisterkopf geschnitzt. Auch er meinte sich zu erinnern, man habe geläutet und sich in sichere Entfernung gebracht. Er habe aber auch noch Bilder im Kopf – da war er sich sicher – da sei die Gruppe vor dem betreffenden Haus stehengeblieben und habe sich und ihre Rüben – oder auch Laternen – bewundern lassen. Man sei gelobt worden. „Süßes oder Saures“, gab es jedoch nicht. Der Brauch aus den USA, dass die Kinder Süßigkeiten bekommen, war unbekannt.
Die allwissende KI im Internet meint behaupten zu dürfen, der Rübenkopf-Brauch sei der ältere und habe umgekehrt das Kürbisschnitzen beim amerikanischen Halloween inspiriert. Ob das wirklich wahr ist, müsste erst gesichert erforscht werden.
Aktion als Kontrast zu Halloween
Fest steht aber, die Kinder, die in Ringingen vor Jahrzehnten an Martini ihre Laternen oder Rüben vor sich hertrugen, wurden nicht von Erwachsenen begleitet.
Gesungen haben sie damals schon. Jedenfalls die Jungs: Sie krakeelten – in Anlehnung an das alte schöne Lied – vielmehr: „Laterne, Laterne – Glatzkopf ist moderne!“. Und kamen sich enorm verwegen vor.
Der Ringinger Gartenbauverein wollte seine Aktion vom vergangenen Wochenende in seinem Vereinsheim bewusst als Gegengewicht zu Halloween, das bekanntlich vor Allerseelen stattfindet, verstanden wissen. Rüben statt Kürbisse! Wobei sich die Veranstalter im Klaren sind, dass dieser neue Brauch nicht aufzuhalten ist.
Wie gesagt, wären noch manche Fragen zu klären. In anderen Landstrichen findet mit den Rübenköpfen ein „Kirbelaufen“ statt, was wiederum weder mit dem Gedenken an den Heiligen Martin von Tours (11. November) noch mit Halloween in Verbindung zu stehen scheint.
Warum nicht ein paar Süßigkeiten
Spendieren
In den meisten Ortsteilen finden um Martini herum wieder Laternenläufe statt, organisiert von den Kindergärten. Es wäre schön, wenn man den kleinen Leuten einen Blick schenken oder sie sogar ein Stück weit begleiten würde. Halloween? Der Brauch mag in Deutschland neumodisch sein und bei vielen Älteren nicht sonderlich beliebt. Doch es sind Kinder. Warum nicht ein paar Süßigkeiten bereithalten, wenn es klingelt und die Geisterchen vor der Tür stehen?