Die steile Zuwachs bei der Geldentwertung ist vorerst gebremst. Foto: dpa/Monika Skolimowska

Unsere Börsenexperten blicken auf die kommende Woche. Auf- und Abstieg der Teuerungsrate waren steil – doch der letzte Schritt bis hin zu den generell angestrebten zwei Prozent könnte vorerst misslingen.

Der Glaube an die Jahresendrallye lebt: Mit dem etwas mühsamen Sprung über 16 000 Punkte hat der Leitindex Dax den höchsten Stand seit Anfang August erreicht. Rund 15 Prozent beträgt der Zuwachs im Jahresverlauf. Nun hoffen die Anleger im Dezember auf einen letzten Schwung bis Weihnachten.

 

Ob zwei wichtige Redeauftritte in dieser Woche förderlich sind, ist offen. Am Montag tritt EZB-Chefin Christine Lagarde auf, am Freitag der Chef der US-Notenbank, Jerome Powell. Auch werden neue Inflationsdaten für die Eurozone bekannt gegeben. Nach dem Höchststand von 10,6 Prozent im Oktober 2022 ist die Teuerungsrate rasant gefallen. Der Aufstieg bis vor gut einem Jahr war so steil wie der seitherige Abstieg. Für den November rechnen Experten mit etwa 2,7 Prozent. Das stärkt Wirtschaft und Aktienkurse.

„Die ,letzte Meile’ wird viel schwieriger werden“

Ginge es so weiter, dann hätte die EZB ihr Inflationsziel bald erreicht, doch „die ,letzte Meile’ im Kampf gegen die Inflation wird viel schwieriger werden“, warnt Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer. Eher werde sich die Teuerungsrate klar über den generell angestrebten zwei Prozent einpendeln.

Zu den Voraussetzungen für einen weiteren Rückgang gehört das Bemühen der EZB, den inflationstreibenden Einfluss der Gewerkschaften und Unternehmen zu begrenzen. Doch hat sich der Anstieg der Tariflöhne im Euroraum auf 4,7 Prozent beschleunigt, laut EZB bewirken die zuletzt geschlossenen Tarifverträge sogar einen Zuwachs von sechs Prozent. Die Verbraucherpreise im Euroraum seien seit Ende 2020 um 18 Prozent gestiegen, während die Pro-Kopf-Löhne nur um geschätzt 13 Prozent zugelegt hätten. „Der resultierende Einbruch der Reallöhne um fünf Prozentpunkte ist historisch ohne Beispiel, sodass die Gewerkschaften noch lange relativ hohe Lohnabschlüsse fordern und zum guten Teil auch durchsetzen werden“, meint Krämer. Schon „wegen der zu stark steigenden Löhne dürfte sich die Kerninflation bei drei Prozent und nicht bei zwei Prozent einpendeln“, so der Chefvolkswirt. In Deutschland könnten an diesem Montag die Einzelhandelsumsätze und am Dienstag das GfK-Konsumklima von Interesse sein.