Mit Pep und Power moderierte Theresa Lienen den Pippi Langstrumpf-Titelsong an. Foto: Gegenheimer

Die musikalischen „Nordlichter“ des Akkordeon-Orchesters Bernbach haben am Samstagabend weit über den Höhenort hinaus geleuchtet, die Akkordeon-Orchester-Familie hat ein mitreißendes Konzert präsentiert. Die Festhalle war ausverkauft.

„Ab nach Skandinavien!“ , begrüßte Claudia Kull vom Vorstandstrio. Künstlerisch kreativ in alle Richtungen war das Team um Kull gewesen, was gut 150 Gäste in der ausverkauften Halle, darunter der extra aus Balingen angereiste, langjährige Dirigent Franc Zibert, erleben konnten: liebevolle Deko, Speisen- und Getränkeauswahl von Fischteller mit Krabben und Lachs bis Glögg, dem skandinavischen Glühwein.

 

Von Sonja und Ulrich Kull gab’s handwerklich Gebasteltes – nicht nur skandinavisch – zum käuflichen Erwerb mit Erlös für den Verein. Plus die professionelle Tontechnik von Georg Hennen und Lichttechnik von Cosmos Light. Wie Theresa Lienen sehr treffend anmoderierte: „Wunderschön, was da gezaubert wurde – aus diesem Gemäuer…!“ Vater Klaus Lienen saß übrigens schon als gut integriertes Orchestermitglied auf der Bühne, wahlweise mit Gitarre, Kazoo oder Triangel.

Erster Höhepunkt

„Halle des Bergkönigs“ Von den „Hollywood Hills“ des Finnen Samu Haber kam das Orchester unter seiner jungen musikalischen Leiterin Sandra Giepmann gleich zu einem echten Höhepunkt: Die Suite Nummer 1 aus Peer Gynt des Norwegers Edvard Grieg. Vom zart beginnenden ersten Satz, der „Morgenstimmung“, Querflöte Katja Collatz, bis zum furiosen vierten Satz „In der Halle des Bergkönigs“, dessen Crescendo mächtig die Halle füllte, immer schneller und tongewaltiger, dass es die Zuhörer fast nicht mehr auf den Sitzen hielt. Und Fred Zimmermann später gestand: „Ich dachte selbst nicht, dass wir es so hinkriegen!“

Gründungsmitglieder „Das ist Akkordeonmusik vom Feinsten. Ich bin einfach sprachlos!“, stellte ein gerührter Edgar Zimmermann fest, neben Ernst Kull einer der anwesenden Gründungsmitglieder des Orchesters. Begleitet von Tochter Elke – die sich das Konzert quasi zum Geburtstagsgeschenk machte – und Sohn Harald, konnte er gleich drei seiner Söhne auf der Bühne erleben. Fred und Arno diesmal „einfach im Orchester“. „Soli gehen ja nicht jedes Mal!“, flachste Enkel Nicolai. Sohn Bruno war dafür im vielfältigen Einsatz zwischen Schlagzeug und Xylofon.

Keine Berührungsängste

Nachwuchstalente Pop von Abba bis Roxette, von „Fernando“ bis „She’s got the look“ durfte nicht fehlen, dazu „Gabriellas Song“, beeindruckend auf Schwedisch gesungen von Katja Collatz, am Keyboard zuverlässig wie immer Susanne Henssler-Hug. Zur Orchester-Familie gehörte an diesem Abend mit dem 14-jährigen Jakob Harnau ein begabtes Nachwuchstalent, der keine Berührungsängste mit Instrumenten wie Tamburin, Kuhglocke, Trommel oder Chimes zeigte.

Familien-Zusammenarbeit Ein wenig Luft holen durften die Gäste bei „Aus Holbergs Zeit“, noch einmal Edvard Grieg, vorgetragen von Chorleiterin Giepmann am Akkordeon, im bestens eingespielten Duett mit ihrem Opa Erich Meier an der Zither. Die erst 27-jährige Chorleiterin hat ohne Zweifel die Liebe zur Musik vom 90-jährigen Opa geerbt. Und mehr noch am Konzert war echte Meier-Familiensache: Das Arrangement zum Duett stammte von Giepmanns Onkel Andreas Meier. Opa Erich erzählte auch, bereits mit fünf Jahre habe seine Enkelin ihn musikalisch bei Auftritten begleitet: „Damals hat sie gesungen und getanzt!“ Giepmanns Ehemann Julian Quinting zeichnete außerdem für die Arrangements gleich mehrerer Stücke verantwortlich. So das „Wencke und Siw“-Best Of mit Anke Glasstetter als Sängerin, die vom „Knallroten Gummiboot“ bis „Liebeskummer lohnt sich nicht“ heitere Laune verbreitete.

Mitreißende Passagen

Hey, Pippi Langstrumpf! Quintings Handschrift trug auch „Langstrump Samba“, Pippis Lied im Sambarhythmus, abschließender Konzerthöhepunkt, bei dem noch einmal alle Register gezogen wurden, sprich zu den Akkordeonstimmen vielfältigste Rhythmusinstrumente zum Einsatz kamen.

Stefan Eisen, Unterstützung aus Berghausen, am Schlagzeug und Bruno Zimmermann mit der Röhrentrommel lieferten mitreißende Passagen zum gelungenen Ganzen.

Zugabe und Zuwachs Keine Frage: Natürlich erklatschten sich die begeisterten Gäste eine Zugabe. Stolz waren die Musikerinnen und Musiker nach fast zwei Stunden Spielzeit zu Recht auf das Geleistete. Alles gegeben hatte auch Chorleiterin Giepmann, die mittlerweile ihr 13-Kilo-Akkordeon schon gar nicht mehr tragen sollte, denn: Im Februar gibt’s Familienzuwachs.

Hobby und Ausgleich

Seit März 2022 ist Giepmann Chorleiterin des Bernbacher Orchesters. Wie für ihren Ehemann Julian Quinting, den sie – wie könnte es anders sein?! - übers Akkordeonspielen kennengelernt hat, ist die Musik Hobby und Ausgleich für sie.

Beide haben beruflich eine akademische Laufbahn in ganz anderer Richtung eingeschlagen. Quinting ist mittlerweile promovierter Meteorologe, Giepmann hat BWL und Informatik studiert und gleich noch parallel in Trossingen Klassisches Akkordeon mit den Nebenfächern Dirigieren/Orchesterleitung.

Kleines Problem: Ob die junge Familie Giepmann/Quinting wohl im Sommer schon wieder auf Urlaubsreise geht, diesmal mit Nachwuchs? War doch das diesjährige Konzert, wie im Jahr zuvor, inspiriert von ihrem Sommerurlaub, diesmal der Wohnmobiltour entlang der norwegischen Küste.