Aix feiert Maler Paul Cezanne Traumschöne Provence
Aix-en-Provence feiert in diesem Sommer ihren berühmtesten Sohn, den Maler Paul Cezanne. Nach jahrelanger Restaurierung sind Teile des Familienanwesens wieder geöffnet.
Noch ist Betreten verboten: Rund um das Landhaus „Bastide du Jas de Bouffan“ liegt ein rotes Kabel auf der Erde, das bedeutet: bis hierher und nicht weiter. Aber wenn man ganz nah an das Kabel herantritt, dann kann man durch das geöffnete Fenster in den Salon im Erdgeschoss schauen: man sieht zwei Männer, komplett in weiße Schutzanzüge gehüllt, mit Bauhelmen und Masken. Sie stehen auf einer Leiter, hämmern, klopfen und legen vorsichtig Millimeter um Millimeter ein Wandbild von Paul Cezanne frei (in der Provence wird der Name ohne Akzent auf dem e geschrieben).
Eigentlich sollte das herrschaftliche Landhaus am Ortsrand von Aix-en-Provence pünktlich zum Cezanne-Jahr 2025 eröffnet werden. Doch im Zuge der Renovierung sind Spuren einer bisher unbekannten Wandmalerei des jungen Malers entdeckt worden, sodass sich die Präsentation verzögert. „Teile des Hauses sind ab Ende Juni zu besichtigen, das Restaurant in der Orangerie sowie der Rest werden Stück für Stück fertiggestellt“, erklärt die Führerin Elodie L’Huillier.
Das Haus des Windes
Das „Haus des Windes“ ist einst Landsitz sowie Arbeitsplatz und wiederkehrendes Motiv von Paul Cezanne gewesen. 1859 hat Cezannes Vater das 15 Hektar große Grundstück erworben, und für Sohn Paul war das Anwesen mit der hellen Villa, den lichten Hainen und dunklen Teichen über 40 Jahre lang ein Ort der Inspiration und des Rückzugs. Im Atelier im oberen Stockwerk sind einige seiner berühmtesten Werke entstanden, doch auch draußen hat Cezanne viel Zeit an der Staffelei verbracht und das berühmte Licht der Provence eingefangen. „Der Garten gehört zum Ausstellungskonzept dazu und wird so umgestaltet, dass er wieder mehr dem Garten Cezannes ähnelt“, sagt L’Huillier. Auch ein Raum für Workshops und Konferenzen soll auf dem Anwesen geschaffen werden.
Wie sehr Cezanne diesen Ort geliebt hat und von ihm inspiriert wurde, kann man in der Ausstellung „Cezanne au Jas de Bouffan“ erleben, die noch bis 12. Oktober im Museé Granet in der Altstadt von Aix zu sehen ist. Rund 130 Meisterwerke sind ausgestellt, darunter die berühmten „Kartenspieler“ und die „Badenden“. Die Gemälde kommen hauptsächlich aus Frankreich, aber viele auch aus den USA. Cezanne war zu Lebzeiten in seiner Heimatstadt nicht besonders angesehen, was zur Folge hatte, dass seine Werke damals keinen Platz in den Museen von Aix fanden. Die wenigen Gemälde, die sich ständig im Museum befinden, sind Dauerleihgaben aus Paris. „Wir in Aix haben zwar nicht viele Gemälde von Cezanne, dafür haben wir die Landschaft“, sagt Geraldine Fridrici vom Tourismusbüro in Aix.
Oh ja, diese herrliche Landschaft: Eines von Cezannes Lieblingsmotiven, den Berg Sainte-Victoire, hat der Maler nicht nur von seinem Landhaus aus im Blick gehabt, sondern auch von vielen anderen Aussichtspunkten. Zum Beispiel vom Hügel Les Lauves aus, etwas außerhalb der Innenstadt von Aix, auf dem Terrain des Peintres. Von diesem Plateau aus hat man einen herrlichen, unverstellten Blick auf den Gebirgszug.
Cezanne hat den Tafelberg insgesamt 87 Mal in Öl und Aquarell auf die Leinwand gebracht, aber immer nur aus einer Perspektive. „Cezanne war besessen von diesem Berg, er hat ihn zum Mythos gemacht, ohne ihn wäre Sainte-Victoire vermutlich völlig unbekannt“, erklärt Führerin Elodie Marie. Hier oben auf dem Terrain des Peintres sind neun Reproduktionen seiner Werke ausgestellt, sie befinden sich im Freien, und die Besucher können die Werke mit der Originallandschaft vergleichen. Oder einfach Rast machen, die weite Aussicht im Schatten von Zypressen und Pinien genießen und versuchen, Peter Handkes „Die Lehre der Sainte-Victoire“ zu lesen und zu verstehen.
Ein weiterer Lieblingsplatz von Cezanne waren die Steinbrüche von Bibémus. Sie liegen wenige Kilometer außerhalb von Aix und sind aus Sicherheitsgründen nur mit einem Guide zu betreten. Hier wurde bis ins 18. Jahrhundert hinein Stein abgebaut, nahezu alle Herrenhäuser in Aix sind aus dem leuchtenden, zart vanillegelben, aber sehr porösen Sandstein errichtet. Am Eingang des stillgelegten Steinbruchs befindet sich eine große Reliefkarte der Umgebung.
