Stefan und Andrea Klumpp aus Eutingen fahren auf der Aidadiva einmal um den gesamten Globus. Foto: Stefan Klumpp

Seit mehr als zwei Monaten sind Stefan und Andrea Klumpp auf einer Schiffsreise rund um den Erdball. Sie treffen Indigene in Panama und geraten in einen Orkan.

Der Wind macht dem Kreuzfahrtschiff Aidadiva vor der Küste Japans einen Strich durch die Rechnung. Dort auf dem Meer vor der Insel Amami-Oshima befinden sich Stefan Klumpp (68) und seine Ehefrau Andrea (65) aus Eutingen, als sie sich in einer E-Mail an unsere Redaktion wenden, um von ihrer Weltreise zu berichten. Eigentlich hätte das Schiff die Insel an diesem Tag anlaufen sollen, doch bei Windstärke acht bis neun gelingt der Plan nicht. Stattdessen nimmt der Kapitän Kurs auf die japanische Stadt Naha. Probleme bereitet das Wetter den Eutingern nicht – sie haben schon einen weitaus heftigeren Sturm überstanden – vor rund zwei Monaten Mitten im Nordatlantik.

 

„Es geht uns sehr gut, wir blieben – auch durch eigene Vorsichtsmaßnahmen – von allen aufgetretenen Krankheiten (Grippe, Norovirus, Seekrankheit) verschont“, berichtet Stefan Klumpp unserer Redaktion. „Aktuell sind wir in Japan, waren zwei Tage in Tokio (14. und 15. Januar), in Shimizu vor dem Mt. Fuji und in Kobe/Osaka (17. und 18. Januar).“

Auf der Titanic-Route

Am 10. November legte das Schiff Aidadiva in Hamburg ab. Am 23. März wird es dort wieder erwartet – nach einer Reise, die zunächst auf der Titanic-Route über den Atlantik nach New York führt, anschließend nach Mittelamerika, durch den Panamakanal in den Pazifik, von dort an die Westküste der USA und schließlich über Hawaii nach Asien. Der Heimat werden sich die Eutinger dann auf der Route über den Indischen Ozean, vorbei an Südafrika und die Kapverden im Atlantik nähern.

Stefan Klumpp berichtet, warum er und seine Frau die gut viermonatige Seereise unternehmen: „Wir haben uns zu dieser Reise entschlossen, nachdem wir schon mehrere Schiffsreisen unternommen haben (Indischer Ozean, Arabisches Meer, Suezkanal, Atlantik, Karibik). Wir sind unabhängig, noch fit und gesund und sehen das als möglicherweise letzte Chance in unserem Leben, fast im Zeitraffer noch viel von der Welt zu sehen.“

Abenteuer an Land

Gerade bei ihren Landgängen suchen die Klumpps durchaus das Abenteuer. Dabei scheuen sie Herausforderungen nicht. „Herausforderungen sind vor allem die Planung der Landgänge. Da wir die von Aida organisierten Touren eher meiden und lieber den Kontakt mit den Locals suchen, ist das nicht immer einfach. Aber dank guter Englischkenntnisse und weiblicher Intuition, zum Beispiel das öffentliche Bahnnetz in Japan betreffend, sind wir individuell unterwegs, nehmen die Bahn, fahren mit Ureinwohnern im Kanu durch den Dschungel Panamas oder mit einer durchgeknallten Taxiunternehmerin durch Costa Rica“, berichtet Klumpp.

Die größte Herausforderung auf der langen Reise sei jedoch „fomo“, englisch abgekürzt für „fear of missing out“, auf Deutsch: Die Angst, etwas zu verpassen. „Man muss sich im Klaren sein, dass man in der kurzen Zeit nur Bruchstücke aufnehmen und auch verarbeiten kann, das macht die Planung nicht einfacher. Tokio zum Beispiel ist mit zwölf Millionen Einwohnern (Stadtgebiet) die größte Metropole der Welt, dafür hat man am Ende nur wenige Stunden Zeit“, schreibt Klumpp.

Viel Hilfsbereitschaft

Auf keinen Fall verpasst hat das Ehepaar aber so manches unvergessliche Erlebnis: „Sicherlich erwähnenswert ist das Einlaufen in New York mit der Freiheitsstatue und in San Francisco mit der Golden Gate Bridge. Aber auch das Dorf der indigenen Embera in Panama, der Panamakanal, Katisha, die Taxifahrerin in Costa Rica, die zufällige Begegnung mit Polizeikollegen in San Diego, die Strände Hawaiis, das knallig-bunte Busan in Korea, aber vor allem die Begegnung mit Japanern. Die unglaublich höfliche und freundliche Art, die sauberen und leisen Millionenmetropolen Tokio und Osaka, adrett gekleidete Menschen, kein böses Wort, Hilfsbereitschaft, wo immer man ist, das kann man schwer beschreiben“, schildert Stefan Klumpp, der vor seinem Ruhestand Polizeibeamter war.

