Das Haus der Kirche in Bad Herrenalb an der Dobler Straße ist ein großer Tagungskomplex. Foto: Zoller

„Haus der Kirche – Evangelische Akademie Baden“: Wärme, Werte, Wirtschaftlichkeit – die Balance einer besonderen Akademie.

Die Stadt Bad Herrenalb hat in den vergangenen Wochen internationales Flair geatmet, als die Franziskus-Schwestern aus allen Teilen der Welt zu ihrer Tagung zusammenkamen.

 

Dass solch eine bedeutende Versammlung im „Haus der Kirche – Evangelische Akademie Baden“ stattfand, ist kein Zufall, sondern das Ergebnis eines Konzepts, das im Stillen wirkt und gerade deshalb überzeugt.

Als Hausleiter lenkt Andreas Friedrich seit Oktober 2022 die Geschicke dieser besonderen Tagungsstätte, die ohne sichtbare Werbung im Ort auskommt und dennoch jährlich mehr als 450 Veranstaltungen organisiert. Es ist ein Spektrum, das beeindruckt, zumal der Start in der Nach-Corona-Zeit für den neuen Manager keine leichte Aufgabe war.

Philosophie Der Erfolg des Hauses liegt in einer Philosophie begründet, die das Christliche nicht als Etikett vor sich herträgt, sondern als lebendige Tugend versteht.

Andreas Friedrich ist seit Oktober 2022 Hausleiter Foto: Zoller

Andreas Friedrich betont dabei den Kern seiner Arbeit: „Das Haus strebt danach, Gastgeber im traditionellen christlichen Sinn zu sein und seinen Gästen einen herzlichen Empfang zu bereiten, denn Gastfreundschaft ist eine alte christliche Tugend.“ Es geht darum, einen verlässlichen Rückzugsort für Gespräche und zwischenmenschliche Interaktionen zu schaffen. Diese Ausrichtung sorgt dafür, dass das Haus auf eine treue Stammkundschaft bauen kann, die genau weiß, wofür dieser Ort steht.

Schnell zurückgekehrt

„Dieses Grundrauschen wiederherzustellen, war tatsächlich weniger schwierig als gedacht. Viele unserer Gäste wussten genau, wofür wir stehen, und sind schnell zurückgekehrt. Die Herausforderung lag darin, die Belegungszahlen über dieses stabile Fundament hinaus zu steigern. Vor allem große oder internationale Tagungen brauchten deutlich länger, um sich zu synchronisieren. Reiseprozesse, Budgets und interne Freigaben waren weltweit aus dem Takt geraten. Das hat man klar gemerkt“, erinnert sich Friedrich an seine Anfangszeit.

Drei Bereiche Heute ist der Alltag im Haus geprägt von Gästen, die sich klar auf drei Bereiche verteilen: kirchliche Gruppen, soziale und öffentliche Institutionen wie Ministerien oder Universitäten sowie Unternehmen aus dem industriellen Mittelstand.

Echte Begegnung

„Unser Kernmarkt ist nach wie vor regional, national und stark in der DACH-Region verankert. Das ist unser tägliches Geschäft, und darauf bauen wir. Dass wir auch für wirtschaftliche Tagungen offen sind, ist oft weniger bekannt, gehört aber bewusst zu unserem Profil“, erläutert Friedrich, der dabei konsequent auf Qualität statt auf laute Akquise setzt: „Unser Motto lautet: nicht überreden, sondern überzeugen. Wir setzen konsequent auf Verlässlichkeit, klare Kommunikation und ein Tagungsumfeld, das sicheres Planen ermöglicht. Denn der Wunsch nach echter Begegnung ist stärker denn je.“

Dass dabei moderne, hybride Formate längst zum Standard gehören, sieht er nicht als Widerspruch zur Tradition, sondern als „sinnvolle Ergänzung“, zumal sich viele Abstimmungen, für die man früher automatisch ins Auto gestiegen wäre, heute effizient online erledigen lassen. „Das spart Zeit, reduziert Wegstrecken und macht uns insgesamt deutlich flexibler. Heute beherrschen wir hybride Abläufe genauso selbstverständlich wie klassische Präsenzformate. Und genau diese Kombination macht moderne Tagungsarbeit aus.“

Vesperteller auf Wunsch

Während professionelle Technik in den Tagungsräumen Einzug hielt, gibt es in den anderen Bereichen des Hauses bewusst Orte der Ruhe. „Gastfreundschaft ist eine Haltung, Digitalisierung ein Werkzeug“, betont Friedrich das stimmige Miteinander von Hightech und Herzlichkeit. Besonders deutlich wird die Atmosphäre des Hauses, wenn Gäste nach einer langen Reise erschöpft oder gar verspätet ankommen. „Weil Ankommen mehr ist als nur eine Tür zu öffnen, bereitet unsere Küche auf Wunsch einen Vesperteller vor, etwas Kleines zur Stärkung, damit niemand hungrig ins Bett muss.“ Friedrich ist es wichtig, Menschen in allen Situationen verlässlich aufzunehmen: „Eine kleine Geste, die oft mehr bewirkt als große Worte.“ Für den Hausleiter liegt der Schlüssel zum Erfolg ohnehin weniger in der Technik als in der Herzenshaltung: „Entscheidend ist, dass Menschen spüren: Wir kümmern uns.“

Zukunft Mit Blick auf die Zukunft soll das Haus der Kirche weiterhin ein stabiler Ankerplatz bleiben, der Professionalität mit menschlicher Wärme verbindet. „Es sind die Momente, in denen jährlich wiederkehrende Gruppen betonen, wie sehr sie sich auf das Haus gefreut haben“, sagt Friedrich und weiß sich in seinem Weg bestärkt. Ob es der Seminarraumschlüssel ist, der charmant per Post aus Paris zurückgeschickt wird, oder das vertraute Gespräch zwischen Menschen aus unterschiedlichen Kulturkreisen und Kontinenten in einer ruhigen Ecke, all das macht den besonderen Geist des Hauses aus. Für die nächsten beiden Jahre hat Friedrich ein klares Ziel vor Augen: „Ein stimmiges Verhältnis von Wirtschaftlichkeit und kirchlichem Auftrag“ zu schaffen und das Haus weiterhin als einen Ort zu positionieren, der seine Gäste immer wieder positiv überrascht.