Das Orchester in der Stadthalle, dahinter ein Bild der Band „Queen“ Foto: Szymanski

Das über die Kreisgrenzen bekannte und mehrfach ausgezeichnete Akkordeon-Orchester Balingen hat seinen Ehrentag groß gefeiert.

Das große Atmen durchweht drei Stunden lang die Balinger Wunderbar herausgespielt die Gänsehaut-Melodie. Es wispert und haucht, wird aufsässig, lispelt, schmalzt, zornt und frohlockt, flötet bisweilen, brummelt: Das Akkordeon ist dem Menschen wohl am nächsten. Erreicht ihn unmittelbar, wärmt.

 

Und da ist Benjamin

Das Akkordeon-Orchester Balingen lässt sich feiern zum 75. – vom geneigten und zahlreich erschienenen Publikum allemal, aber auch von den musikalischen Gästen, dem Hohner-Akkordeonorchester aus Trossingen, mit dem die Balinger einige Stücke zusammen ausführen. Und da ist Benjamin, der Neunjährige, er spielt mit beim Jugendorchester unter Leitung von Anja Martens. Bei „Open Up“, eine Art Eröffnungsstück für junge Spieler, der Suite „Fresh Air“ oder „Barbie Girl“ von der schwedischen Gruppe Aqua, kann man ihn neben anderen beobachten wie er konzentriert spielt, sich wiegt bei Zug und Druck, den Takt hält, dynamisiert, mitunter mit den Füßen den Rhythmus mitgestaltet.

Alexandra Bitzer dankt den Zuhörern

Das muss man mögen: In einem nur aus Akkordeon und Percussions – bei den Balingern ist dies an diesem Abend Beatrice Fratila – bestehenden Kapelle, spielen die einzelnen Stimmen nur mit dem Diskantteil mit Tasten; die grollenden, Substanz gebenden Bässe werden extra gespielt und elektronisch verstärkt.

Kurz fasst sich Oberbürgermeister Dirk Abel bei seinem Grußwort: „Das Akkordeon-Orchester bereichert die Kultur unserer schönen Musik-Stadt Balingen.“ Vorsitzende Alexandra Bitzer dankt den Zuhörern, die das Ensemble inspirierten und seit vielen Jahren begleiteten. Und sie rühmt das Akkordeon und seinen unverwechselbaren Klang, den die Orchestermusiker mit Leidenschaft in Musik verwandelten, und dafür mit Preisen und einem ersten Platz beim World Musik Festival in Innsbruck belohnt werden.

75 Jahre reges, fast familiäres Vereinsleben

Darauf und auf 75 Jahre reges, fast familiäres Vereinsleben könne die Formation unter dem Dirigat von Angelika Zanger „wahrhaft stolz sein.“ Die musikalische Leiterin allerdings stehe heute nicht wegen einer ernsten Erkrankung – sie sei aber auf dem Weg der Besserung – auf dem Pult, sondern der zweite Dirigent Maik Merle. Bitzer oblag es auch, die Dirigentin für 30 Jahre Mitwirkens auszuzeichnen, Maik Merle für zehn Jahre sowie Reiner Zimmermann für 50 Jahre. Er wurde zum Ehrenmitglied ernannt.

Wunderbar herausgespielt, die Gänsehaut-Melodie

„Dont’t Stop Me Now“, diese Ballade von Queen hat sich das Akkordeon-Orchester zu 75. geschenkt und dabei die musikalische Unterstützung des Jugend-Ensembles gebraucht. Denn es soll schließlich genauso fulminant klingen wie bei Freddie Mercury. Wunderbar herausgespielt, die Gänsehaut-Melodie. Und weil die Formation bei Wettbewerben in der oberen Liga spielen, scheut sie auch keine Aufgaben wie die Suite „My Switzerland“ von Hans-Günther Kölz. Da vibriert der Hallenboden. Auch beim Auftritt des Hohner-Akkordeonorchesters unter Leitung von Johannes Baumann.

Fazit: 75 Jahre und kein bisschen bräsig, dieses Balinger Akkordeon-Orchester. Sondern druckvoll, wohlklingend und leidenschaftlich – Glückwunsch!