Ausblick auf die Börsenwoche: Neben Trump halten Fed und EZB Anleger auf Trab. Mit den rasanten Kursanstiegen steigt die Gefahr von Rücksetzern, schreibt unser Reporter.
Bleibt die Weltwirtschaft etwa doch von größeren Zollkonflikten verschont? Die Hoffnung, dass Donald Trumps „America first“-Protektionismus weniger radikal als befürchtet ausfällt, schickte die Börsen wieder auf Rekordjagd. Der neue US-Präsident hat in den ersten Tagen seiner Amtszeit noch keinen globalen Handelskrieg vom Zaun gebrochen, das sorgte bei Anlegern für große Erleichterung. Allerdings wird die Luft für weitere Allzeithochs dünner.
Rallye nicht von höheren Gewinnprognosen getragen
„Sowohl für den Dax als auch den Euro Stoxx 50 läuft mit plus acht Prozent beziehungsweise sieben Prozent momentan der viertbeste Jahresstart der letzten 25 Jahre“, ordnet Analyst Sören Hettler von der DZ Bank die aktuelle Börsenrallye ein. Allerdings würden diese Kursanstiege bislang keineswegs durch höhere Schätzungen der Unternehmensgewinne getragen. Deshalb könne die Stimmung an den Aktienmärkten rasch in Verunsicherung kippen, so der Experte.
Auch Chefanalyst Jochen Stanzl vom Broker CMC Markets zeigt sich vom rasanten Höhenflug überrascht – sein großes Dax-Jahresziel von 22 100 Punkten rücke immer näher, obwohl der Januar noch nicht einmal vorbei sei. Er glaubt zwar, dass der Aufwärtstrend noch eine Weile anhalten könnte, sieht aber Überhitzungstendenzen und warnt: „Je steiler die Kurse steigen, desto instabiler wird der Markt auf dem Weg nach oben“.
EZB-Zinssenkung erwartet, Fed dürfte stillhalten
Neben Trump halten die großen Notenbanken Anleger auf Trab. Diese Woche entscheiden zuerst die Fed in den USA (Mittwochabend) und dann die Europäische Zentralbank (Donnerstag) über ihre künftige Geldpolitik. Während eine weitere Zinssenkung im Euroraum als wahrscheinlich gilt, stehen die Zeichen bei der Fed auf Pause.
Mit dem Ifo-Geschäftsklima (Montag) steht ein wichtiger Frühindikator an. Zudem läuft die Berichtssaison der Unternehmen auf vollen Touren. In den USA legen Schwergewichte wie Tesla, Meta und Microsoft (alle Mittwoch nach Börsenschluss) sowie Apple (Donnerstag) Zahlen vor. In Deutschland gewährt unter anderem die Deutsche Bank (Donnerstag) Einblick in ihre Bücher.