Die Parkettstimmung an der Wall Street ist angespannt – die US-Indizes können ihre Verluste aber begrenzen. Foto: Seth Wenig/AP/dpa

Vorschau auf die kommende Börsenwoche: Weil der Krieg am Persischen Golf so rasch nicht enden dürfte, ist mit weiteren Kursverlusten zu rechnen, meint unser Autor.

Hochnervös, aber noch kein Nervenzusammenbruch – so umschreiben Insider die Lage an den Aktienmärkten angesichts des Bombenhagels im Nahen Osten. Ein Minus von fast sieben Prozent hat der Dax über die Woche eingefahren – eine Korrektur, die aussieht wie ein Crash auf Raten. Besser hielten sich US-Indizes wie Standard & Poor’s 500 oder Nasdaq 100, was mit der relativ geringeren Betroffenheit vom globalen Ölmarkt und der Aufwertung des US-Dollar zu tun hat.

 

Der europäische Aktienmarkt wiederum ist geprägt von den Befürchtungen der Anleger vor einer länger währenden Energiekrise mit hohen Öl- und Gaspreisen. Die bisher so positiven Analystenerwartungen für die Unternehmensgewinne sind bedroht – einige Prognosen müssen wohl nach unten revidiert werden.

Commerzbank Research zeichnet zwei Szenarien: eines mit relativ kurzer Kriegsdauer – dann kann es in turbulenten Wochen Dax-Konsolidierungen von zehn Prozent mit Nachkaufgelegenheiten geben. In einem Risikoszenario mit hartnäckig hohen Ölpreisen von mindestens 100 US-Dollar besteht die Gefahr, dass die Dax-Unternehmensgewinne in diesem Jahr trotz XXL-Fiskalpaket der Bundesregierung enttäuschen. Dann würde sich die Korrektur des Leitindex wohl über mehrere Monate hinziehen, und der Dax könnte zwischenzeitlich bis zu 20 Prozent von seinem Allzeithoch verlieren.

Welche Papiere gefragt sind – welche verkauft werden

Anfällig seien vor allem zyklische Aktien aus Europa, deren Energiesicherheit in Frage stehe, meint Robert Halver von der Baader Bank. Industriewerte haben demnach ein Problem, speziell die energieintensive Chemie. Touristikaktien runter – Rüstungsaktien hoch; zudem profitieren Energiewerte von höheren Ölfördermargen. Sobald die Flut an Negativnachrichten abebbe, kämen Anleger zurück an die Aktienmärkte, erwartet Baader. Vielfach seien sie mittlerweile auch am Terminmarkt abgesichert.

Mitte dieser Woche dürfte es – fast schon als Randereignisse – auch um die Inflationszahlen für den Februar gehen: einerseits in Deutschland, andererseits in den USA. Hierzulande stehen noch letzte wichtige Unternehmensberichte an – etwa VW und Biontech (Dienstag), Rheinmetall (Mittwoch) sowie BMW und Daimler Truck (Donnerstag).