Die Tür zum Abbruchgelände ist schwer
„Der Gebirgszug Sainte-Victoire ist etwa 1000 Meter hoch und 20 Kilometer lang, auf dem Kamm befindet sich ein Fernwanderweg“, erläutert Elodie Marie. Und deutet auf einen kleinen Punkt hinter dem Gebirge: „Dort übrigens ist das Grab von Picasso. Dass Picasso hier beerdigt wurde, ist nahezu unbekannt. Picasso hat Cezanne tief verehrt, und er soll gesagt haben, in Schloss Vauvenargues wohne man quasi ‚chez Cezanne’“, erzählt Elodie Marie und schließt die schwere Tür zum Abbruchgelände auf.
„In seinen späten Lebensjahren war Cezanne oft in Bibémus, er hat die Abgeschiedenheit geliebt. Und natürlich den fantastischen Blick auf die Sainte-Victoire. Inspiriert von dieser mystischen Landschaft hat Cezanne hier neue Perspektiven und Formen gefunden und ausprobiert“, erzählt Elodie Marie. Mitten in den riesigen Gesteinsformationen steht ein kleines, sehr bescheidenes Häuschen, hier hat sich der Maler oft aufgehalten, auch über Nacht. So romantisch das auch auf heutige Besucher wirkt, sehr komfortabel war die kleine Hütte mit der knallroten Eingangstür nicht.
Als Dessert gibt es Äpfel
Doch das hat Cezanne nicht gestört, die geheimnisvolle Stille des Ortes war ihm wichtiger. Überhaupt hat Cezanne wenig zum Leben und Arbeiten gebraucht. Er war ein bescheidener Mensch. Das kann man auch an seinen Essensvorlieben erkennen.
Denn auch damit befasst sich das Cezanne-Jahr in Aix. Im Vorfeld wurde ein Koch-Wettbewerb ausgerufen: 16 Küchenchefs aus Aix und Umgebung haben sich beteiligt und ein Cezanne-Menü kreiert. Alle beteiligten Restaurants bieten ihre Kreationen in diesem Jahr an, so auch der Sieger „La Taula“, das ist das Restaurant des edlen Hotels Villa Gallici in Aix. Das dreigängige Menü, das auf der Terrasse in dem traumschönen Garten des Hauses serviert wird, ist zwar äußerst raffiniert und auf höchstem Niveau zubereitet, aber es verwendet als Zutaten die Lieblingsspeisen des Malers. So gibt es viel Fisch, noch mehr Olivenöl, dazu Tomaten, Fenchel, Artischocken und als Dessert Äpfel. Die hat Cezanne besonders geliebt. Auch als Motiv. In Aix bekommt man in diesem Jahr ein inspirierendes Gesamtpaket: Essen, Landschaft und Kunst.
Aix
Mit dem Zug der Deutschen Bahn nach Karlsruhe, dort Zustieg in den TGV nach Aix-en-Provence. www.bahn.de ; www.sncf-connect.com/.
Unterkunft
Mitten auf der Promeniermeile von Aix, auf dem Cours Mirabeau, liegt das Hotel Negrecoste. Zimmer und Bad sind mit allem ausgestattet, was man braucht. Das feine Frühstück gibt es à la carte, die Kellner sind freundlich und entgegenkommend, Doppelzimmer ab 190 Euro, https://hotelnegrecoste.com/ . Das Hotel Aquabella liegt etwas außerhalb des Zentrums, doch kann man von dort aus sehr gut zu Radtouren oder Wanderungen ins Hinterland aufbrechen. Doppelzimmer ab 210 Euro, www.aquabella.fr/ .
Essen und Trinken
Im Hotel Negrecoste befindet sich das Restaurant Le Mirabeau. Hier wird feine provenzalische Küche serviert. Dazu eine große Auswahl an Weinen aus der Region, vor allem natürlich Rosé: https://hotelnegrecoste.com/fr/restaurant/ . Im Atelier des Lodges Sainte-Victoire kann man nicht nur ausgezeichnete französische Küche genießen, sondern hat dazu auch einen fantastischen Blick auf Cezannes Lieblingsberg: www.leslodgessaintevictoire.com/fr/ .In der Villa Gallici gibt es in diesem Jahr das preisgekrönte 3-gängige Cezanne-Menü zu essen. Das schmeckt am besten auf der Terrasse unter den mächtigen Platanen, www.villagallici.com/de/restaurant.html.
Aktivitäten
Die Bastide du Jas du Bouffan, das Familienanwesen der Cezannes ist wieder geöffnet. allerdings bisher nur in Teilen, der Rest wird nach und nach dem Publikum zugänglich gemacht. www.cezanne-en-provence.com/bastide-du-jas-de-bouffan/ .In die Steinbrüche von Bibémus kommen Besucher nur mit einer Führung: www.cezanne-en-provence.com/les-sites-de-cezanne/carrieres-de-bibemus/ .Im Gallifet Centre d’Art läuft noch bis zum 28. September die Ausstellung über die Einflüsse Cezannes „Échos de Cezanne“. Man kann hier auch zu Mittag essen oder Kaffee trinken: www.hoteldegallifet.com/fr. Im benachbarten Museum Granet läuft die Jubiläumsausstellung mit Werken Cezannes noch bis zum 12. Oktober: www.museegranet-aixenprovence.fr /. Im Caumont Kunstzentrum kann man einen sehr informativen Film über Cezanne ansehen und danach auch im Garten oder Restaurant Essen oder Tee trinken: www.caumont-centredart.com
Allgemeine Informationen
https://cezanne2025.com ; www.aixenprovencetourism.com/ ; www.atout-france.fr