Der Ausblick auf die Börsenwoche: Nach der Zinssenkung der EZB richten sich an den Märkten alle Blicke in die USA. Wie positioniert sich die Notenbank Fed?
Nach der Zinssitzung ist vor der Zinssitzung – die Europäische Zentralbank (EZB) hat entschieden, nun ist die US-Notenbank Fed am Zug. Anders als es in Europa der Fall war, ist eine Lockerung der Geldpolitik in den USA noch nicht zu erwarten. Hartnäckige Inflation und eine robuste Konjunktur binden der Fed die Hände. Mittlerweile ist gar nicht mehr sicher, ob die US-Zinswende in diesem Jahr überhaupt noch stattfindet. Anleger hoffen auf Signale der Notenbank.
Finanzmärkte rechnen 2024 nur noch mit einem US-Zinsschritt
Mit den Beschlüssen der Fed, die am Mittwochabend verkündet werden, ist das Highlight der Börsenwoche gesetzt. Lange Zeit gingen die Finanzmärkte davon aus, dass die US-Währungshüter die Zinsen im Sommer senken, daraus wird jedoch nichts. Mittlerweile kalkulieren viele Investoren für 2024 sogar nur noch mit einem US-Zinsschritt – und das überwiegend auch erst im Dezember.
In einem durch den US-Wahlkampf erschwerten Umfeld muss Fed-Chef Jerome Powell den Märkten Orientierung zum weiteren geldpolitischen Kurs geben. Nach ihrer Sitzung im März hatten US-Notenbanker durch ihre Prognosen noch drei Zinssenkungen im laufenden Jahr vermuten lassen – obwohl viele Beobachter den wieder zunehmenden Preisauftrieb da schon als Risiko betrachteten. Sollte die Fed bei den Zinserwartungen jetzt stark auf die Bremse treten, könnte das die Anlegerstimmung trüben.
Vor den Fed-Beschlüssen kommen die US-Inflationsdaten
Wenige Stunden, bevor sich alle Augen auf Fed-Chef Powell richten, stehen zur Wochenmitte auch noch die US-Inflationsdaten für Mai an. Diese Zahlen sind für den Kurs der Notenbank maßgeblich und könnten die Kurse an den Aktienmärkten stark bewegen. Finanzanalysten rechnen im Schnitt damit, dass die Teuerungsrate bei 3,4 Prozent verharrt. Damit würde die Inflation weiter deutlich vom Zielwert der Fed bei 2,0 Prozent entfernt bleiben.
In Europa gibt es nach der Zinssenkung der EZB in der Vorwoche eine Verschnaufpause. Mit dem Sentix-Konjunkturindikator für die Eurozone (Montag), der Industrieproduktion (Donnerstag) und der Handelsbilanz (Freitag) des Währungsraums stehen keine Daten aus der ersten Reihe an. In Deutschland werden Zahlen zur Verbraucherpreisentwicklung im Mai veröffentlicht (Mittwoch), doch sie dürften nur die bereits bekannte Erstschätzung bestätigen.