Kevin Warsh soll, wenn es nach Donald Trump geht, Notenbank-Chef werden. Foto: Alastair Grant/Pool AP/AP/dpa

Vorschau auf die kommende Börsenwoche: Der designierte neue Notenbank-Chef Kevin Warsh gilt in Fachkreisen eigentlich als Anhänger der Geldstabilität. Entwarnung also?

Kevin Warsh also soll es werden – so will es Donald Trump, der in ihm den heiß ersehnten Nachfolger für den widerspenstigen US-Notenbank-Chef Jerome Powell sieht. Nicht jeder Experte hatte Warsh als Favoriten auf dem Zettel. So sorgte die Neuigkeit an den Börsen sogleich für Furore – allerdings in dem Sinne, dass der vermeintliche Günstling des US-Präsidenten bei genauerem Hinsehen die Unabhängigkeit der Federal Reserve (Fed) eher bestärken könnte als sie zu opfern.

 

Gold und Silber vorerst kein sicherer Hafen mehr?

Die Sorge um die Fed und deren Geldpolitik hatte Investoren über Monate in die viel beschworenen sicheren Häfen getrieben und damit die Preise von Gold und Silber von Rekord zu Rekord eilen lassen. Nach der Bekanntgabe der Personalie am Freitag brachen die Edelmetallpreise, befördert von Gewinnmitnahmen und heiß gelaufenen Märkten, ein.

Denn Anleger sehen nun sogar ein Ende der Politik des billigen Geldes, weil Warsh als Befürworter einer strengen Geldpolitik gilt, der Inflation bekämpft – selbst wenn er beim Zinssenkungskurs der US-Notenbank noch Spielraum sehen soll, wie es heißt. Ein Pragmatiker statt Ideologe, zudem anerkannter Bankenkenner, damit wäre er ein untypischer Trump-Gefolgsmann. Möglicherweise erfüllt er doch nicht alle Wünsche seines Herrn, sondern agiert im Sinne des eigenständigen US-Finanzsystems. Dann hätten sich die schlimmsten Befürchtungen um die Freiheit der Fed nicht bewahrheitet – wobei Warsh erst einmal nur auserkoren, aber noch nicht ins Amt gehievt worden ist.

Krasse Abwertung des US-Dollar beunruhigt die EZB

Möglich ist, dass sich der Wirbel an den Finanzmärkten in dieser Woche fortsetzt. Diesseits des Atlantiks berät am Donnerstag die Europäische Zentralbank über ihren Zinskurs – vielfach wird eine weiter abwartende Haltung vorhergesagt. Ob sie von Dauer ist, wird auch davon abhängen, ob die krasse Abwertung des US-Dollar zeitweise auf den tiefsten Stand seit vier Jahren sowie die Euro-Aufwertung anhalten. Die EZB ist beunruhigt, denn ihr kann letztlich nicht egal sein, dass ein allzu starker Euro den Exporteuren das Leben schwer macht.