Elf Kulturschaffende und -interessierte haben am Samstag eine Interessengemeinschaft gegründet. Diese kann nun unter anderem als kulturpolitische Interessenvertretung gegenüber der Stadt und dem Gemeinderat auftreten und handeln.
Wie steht’s um die Kultur in Calw? Eine Frage, die seit Jahren die Gemüter all derer erregt, die Kultur als wichtige Ressource für das Miteinander in einer Gesellschaft anerkennen.
Zum letzten Mal trafen sich Interessierte im Rahmen einer vierteiligen Workshopserie. Das auserkorene Ziel der Abschlussveranstaltung lautete, ein Kulturnetzwerk zu gründen. Mit sofortiger Wirkung wurde die „Interessengemeinschaft Kulturnetzwerk Calw“ gegründet.
Kritik
Bis es soweit war, lag viel Zündstoff in der Luft. Dabei spielte auch die Vergangenheit des Calwer „Kulturbetriebes“ eine wesentliche Rolle. Beklagten sich doch zuletzt immer wieder Kulturschaffende über die mangelnde Aktivität von verantwortlichen Stellen. Dabei wurde offene wie auch versteckte Kritik laut.
Seit Jahren bemühten sich immer wieder Einzelpersonen, die „Kultur voranzutreiben, um irgendwann frustriert zu erkennen dass an manchen Stellen dicke Bretter zu bohren sind“, wie sich Gemeinderat Ralf Recklies schon vor Jahren gegenüber der Redaktion ausdrückte.
Entwicklung
Deshalb startete vor vier Jahren das Bürgerforum Calw mit seiner Arbeitsgruppe „Kultur und Leben“ eine Offensive. Das Ziel: die Gründung eines Kultur Netzwerkes als kulturpolitische Interessenvertretung.
Durch die Bewilligung von Fördermitteln konnte nun durch diese Workshopserie ermittelt werden, was es in Sachen Kultur fehlt, was gewünscht wird und was geändert werden muss. Und welche Erwartungen an die Verantwortlichen bei der Stadt und im Gemeinderat geknüpft werden.
Mit dem ersten Workshop wurden im Januar dieses Jahres von annähernd 30 interessierten Menschen Möglichkeiten für die Kulturentwicklung, Ziele und Potenzial gemeinsam erarbeitet. Es wurden Maßnahmen zu den Zielen und Kernthemen sichtbar gemacht.
Nun stellte der Workshopleiter Martin Zierold die positive Funktion und Vorteile eines Netzwerkes ins Schaufenster.
So ist es einer Interessenvertretung möglich, mit einer Stimme gegenüber der Stadt aufzutreten und umgekehrt ein Ansprechpartner für die Stadt zu sein.
Das sagen die Beteiligten
Gemeinderat Karl-Heinz Scheffelmeier und Petra Engelland richteten den Blick auf die Jugendlichen, die bislang in der Sichtweise der Verantwortlichen nicht genügend Platz fanden.
Ex-Gemeinderat Florian Fuchs wusste, dass es verschiedene Arten von Kunst und Kunstschaffenden gibt, die „unter einen Hut zu bringen sind“.
Die Künstlerin Silvia Eisele erinnerte an das 950-Jahr-Jubiläum der Stadt im nächsten Jahr und fragte, „wo und wie wir uns als Künstler zeigen können“.
Auch Jayantha Gomez wollte wissen, wo es in Calw Räume gibt, um sich als „bildender Künstler, Schriftsteller und Musiker zu präsentieren“.
Antje Häusser von den Aurelianern wünscht sich eine „Regelmäßigkeit des Austausches zwischen Verwaltung und Netzwerk sowie untereinander, um Synergien zu schaffen“.
Gabriele Pfeiffer befürchtet, dass „die Kultur in Zeiten knapper Kassen gern hinten angestellt wird“. Die Gemeinderätin glaubt, „dass die Kultur mehr Einfluss gewinnt, wenn sich Akteure zusammenschließen“.
Ralf Recklies, ebenfalls Gemeinderat, wünscht sich eine dauerhafte Lösung der Raumfrage und mehr Transparenz, was die Förderrichtlinien betrifft.
Michael Kunert wies auf „die Subkultur aus verschiedenen Bereichen hin“, die aber auch keinen Raum finden. Sprich, sich somit von Calw weg bewegen.
Markus Fels sieht, „dass Calw ganz andere Möglichkeiten hat“. Gerade mit Blick auf Hermann Hesse passiere hier zu wenig. „National und international hätte Calw Potenziale, die nicht ausgenutzt werden.“ Für Fels geht es auch darum, Literatur von Hesse jungen Menschen nahe zu bringen. Letztendlich müsse „Kultur ganz anders gelebt werden, wie das in Calw der Fall ist“.
Kulturamtschefin Isabel Götz sieht ein Netzwerk als „sehr wertvoll an. Es ist eine Stärkung der Kulturpolitik für die Verwaltung und den Gemeinderat als beschließendes Gremium, um gemeinsam Dinge auf den Weg bringen zu können“.
So geht es weiter
Waren bei der ersten Sitzung im Januar noch 30 Personen im Rathaus, hätten am Ende elf übrig gebliebene Anwesende die Möglichkeit, den „Kulturentwicklungsprozess“ ohne Ergebnis zu beenden. Oder eben ein Netzwerk zu gründen.
Petra Engelland (Swing Singers Calw und Teilnehmerin des Bürgerforums), Ralf Recklies (Kulturapotheke und seit Jahren in Sachen Calwer Kultur unterwegs), Florian Fuchs (Kleine Bühne Calw) sowie Antje Häusser (Leiterin des künstlerischen Betriebsbüros Aurelius Sängerknaben und selbst Künstlerin) werden nun das erste Zusammentreffen der Interessengemeinschaft organisieren.
Noch in diesem Jahr
Isabel Götz freute sich über das Ergebnis. Denn „der ganze Prozess, der gelaufen ist, hat das Ziel, dass wir gemeinsam die Kultur in Calw weiterbringen können und dies auch wollen“.
Durch die Schaffung der IG erhält diese die Legitimierung gegenüber der Stadt und dem Gemeinderat zu sprechen.
Die neue Interessengemeinschaft Kulturnetzwerk wird explizit nicht als Verein gegründet. Zur ersten Sitzung wird noch in diesem Jahr eingeladen werden.