Am Bahnübergang in Aistaig kommt es im Dezember zur Fast-Katastrophe. Ein Lkw wird von der Schranke „eingesperrt“, der Fahrer durchbricht sie schließlich. Foto: Dietrich

Ein Lkw wird von einer sich schließenden Schranke auf dem Bahngleis bei Aistaig eingeklemmt – nach dem Horror-Szenario im Dezember fragen wir: Ist es jetzt sicher?

Die Bahnschranke am Übergang Oberndorf-Aistaig hatte Beobachtungen von Anwohnern zufolge schon länger Probleme gemacht, als es im Dezember zur Beinahe-Katastrophe kam: Ein Lastwagen überquerte das Bahngleis, als sich beide Schranken plötzlich schlossen.

 

Geistesgegenwärtig trat der Fahrer aufs Gaspedal, durchbrach die Schranke und sicherte dann noch den offenen Bahnübergang bis zum Eintreffen der Polizei. Ein herannahender Zug wurde rechtzeitig vor dem Übergang gestoppt. Die Bundespolizei nahm die Ermittlungen auf.

Im Nachgang meldete die Polizei, dass die Schrankenanlage durch Mitarbeiter der Deutschen Bahn umgehend instandgesetzt worden sei.

Bahnschranke zuvor oft defekt

Bei manchem Verkehrsteilnehmer bleiben angesichts der vielen Defekte im Vorfeld leise Zweifel. Ist die Anlage denn nun wirklich sicher? Vor dem Vorfall mit dem Lkw war sie zeitweise einfach offen geblieben, Züge hatten sich langsam und hupend auf der Strecke entlang bewegt.

Das sagt die Deutsche Bahn

Auf Nachfrage bei der Pressestelle der Deutschen Bahn erklärt ein Sprecher: Die Schrankenanlage selbst bereite keine Probleme mehr. Doch es gebe ein anderes Problem, das weiterhin für Einschränkungen am Bahnübergang und damit auch im Bahnverkehr sorgt.

Überwachung im Bahnhof Rottweil

Der Grund dafür liege am Bahnhof in Rottweil, von wo aus der Bahnübergang Aistaig per Kamera überwacht wird. Erst wenn der „Zugverkehrssteuerer“ – früher Fahrdienstleiter – auf der Kamera sehe, dass die Schranke geschlossen und der Bahnübergang wirklich frei ist, kann er die Strecke für die normale Durchfahrt der Züge freigeben, wie der Sprecher erklärt.

Kamerakabel bei Bauarbeiten mehrfach zerstört

Nun aber sei das Datenkabel für die Kamera „leider schon mehrfach“ bei Bauarbeiten „auf einer Baustelle Dritter“, also nicht von der Bahn selbst, beschädigt worden. Die Kameraüberwachung ist dann nicht mehr möglich, die Zugführer erhalten dann den Befehl „anhalten und rübertasten“, so der Sprecher. Auch bei ordnungsgemäß geschlossener Schranke tasten sie sich dann aus Sicherheitsgründen langsam über die Strecke.

„Das ist ärgerlich für alle, die Züge müssen langsamer durchfahren, die Leute müssen länger am Bahnübergang warten“, so der Bahnsprecher. Der Austausch des mehradrigen Datenkabels sei jeweils aufwendig und nicht eben mal schnell gemacht.

Weil man nicht selbst Herr der nun schon länger andauernden Baustelle sei, könne er nicht sagen, ob die Kabelbeschädigungen weiter passieren. Immerhin: Bei der Schranke selbst, so der Sprecher, sei alles in Ordnung.

Schweres Zugunglück mit 33 Verletzten

Viele Bürger werden sicherlich weiter ein Auge drauf haben. Nur wenige Kilometer entfernt, am Bahnübergang in Epfendorf, waren 2014 beim Zusammenstoß eines Regionalzugs mit einem Sattelzug 33 Menschen verletzt worden. Der Sattelzug war auf den Gleisen aufgesessen.