Die Nervosität an den Börsen wächst. Foto: dpa/Arne Dedert

Unsere Börsenexperten blicken auf die kommende Woche. Heute: Warum Aktien-Anleger mit Spannung auf einen Auftritt von Fed-Chef Powell warten.

Frankfurt - Zu Zeiten des berühmt-berüchtigten US-Notenbankpräsidenten Alan Greenspan soll es Börsianer gegeben haben, die dessen Absichten an der Dicke seiner Aktentasche abzulesen versuchten. In Zeiten des papierlosen Büros hat der Aktentaschen-Indikator wohl an Aussagekraft verloren – doch die Frage, was die US-Notenbank vorhat, beschäftigt die Börsen dieser Tage wieder einmal sehr.

 

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Dass es Ende vergangener Woche mit dem Deutschen Aktienindex (Dax) bergab ging, wurde allgemein auf eine Veröffentlichung der Fed vom Mittwochabend zurückgeführt. Demnach sprachen sich einzelne US-Notenbanker auf der letzten Sitzung im Dezember dafür aus, im März den Leitzins zu erhöhen – ein Vierteljahr früher als von den meisten Marktteilnehmern erwartet.

Fed-Chef Powell spricht am Dienstag vor dem US-Senat

Nun fiebern die Börsianer einem Auftritt des amtierenden Fed-Chefs Jerome Powell am Dienstag entgegen. Sollte er weitere Hinweise darauf geben, dass die Notenbank ihren Leitzins in diesem Jahr schneller erhöhen könnte als bislang angenommen, dürfte die Nervosität an den Märkten zunehmen. Noch brisanter ist in diesem Zusammenhang allerdings die Veröffentlichung der US-Inflationsrate für den Monat Dezember, die am Mittwoch ansteht. Analysten rechnen damit, dass sie die Marke von sieben Prozent überspringen wird.

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Die steigenden Inflationsrisiken auch in Europa dürften am Dienstag zur Sprache kommen, wenn der neue Bundesbankpräsident Joachim Nagel offiziell ins Amt eingeführt wird. Bei der „virtuellen Amtswechselfeier“, wie die Bundesbank sie nennt, werden neben Nagel und Weidmann auch Bundesfinanzminister Christian Lindner (FDP) und die Präsidentin der Europäischen Zentralbank, Christine Lagarde, das Wort ergreifen.

US-Großbanken eröffnen die Bilanzsaison

Wie sich Inflation und Zinsen in diesem Jahr entwickeln, ist nicht zuletzt für die Finanzbranche von erheblicher Bedeutung. Zwei der weltweit größten Banken, JP Morgan Chase und Wells Fargo, legen am Freitag ihre Bilanzberichte für das zurückliegende Jahr vor. In Deutschland gibt zum Wochenausklang das Statistische Bundesamt die ersten offiziellen Zahlen zum Wirtschaftswachstum 2021 bekannt.