Die Freunde haben auf ihrem Europa-Trip spannende Erlebnisse und erkunden interessante Orte. Foto: Schwarzwälder Bote

Engagament: Junger Aichhalder ist mit Freunden unterwegs und sammelt Stadtradel-Kilometer sowie Spenden für zwei Projekte

Den Traum von einer Reise quer durch Europa erfüllt sich derzeit der Aichhalder Jared Faißt. Er ist seit etlichen Wochen mit drei Freunden unterwegs – und mit dem Fahrrad.

Aichhalden. Seit Mai tritt Jared Faißt mit seinen Freunden Katharina Eberle, Moritz Spannenkrebs und Vincent Kliem in die Pedale. Im Aktionszeitraum hat er dabei auch kräftig Kilometer für das Stadtradel-Konto seiner Heimatgemeinde gesammelt (siehe Infokasten). Dort radelten sie von Prag über Dresden, Berlin und Usedom bis an die polnisch-litauische Grenze.

Die Europa-Tour war wohl, so heißt es in einer Mitteilung der Gemeinde Aichhalden, bereits im vergangenen Jahr geplant, musste wegen Corona aber verschoben werden. Auch die Strecke wurde angepasst. Den genauen Ursprung der Idee einer Radreise, so schreiben die drei Fahrradfreunde auf ihrem Blog, wissen sie gar nicht mehr so genau. Ursprünglich wollten sie im April 2020 das Schwarze Meer umrunden – auch das hat Corona verhindert. So verschoben sie den Trip auf 2021 und beschränkten ihn wegen der Reisebeschränkungen auf die EU.

Los ging’s für Jared Faißt und seine Freunde Mitte Mai in Sapri, südlich von Neapel. Über die Fernradroute Euro Velo 7 gilt es, rund 7050 Kilometer von Nord nach Süd durch ganz Europa zu radeln. Zwischendurch sind die Fahrradfreunde –­ wie schon Klaus Pfaff auf seiner Radreise nach Rügen –­ auf den "Iron Curtain Trail" gewechselt. Auf ihrem Blog geben die drei spannende Einblicke in ihre besondere Reise.

Ab Thorgau

Mit "gut ausgeruhten Oberschenkeln" ging es vor einigen Tagen "mit Highspeed die Elbe entlang" – auch, weil ein Fahrradfreund Probleme mit schwächelnden Bremsen hatte, was die Gruppe zu mehreren Stopps zwang. "Wer bremst verliert – ganz nach diesem Motto zeigten uns Vincent und seine Oberschenkel an diesem Tag eine ganz besondere Performance und bahnten bei guten 25 Sachen den Weg durch den Gegenwind", ließen sich die drei nicht unterkriegen. Die Mittagspause legten sie kurz vor Riesa ein.

Obwohl Katharina die Windschattenarbeit an diesem Tag größtenteils abgenommen wurde, "war ich nach über 100 Kilometern mehr als froh, dass Vincent und Jared sich um die Organisation eines Schlafplatzes und das Aufstocken der Wasservorräte kümmerten". Mit neuer Energie radelte die Gruppe noch ein wenig weiter, bis Jared "einen super Platz für unser Zelt entdeckte" – mitten in einem Waldstück. Um kurz nach 6 Uhr war die Nachtruhe vorbei – die Gruppe war von einer etwa 20-köpfigen Wildschweinrotte umzingelt. "Irritiert wurde uns klar, dass unser Innenzelt wohl nur nach außen gute Sicht ermöglichte. Die Wildschweine schienen jedenfalls keine Notiz von uns zu nehmen und trotteten auf der Suche nach Futter bis auf wenige Meter an uns heran", schildern sie dieses Erlebnis. Als sich die Freunde bemerkbar machten, verschwand die Rotte rasch im Unterholz.

An diesem Tag hatte die Gruppe Rückenwind und so "wurden die etwa 50 Kilometer bis in die Lutherstadt Wittenberg mit einem rekordverdächtigen Durchschnittstempo von über 23 Stundenkilometern zurückgelegt". Von dort ging es weiter bis Rabenstein, wo sie ihr nächstes Nachtlager aufschlugen.

Ab Rabenstein

Kurz nach Mitternacht setzte Regen ein, der bis zum nächsten Mittag anhielt. Große Freude für die Radfahrer: "Der Radweg war immer noch herrlich zu fahren. Interessant war vor allem, dass oftmals der Autoweg deutlich schlechtere Qualität aufwies als der Radweg." Langsam lichtete sich der Wald und die Gruppe erreichte Potsdam. "Dort radelten wir an beeindruckenden Schlössern vorbei und rasteten in einem großen Park". Abend radelten die drei "noch etwas aus der Stadt heraus und schliefen neben einem Teich in einem lichten Wäldchen".

Ab Potsdam

Nur eine kurze Etappe war es für die Freunde nach Berlin, "wo wir den Nachmittag nutzen wollten, um das technische Museum zu besichtigen". Zuvor quartierten sie sich bei Maura ein, die sie schon in Dresden bei ihrer Familie besucht hatten und die in Berlin studiert.

Nach gut 30 Kilometern entlang des Mauerwegs war die Gruppe am Ziel. Im Museum starteten sie "im alten Lokschuppen und arbeiteten uns durch die Boots- und Schiffsabteilung bis zu den mehr oder weniger flugfähigen Objekten vor. Besonders unterhaltsam war eine Bildersammlung an ersten Flugzeug-Prototypen, die alle mehr oder weniger flogen". Anschließend spazierten sie durch Kreuzberg in Richtung Görlitzer Park und abschließend in eine Kneipe: "Wir ließen den Tag mit einigen Runden Skat und Bieren ausklingen". Am nächsten Morgen gab es "eine ernüchterte Planungssitzung, denn nach einem Telefonat mit dem russischen Konsulat bewahrheiteten sich unsere Befürchtungen, dass wir nicht nach Russland einreisen können". Die Pläne, bis St. Petersburg zu radeln, waren damit hinfällig. Deshalb änderten sie den Plan: "Wir werden Kaliningrad auf dem Landweg südlich umfahren und unsere Reise in Tallin beenden. Wenn noch Zeit ist, wollen wir mit der Fähre nach Helsinki übersetzen."

Während ihrer Radreise durch Europa sammeln die Freunde Spenden für zwei Projekte: die Deutsche Krebshilfe und "Zukunft für Ugandas Kinder".

Jared Faißt wurde übrigens von seiner Schwester auf die Stadtradel-Aktion aufmerksam gemacht, an der sich die Gemeinde Aichhalden ebenfalls beteiligt hat (wir berichteten). Daraufhin hatte auch Faißt sich registiert und ordentlich Kilometer aufs Gemeindekonto erstrampelt. Noch bis Sonntag, 25. Juli, können dort Kilometer nachgetragen werden, die im Aktionszeitraum von 28. Juni bis 18. Juli, mit dem Rad zurückgelegt wurden.

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