Jensen Huang, Chef des Chipherstellers Nvidia, der im Zentrum des aktuellen Hightech-Hypes an den US-Börsen steht: Wie weit tragen die KI-Fantasien? Foto: AFP

Vorschau auf die kommende Börsenwoche: Platzt an den Aktienmärkten bald die KI-Blase? Die Warnungen mehren sich – die Versuche der Beruhigung allerdings auch, meint unser Autor.

Bundesbank-Präsident Joachim Nagel ist sozusagen der Letzte, der Panik schüren würde. Dennoch sind seine Worte als klare Warnung der Anleger vor einem immer realistischeren Börsencrash zu verstehen. „Es gibt sehr viel Fantasie im Markt, was die mittelfristigen Gewinnaussichten der großen Techfirmen angeht“, sagte er dem „Spiegel“ mit Blick auf eine Spekulationsblase rund um das Thema KI. „Zudem gibt es ein Konzentrationsrisiko, weil sich die Euphorie auf einige wenige Firmen konzentriert.“ Die aktuellen Kurse seien auch eine Wette auf dauerhaft hohe oder weiter steigende Gewinne.

 

Eine Situation wie vor dem Platzen der Dotcom-Blase?

Tatsächlich ist viel Liquidität im Markt – viele Investoren sehen weiterhin ein hohes Renditepotenzial insbesondere im US-Aktienmarkt und nehmen dafür Risiken in Kauf. In der Vergangenheit habe man sehen können, dass solche Erwartungen nicht aufgehen müssen, erinnert Nagel – wohl auch als Anspielung auf das Platzen der Dotcom-Blase um den Jahrtausendwechsel, als die Werte der New Economy am Neuen Markt kollabierten.

Die Sorge, dass den vermeintlich völlig überteuerten Tech-Aktien nun ein ähnliches Schicksal drohe, versucht der Kapitalmarktexperte Robert Halver von der Baader Bank hingegen zu dämpfen: Diese Titel vereinten nicht nur einen überproportionalen Anteil der US-Marktkapitalisierung auf sich, sondern auch den Löwenanteil des langfristigen Gewinnwachstums – ein großer Unterschied zu damals. Mitunter gesunde und überfällige Korrekturen seien möglich. „Doch diejenigen, die die schnelle Mark nach unten gemacht haben, sind auch wieder mit dabei, wenn es nach oben geht“, so Halver. „Das sind nicht die Zutaten für einen Crash.“ Sein Rat: Ruhe im Karton bewahren! In der Vergangenheit hätten Anleger durch die Vorbereitung auf Korrekturen weit mehr Geld verloren als durch die Konsolidierungen selbst.

Börsenlieblinge von Nvidia bis Rheinmetall

Diese Woche kommt am Mittwoch der Quartalsbericht des an der Börse enorm gehypten KI-Chipkonzerns Nvidia in den Fokus. Hierzulande präsentieren sich am Montag die Deutsche Bank und am Dienstag der Rüstungskonzern Rheinmetall. Lauter Börsenlieblinge also – wie lange noch?