US-Notenbankchef Jerome Powell spricht vor der Presse Foto: dpa/Susan Walsh

Unsere Experten blicken auf die kommende Woche: Die US-Notenbank steckt ihren Kurs ab. Für Anleger könnte Fed-Chef Powell zur Spaßbremse werden.

Eigentlich schien der Fall schon klar: Die Inflation ist auf dem Rückzug, im Sommer wird die US-Notenbank Fed die Zinsen senken. Die Aussicht auf billigeres Geld versetzt die Börsen seit Monaten in Hochstimmung. Aber womöglich haben die Anleger sich zu früh gefreut. Denn neuerdings nimmt der Preisauftrieb in den USA wieder zu.

 

Geldpolitische Lockerung an den Märkten fest einkalkuliert

Es könnte sich bestätigen, wovor Währungshüter stets warnen: Auf der letzten Meile wird der Kampf gegen die Inflation am schwierigsten. Im Februar legten die US-Verbraucherpreise zum Vormonat um 0,4 Prozent zu, die Jahresrate stieg auf 3,2 Prozent und entfernte sich damit wieder vom Zielwert der Fed bei zwei Prozent. Gerät die Zinswende in Gefahr?

Bislang lautet die Antwort: Nein. Eine baldige Lockerung der Geldpolitik ist an den Finanzmärkten nach wie vor fest einkalkuliert – sowohl in den USA als auch im Euroraum. Dass die Fed jedoch schon diese Woche (Mittwoch) eine Zinssenkung verkündet, damit rechnet an den Börsen inzwischen keiner mehr. Entscheidend ist nun, ob und inwieweit Notenbankchef Jerome Powell Signale für einen Zinsschritt im Juni gibt.

Projektionen der Notenbank mit Spannung erwartet

Auf kaum etwas reagieren die Aktienkurse derzeit so empfindlich wie auf die Zinserwartungen – sie sind die zentrale Treibkraft der Rekordjagd an den Finanzmärkten. Entsprechend gespannt werden Investoren verfolgen, wie Fed-Chef Powell sich äußert und wie die Projektionen der US-Notenbanker zu Arbeitsmarkt, Zinsen und Preisen ausfallen.

„Wenn die Kernteuerung nicht weiter abflaut und der Arbeitsmarkt so robust bleibt, werden die Fragezeichen hinter einer geldpolitischen Lockerung 2024 größer“, sagt Helaba-Analyst Patrick Franke. Auch Commerzbank-Experte Bernd Weidensteiner warnt Anleger vor einer Geduldsprobe: „Sollte sich der Trend zu wieder höheren Inflationsraten bestätigen, könnte die Zinssenkung nach hinten geschoben werden.“