Donald Trumps „Madman-Strategie“ mit dem Kalkül der extremen Unberechenbarkeit für den Gegner ist Gift für die Börsen. Foto: AFP

Vorschau auf die kommende Börsenwoche: Der Konflikt in Nahost versetzt die Aktienmärkte bisher nicht in Panik. Doch schon droht eine neue Eskalation.

Für diese Erkenntnis muss man kein Börsenprofi sein: Das weitere Wohl und Wehe an den Aktienmärkten hängt vom Bestand der Waffenruhe am Persischen Golf ab – mithin auch vom Rohölpreis, der gerade wie selten zuvor die globale Wirtschaft elektrisiert. Da ist das überraschend schnelle Aus der Verhandlungen in Pakistan ein Alarmsignal.

 

Größter Dax-Tagesgewinn seit gut drei Jahren

Erst die vollkommen irre Drohung Donald Trumps mit einem Horrorszenario im Iran, dann die Verkündung der Feuerpause, dann wieder die Sperrung der Straße von Hormus – all das versetzt die Märkte in heftige Schwingungen. Am Mittwoch erzielte der Leitindex Dax mit einem Sprung um fünf Prozent den größten Tagesgewinn seit gut drei Jahren – ziemlich übertrieben, aber die Erleichterung war auch riesig. Als dann klar wurde, dass von Einigung noch lange keine Rede sein kann, ging es wieder abwärts. Auf Wochensicht hat der Dax immerhin fast drei Prozent zugelegt.

Trumps „Madman-Strategie“ mit seiner bewusst irrationalen, extremen und unberechenbaren Haltung gegenüber dem Gegner bringt politisch bisher wenig – und für die Börsen ist sie ohnehin Gift. Letztlich zeigt sich aber auch: Angesichts dessen, was da geopolitisch gerade auf dem Spiel steht, reagieren die Aktienmärkte noch relativ gelassen – von Panik keine Rede. Demnach ist da noch viel Zuversicht, dass bald die Berechenbarkeit zurückkehrt. Ist sie berechtigt?

Werden die Risiken noch immer unterschätzt?

Denn man kann es auch sehen wie LBBW Research: Selbst im besten Fall wird die Konjunktur gebremst – die Inflation wächst. Dies kommt in den bisher nur begrenzt gesunkenen Kursen nicht vollends zum Ausdruck. Insofern erkennen die Experten der Landesbank eine „gewisse Naivität“ der Anleger – die Risiken werden demnach unterschätzt.

Historisch gingen solche Phasen der Unsicherheit zumeist mit weiter sinkenden Kurs-Gewinn-Verhältnissen der Aktien einher, heißt es. Ob Dotcom-Blase, Finanzkrise, Euro-Schuldenkrise, Corona-Pandemie oder Russlands Angriff auf die Ukraine – stets habe sich der Dax vorübergehend oder längere Zeit unterhalb einer fairen Bewertungsbandbreite bewegt. Gemessen an den früheren Entwicklungen sei daher zu erwarten, dass es in nächster Zeit an den Märkten noch schrittweise weiter abwärts geht, bevor mit einer nachhaltigen Erholung zu rechnen sei.