Der Friesenheimer Andreas Miessmer (Zweiter von links) konnte sich auf sein bunt zusammengwürfeltes Team aus ehrenamtlichen Helfern, Mitarbeitern des Café Löffel und von Aktion Treffpunkt sowie Sponsoren verlassen. Foto: Laurösch

Der Friesenheimer Andreas Miessmer kochte im Café Löffel und bei Aktion Treffpunkt zum zweiten Mal ein festliches Essen. Bei den Gästen kam die Aktion gut an.

Das Café Löffel ist zum Bersten voll. Die Stimmung ist trubelig. Aus der Küche werden beständig große Portionen Schäufele mit Kartoffelsalat gereicht. Währenddessen verteilt das Team um Andreas Miessmer große Papiertüten mit Orangen, Nüssen, Saft und Christstollen – ein Extra zum Weihnachtsmenü.

 

Und als wäre das nicht genug, ist auch noch just in diesem Augenblick Renate Hofsäß von der Lahrer Begegnungsstätte Aktion Treffpunkt vorbeigekommen und verteilt überschüssige Gläser Marmelade. Die meisten Menschen nehmen gerne alles mit. Weihnachten ist die Zeit des Überschusses, doch die Gäste des Cafés kennen lange Zeiten der Entbehrung nur zu gut.

Zum zweiten Mal bietet der Friesenheimer Koch Andreas Miessmer im Café Löffel zu Weihnachten ein Drei-Gänge-Menü an. Zur Vorspeise gibt es eine Kürbis-Kartoffel-Currysuppe, danach Schäufele mit Kartoffelsalat und zum Nachtisch Panna Cotta mit Birnenkompott.

Andreas Miessmer kocht, sein Team ist für den Service zuständig

Ganz frisch zubereitet werden die Speisen nicht. Das sei logistisch nicht zu schaffen, erklärt Miessmer im Gespräch mit unserer Redaktion. Über mehrere Tage hinweg habe er vorgekocht – insgesamt rund 150 Drei-Gänge-Portionen. 80 davon gehen an das Café Löffel, weitere 60 an die Begegnungsstätte Aktion Treffpunkt.

Miessmer ist dabei nicht allein. Er hat verschiedene Sponsoren gewonnen, darunter das Familienunternehmen Edeka Kohler, das einen Großteil der Lebensmittel zur Verfügung stellt. Auch die Firma Frische-Service aus Friesenheim unterstützt die Aktion. Eigentlich ein Lieferant für Gewerbe und Gastronomie, ist der Kontakt zum Café Löffel mittlerweile so eng, dass das Unternehmen das ganze Jahr über Gemüse an die Einrichtung des Diakonischen Werks liefert.

Außerdem hat Miessmer noch sein mittlerweile eingespieltes Küchen- und Serviceteam zur Seite, bestehend aus Frau Katrin sowie dem Ehepaar Auer. Michael Auer ist Chef des Lahrer Rotary-Clubs. Für ihn und seinen gemeinnützigen Verein ist die Weihnachtsaktion ein absolutes Kernprojekt. Wichtig sei dabei nicht nur das Spenden von Geld, sondern auch das persönliche Engagement.

„Es geht darum, anzupacken und mit den Menschen ins Gespräch zu kommen“, sagt Auer. Für die Gäste sei das nicht nur ein geschenktes Essen, sondern auch eine Form der Wertschätzung. Wer im Stadtbild oft nur negativ wahrgenommen werde, für den bedeute das viel. Doch es gibt auch eine andere Seite.

Nicht für alle ist ein solches Charity-Weihnachtsessen einfach anzunehmen. Ulrike Haeusler, Leiterin des Diakonischen Werks, berichtet von Menschen, die zwar regelmäßig kommen, es aber aus Scham nicht schaffen, im Café zu essen. Stattdessen lassen sie sich das Essen einpacken.

Seit 2011 nimmt die Zahl der Gäste im Café Löffel beständig zu

Dabei sind es oft nur wenige Fehltritte oder Schicksalsschläge, die Menschen in die Wohnungslosigkeit treiben. Das zu zeigen, sei auch ein Antrieb gewesen, das Drei-Gänge-Menü auf die Beine zu stellen: „Wir vergessen in unserer Wohlfühloase viel zu oft, dass es in diesem Land vielen Menschen nicht gut geht und dass es immer mehr werden. Und wir wissen natürlich, dass solche Aktionen nur Tropfen auf dem heißen Stein sind.“

Eine warme Mahlzeit gibt es im Café Löffel jedoch nicht nur an Weihnachten. Die Sozialeinrichtung des Diakonischen Werks ist ganzjährig eine wichtige Anlaufstelle für Menschen in Not. Seit der Eröffnung im Jahr 2011 steigen die Besucherzahlen stetig, insbesondere durch mehr wohnungslose Menschen und Personen mit psychischen Erkrankungen. Auch immer mehr junge Menschen ohne Arbeit finden den Weg ins Café.

An mehreren Tagen in der Woche wird dort für 1,50 Euro ein warmes Essen angeboten. Vor allem aber ist das Café Löffel ein Ort des Zusammenseins – ein warmer, geschützter Raum. Und wenn jemand den kleinen Betrag nicht aufbringen kann? „Dann spendieren wir ihm das“, sagt Haeusler. Im Jahresdurchschnitt kommen rund 30 Menschen pro Tag, wobei die Zahlen stark schwanken: An warmen Sommertagen sind es manchmal nur 15, zu anderen Zeiten 55 oder noch mehr.