Der Mercedes-Benz EQA – schieben die neuen E-Modelle die Aktie an? Foto: Imago/Zoonar//Taina Sohlman

Trotz starker Zahlen und Empfehlungen von Finanzprofis hat der Stuttgarter Autobauer Mercedes-Benz bei Anlegern einen schweren Stand. Was drückt den Aktienkurs?

Von Analysten geschätzt, von Anlegern skeptisch beäugt: Der Stuttgarter Autobauer Mercedes-Benz fährt an der Börse trotz guter Geschäfte hinterher. Die Aktie stand zuletzt bei gut 61 Euro, in den vergangenen drei Monaten ist sie um knapp 15 Prozent gefallen.

 

Mittlerweile sind die Gewinne seit Jahresbeginn nicht nur komplett wieder weg, der Kurs liegt sogar leicht im roten Bereich. Die Aktie läuft wesentlich schlechter als der Gesamtmarkt. Trotz zuletzt starker Verluste liegt der Dax auf Jahressicht immer noch mit gut sechs Prozent im Plus. Die Stammaktie von Erzrivale BMW hat im Jahresverlauf rund sieben Prozent zugelegt.

Dabei hat Mercedes von Marktbeobachtern in jüngerer Vergangenheit viel Zuspruch erhalten. Konzernchef Ola Källenius setzt auf strikte Kostenkontrolle und Profitabilität – das ist normalerweise ganz nach dem Geschmack der Aktionäre. Die Modellpalette hat er voll auf Luxus ausgerichtet, was viele Branchenkenner in Zeiten starken Wettbewerbs befürworten, wo Exklusivität und Preissetzungsmacht gefragt sind. Auch die Abspaltung der Lkw-Sparte war im Interesse von Investoren, die sich höhere Renditen versprachen.

Profitabelster unter den größten Autobauern

An der Bilanz gibt es ebenfalls wenig auszusetzen. Einer Studie des Beratungshauses EY nach war Mercedes im zweiten Quartal mit einer Gewinnmarge von 13 Prozent der profitabelste der größten Autobauer. Was bremst die Aktie? Vorweg: Abgesehen vom Überflieger Tesla, der mit einer Marktkapitalisierung von über 670 Milliarden Dollar nach wie vor höher bewertet wird als alle deutschen Autobauer zusammen, haben fast alle Hersteller einen schweren Stand an der Börse.

Börsenliebling Tesla: bewertet wie ein Techgigant

Dass der Elektroautomarktführer so gut wegkommt, liegt auch maßgeblich daran, dass Tesla-Chef Elon Musk den Konzern erfolgreich als innovatives Vorreiterunternehmen vermarktet, das am Kapitalmarkt befreit vom Blechbieger-Image der reinen Autokonzerne auftritt und wie ein Techgigant aus dem Silicon Valley gehandelt wird.

Musks große Versprechen und sein Verkaufsgeschick überdecken mitunter, dass Konkurrenten wie Mercedes bei Zukunftsthemen stark aufgeholt haben und sich etwa in Sachen autonomes Fahren keineswegs mehr verstecken müssen. Allerdings hängt das Geschäft bei den Stuttgartern nach wie vor weitgehend am Verbrennerabsatz.

Wird China zum Problem für die deutschen Hersteller?

Anders als bei Tesla, wo bereits die Früchte frühzeitiger Investitionen in Elektromobilität geerntet werden, müssen die traditionellen Autobauer in den kommenden Jahren viel Geld aufwenden, um auf diesem Gebiet aufzuholen. Das könnte die bislang aus dem Kerngeschäft mit Verbrennern stammenden Gewinne drücken.

Automobilwirtschaftsprofessor Ferdinand Dudenhöffer vom CAR-Center Automotive Research in Duisburg sieht vor allem ein Problem für die Aktien deutscher Hersteller: „BMW, Mercedes, Volkswagen und Porsche zeigen im wichtigen China-Markt Schwäche.“ Mit ihren Elektroautos seien die Chinesen deutlich weiter als die Deutschen. Das bekomme man im weltgrößten Automarkt stark zu spüren, wo ein großer Teil der Neuwagen mittlerweile batterieelektrische Fahrzeuge und Plug-in-Hybride seien.

Hohe Zinsen verteuern Autokredite und Leasing

Insgesamt mache das wirtschaftliche Umfeld den hiesigen Herstellern Schwierigkeiten, so Experte Dudenhöffer gegenüber unserer Zeitung. „Schwache Konjunktur wirkt sich immer auf Autoverkäufe und damit auf die Aktienkurse aus.“ Außerdem belasteten die hohen Zinsen, die die Autofinanzierung und die Leasingangebote erheblich verteuerten. „Bei Mercedes dürften zudem die Rückrufe der letzten Monate etwas verunsichert haben.“

Obwohl sich Mercedes mit seiner Luxus-Strategie bislang noch ganz gut vom Preiskampf in China absetzen kann, sank der Absatz dort im dritten Quartal laut vorläufigen Zahlen um zwölf Prozent gegenüber dem entsprechenden Vorjahreszeitraum. Insgesamt verkaufte Mercedes-Benz von Juni bis Ende September weltweit knapp 511 000 Autos und damit vier Prozent weniger als vor einem Jahr. Modellwechsel bei der E-Klasse sowie bei AMG-Modellen und eine eingeschränkte Verfügbarkeit des GLC, bedingt durch Engpässe bei einem Lieferanten, bremsten dem Unternehmen zufolge den Absatz.

Mercedes-Aktie bei Analysten hoch im Kurs

Dennoch erwarten Analysten beim vollständigen Quartalsbericht, den Mercedes an diesem Donnerstag vorlegen will, solide Ergebnisse und sind auch sonst überwiegend optimistisch für die Aktie. Patrick Hummel von der Schweizer Großbank UBS rechnet zwar mit einer leicht gesunkenen Gewinnmarge, verfolgt aber ein Kursziel von 85 Euro. Jose Asumendi von JP Morgan sieht die Aktie bei 90 Euro, traut ihr in den kommenden Monaten ein kräftiges Kursplus zu.