Rheinmetall und sein Chef Armin Papperger werden auf der Hauptversammlung am Dienstag das Erobern weiterer Geschäftsfelder ankündigen – dennoch ziehen sich Anleger zurück. Foto: AFP

Vorschau auf die kommende Börsenwoche: Rheinmetall bietet den Anlegern günstige Perspektiven – doch die schicken den Kurs auf Talfahrt. Ein Lehrstück von der Börse.

Des Anlegers Liebling der vergangenen Jahren, Rheinmetall, hat plötzlich die Seuche: Zum Wochenschluss sind die Papiere auf das tiefste Niveau seit April 2025 abgerutscht, auf knapp über 1200 Euro. Ende September hatten sie noch einen Höchststand von rund 2000 Euro erreicht. Minus rund 23 Prozent allein binnen eines Monats. Es droht der Fall unter die 1000 Euro.

 

Die steile Wachstumskurve flacht ab

Steigende Verteidigungsausgaben vieler Länder garantieren der Rüstungsbranche einen stabilen Aufwärtstrend. Rheinmetall kann auf der Hauptversammlung am Dienstag ein Umsatzwachstum von ca. acht Prozent vorzeigen; das Ergebnis wuchs zuletzt um 17 Prozent – doch wurden die hohen Quartalsziele beim Gewinn verfehlt. Das heißt: Die steile Wachstumskurve flacht ab. Wenn immer höher fliegende Erwartungen und eigene Wachstumsambitionen nicht erfüllt werden, wenden sich Anleger ab. JPMorgan hat die Papiere herabgestuft.

Der Dax tritt derweil auf der Stelle. Zuletzt gab es auf Wochensicht ein Miniplus von 0,2 Prozent, während die weltweiten Aktienmärkte boomen. Was Industriewerten wie Rheinmetall fehlt, ist die KI-Fantasie – die Begeisterung um Werte der Künstlichen Intelligenz hat vorige Woche schon wieder für Höchststände an den US-Börsen gesorgt.

Gegenüber dem US-Pendant S&P 500 habe sich der deutsche Leitindex seit Jahresbeginn um fast sieben Prozentpunkte schwächer entwickelt, stellt LBBW Research fest. Die rasant ansteigenden Investitionspläne vor allem von Alphabet, Amazon, Meta, Microsoft und Oracle – werden von den Anlegern tendenziell positiv bewertet, weil sie die Grundlage für künftige Gewinne bilden. Obwohl es Anzeichen für eine Blase gibt, die durchaus mal platzen könnte, überwiegt an den Märkten die Zuversicht: So lange die investierenden Unternehmen über sehr gute Gewinnaussichten verfügen, drohe keine unmittelbare Gefahr für die Kurse, heißt es.

Trump-Intimfeind Powell macht Platz – will aber im Fed-Vorstand bleiben

Das Ende dieser Woche bringt einen heiklen Termin: Am Freitag übernimmt der vom US-Präsidenten ernannte Kevin Warsh den Vorsitz der US-Notenbank. Es ist jedoch nicht der Abschied von Trump-Intimfeind Jerome Powell, denn der will gegen ungeschriebene Gesetze seinen Sitz zumindest im Vorstand behalten. Der Konflikt über den Kurs der Fed bei den Leitzinsen geht weiter.