Aufgefallen ist Klumpp der Kontrast zur Ellenbogenmentalität, „die leider auch bei vielen – vor allem älteren – Menschen auf dem Schiff vorherrscht, indem man schubst und drängelt, Liegen und Sitzplätze belegt und kategorisch die abweist, die auch noch ein Plätzchen suchen.“ Er sagt: „Das wäre in den USA oder Japan unvorstellbar. Keiner käme auf die Idee, zum Beispiel in der U-Bahn sein Gepäck oder gar die Füße auf freie Plätze zu legen, jeder hat sein Smartphone vor der Nase, aber man hört weder Musik, noch Telefonate. Wenn die volle Bahn anhält, kann man eine Stecknadel fallen hören.“

Orkan im Nordatlantik

Ein Abenteuer auf See erleben die Eutinger gleich am Anfang ihrer Reise. Es ist Montag, 17. November, 8.30 Uhr Ortszeit, die Aidadiva befindet sich im Nordatlantik vor Neufundland. Stefan Klumpp schreibt über diesen Tag in seinem Reisetagebuch: „Um 13 Uhr beträgt die Windgeschwindigkeit 66,8 Knoten, das sind 124 Km/h und damit Orkanstärke (...).“ Trotz des Orkans sei die Aidadiva zu diesem Zeitpunkt relativ ruhig in der See gelegen – noch.

Klumpp berichtet: „Der Wind legt noch einen Zahn zu und um 13.45 Uhr meldet sich der Kapitän mit der Mitteilung, dass alle, die mal einen richtigen Orkan sehen wollten, nur zum Fenster hinausschauen müssten, die aktuelle Windgeschwindigkeit liegt bei 80 Knoten, circa 150 Km/h, die Wellen erreichen beachtliche acht Meter Höhe.“ Mit seiner Position ist das Schiff jetzt nur etwas nördlicher von dem Ort, an dem die Titanic vor 113 Jahren, am 15. April 1912 bei 3800 Metern Wassertiefe gesunken ist.

Kein gemütliches Kaffeetrinken

Der Eutinger berichtet weiter: „In der Aida-Bar im Bug des Schiffes ist es ungemütlich, in der Panorama-Bar ganz vorne zieht es mir die Füße weg, wenn Aidadiva ins Wellental kracht. An gemütliches Kaffeetrinken ist nicht zu denken, selbst die Bar-Karten wurden von den Tischen geräumt und kurz bevor wir das Markt-Restaurant verlassen haben, ging dort hörbar eine größere Menge Geschirr in Tausend Stücke. Die Leute torkeln über die Decks, als hätten sie mehr als drei Promille und auch bei uns sieht das nicht besser aus.“ Doch die Eutinger nehmen den Orkan gelassen. „Da ist es in der Kabine am gemütlichsten, daher gehen wir ein bisschen fernsehen“, schreibt Klumpp.

Das Ehepaar habe den Orkan als „spannend“ erlebt. „Das ging nicht allen so. Da haben wir das Glück, als seit Jahrzehnten begeisterte Segler ,seefest’ zu sein. Auch starke Schiffsbewegungen machen uns wenig aus. Andere Passagiere und auch Crewmitglieder litten sichtlich an Seekrankheit, manche mussten sich übergeben.“

Satellitenverbindung in die Heimat

Bei allen Abenteuern auf ihrer Weltreise sind die Klumpps dank einer Internetverbindung über Starlink-Satelliten aber auch regelmäßig in Kontakt mit der Heimat und Familie. Wenn sie im März wieder nach Hause kommen, freuen sie sich auf das Wiedersehen mit der Familie, den Kindern und Enkelkindern. Und ein bisschen auch darauf, wieder mehr Platz als in der 13 Quadratmeter großen Innenkabine zu haben.

Route der Weltreise

Diese Ziele steuert die Aidadiva an
Hamburg – Isle of Portland – Halifax – Boston – New York City – Charleston – Miami – Cozumel – Belize – Roatan – Puerto Limon – Colon – Passage Panamakanal – Puntarenas – Puerto Quetzal – Puerto Vallarta – San Diego – Long Beach/Los Angeles – Santa Babara – San Francisco – Nawiliwili (Kauai/Hawaii) – Hilo (Big Island/Hawaii) – Kahului (Maui/Hawaii) – Honolulu (Oahu/Hawaii) – Busan – Tokio – Shimizu – Kobe – Kagoshima – Naha (Okinawa) – Ishigaki – Keelung – Kaohsiung – Hongkong – Halong Bay – Da Nang/Hue City – Phu My/Ho-Chi-Minh-Stadt – Singapur – Port Klang/Kuala Lumpur – Georgetown (Penang) – Phuket – Hambantota (Sri Lanka) – Colombo (Sri Lanka) – Male – Le Port (La Reunion) – Durban – Gqerberha (ehem. Port Elizabeth) – Kapstadt – Lüderitz – Walvis Bay – Praia (Santiago) – Santa Cruz (Teneriffa) – Funchal (Madeira) – Lissabon – Hamburg