Kostenlose Tests auf HIV bietet die Aids-Hilfe Offenburg/Ortenau jeden zweiten Mittwoch im Monat an. Foto: Gabbert (Symbolbild)

Die Aids-Hilfe Offenburg/Ortenau hat im Jahr 2022 bei monatlichen Aktionen 99 Menschen auf HIV getestet. Das Angebot wird immer beliebter, sagt Jürgen Schwarz von der Aids-Hilfe. Die Stigmatisierung von Infizierten sei aber immer noch ein Problem.

Ortenau - Einmal im Monat bietet die Aids-Hilfe Offenburg/Ortenau kostenlose Labor-Tests auf HIV, Syphilis und Hepatitis C an. "Es ist langsam angelaufen", erinnert sich Jürgen Schwarz an den Anfang vor vier Jahren. Inzwischen aber kommen im Schnitt acht Menschen zu den zweistündigen Terminen. 99 waren es im Jahr 2022 insgesamt.

 

Schwarz erzählt, dass viele verschiedene Menschen sich auf Geschlechtskrankheiten testen lassen. "Es sind überwiegend Menschen, die häufig Sex mit verschiedenen Partnern haben", sagt Schwarz. Teilweise kommen auch Pärchen, die bislang nur mit Kondom intim waren und dieses nun weglassen wollen. "Zur Sicherheit lassen die sich vorher testen", sagt Schwarz. Das seien nicht nur junge Menschen, berichtet der Leiter der Beratungsstelle. Er erzählt von einem älteren Mann, der Jahre lang verheiratet war und nun nach der Scheidung "wieder auf dem Markt" sei. "Er hat gesagt, dass das Thema jahrelang an ihm vorbeigegangen ist und er sich nun einmal informieren möchte", schildert Schwarz das Beratungsgespräch mit dem Mann.

Die meisten kommen ohne Verdacht

Die Beratung gehört für das Team von der Aids-Hilfe bei den monatlichen "Checkpoints" dazu. Doch wenn jemand nicht über das sensible Thema reden möchte, sei das auch in Ordnung, berichtet Schwarz. Dann teste man ihn nur. Die meisten kommen ohne akuten Verdacht sondern als rein präventive Maßnahme zum "Checkpoint", erklärt Schwarz weiter. Entsprechend seien sie auch nicht nervös. Nur hin und wieder seien die Menschen aufgeregt. Das Beratungsgespräch sei auch dazu da, die Menschen zu beruhigen, doch alles in allem sei eine Aids-Erkrankung "nicht mehr dieses Horrorszenario, wie es einmal war".

Fällt ein Test tatsächlich positiv aus, dann ist es auch Schwarz’ Aufgabe, die Menschen darüber zu informieren. Im vergangenen Jahr war das bei 99 Tests glücklicherweise nur einmal der Fall. "Es ist erst einmal ein Schock, auch wenn die Infektion kein großes Problem mehr ist, wenn sie frühzeitig erkannt wird", sagt der Leiter der Beratungsstelle. Die Erkrankung sei inzwischen medizinisch gut beherrschbar. Jedoch: "Die Diskriminierung und die Stigmatisierung sind immer noch sehr groß", sagt Schwarz.

Umgang mit Infizierten soll normalisiert werden

Das treffe vor allem auf den ländlichen Raum zu. "In den Großstädten ist es etwas besser geworden", sagt Schwarz, der seit 27 Jahren bei der Aids-Hilfe arbeitet. Seine Forderung: "Der Umgang mit HIV-Infizierten soll normalisiert werden." Es seien unbegründete Ängste und Fehlinformationen im Umlauf. "Komische Bilder aus der Schmuddelecke", nennt Schwarz Behauptungen, wie die, dass sich nur "Junkies oder Schwule" mit HIV infizieren. "Das entspricht nicht der Realität", stellt er klar.

Um das Thema HIV sei es in den vergangenen Jahren "fast zu ruhig" geworden, erzählt Schwarz weiter. Dies habe zwar den Vorteil, dass es keine "Panikmache" mehr gebe, doch die verringerte öffentliche Wahrnehmung beeinflusse auch die Aufklärungsarbeit.

Diese sei auch deshalb ein wichtiger Aspekt der Aids-Hilfe. "Wir sind mit Infoständen unterwegs oder verteilen auch mal Kondome in Clubs", berichtet Schwarz. Auch in Kirchengemeinden, Schulen und in der Alten- und Krankenpflege sei man mit Präventionsveranstaltungen unterwegs, um etwas gegen die Stigmatisierung zu unternehmen. "Infizierte brauchen keine Spezialbehandlung. Sie müssen nicht etwa mit Handschuhen angefasst werden", informiert Schwarz.

Info – Checkpoint

Wer sich kostenlos und anonym auf Geschlechtskrankheiten testen lassen will, kann am Mittwoch, 11. Januar, von 18 bis 20 Uhr in die Malergasse 1 in Offenburg kommen. Dort organisiert die Aids-Hilfe Offenburg/Ortenau wieder einen "Checkpoint". Sie bietet auch HIV-Schnelltests an, bei denen das Ergebnis nach einer halben Stunde vorliegt.