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Aichhalden Was habt ihr alle gemeinsam? – Eier!

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Dem Rote-Beete-Tatar mit dem pochierten Ei wird noch der Feinschliff verliehen. Foto: Schwarzwälder Bote

Männer und Kochen? Geht das, ohne ein Schlachtfeld zu hinterlassen? Oder ist das ein Klischee, wie dass die Frau hinter den Herd gehört? Und was passiert, wenn eine Frau mit zwölf Männern zusammen kocht? Da wirkt das Coronavirus ja ungefährlich dagegen.

Aichhalden. Elf Männer, ein Profikoch und ich: zum zweiten Mal veranstalten die Ortsbauern aus Aichhalden einen Männerkochkurs mit Eventkoch Christian Nast. Es ist eine bunt gemischte Runde, die sich in der Schulküche der Grund- und Hauptschule mit Werkrealschule in Aichhalden trifft, um ein Drei-Gänge- Menü zu kochen.­ Und das klingt verführerisch gut: Zur Vorspeise gibt es ein Rote-Beete-Tatar auf Salat mit einem pochierten Ei. Es folgt der Hauptgang mit selbst gemachten Tagliatelle und Schweinebraten mit Soße. Als Dessert gibt es Rotweinbirnen mit Beeren und Karamell.

Ein gutes Messer ist alles

Die Zutaten liegen für die Männer bereit, lediglich die Soße für den Schweinebraten sowie die Soße für das Dessert hat Nast schon bei sich Zuhause vorbereitet und mitgebracht. "Das würde den zeitlichen Rahmen sprengen", erklärt er. "Die Bratensoße braucht etwa zwei Tage." Aber auch zum Zubereiten der Speisen hat der Eventkoch etwas mitgebracht: "Ihr dürft euch an meinen scharfen Messern bedienen, aber Vorsicht, die sind nicht so stumpf wie die Schulmesser hier." Ein gutes Messer sei besonders wichtig in einer Küche, aber man müsse es auch richtig benutzen: "Wenn ihr das Gemüse schneidet, passt auf eure Finger auf, winkelt sie an. Dann fehlt euch später auch nichts."

Und was ist das Ziel des Kurses? "Spaß, etwas Neues lernen, Bier, Wein und natürlich ein gutes selbstzubereitetes Essen", erklären mir die Männer. Manche von ihnen lassen sich normalerweise von ihren Ehefrauen bekochen, andere kochen auch mal eigenständig. Und was habt ihr alle gemeinsam? "Eier", sagt Profikoch Christian Nast. "Die gehen uns heute definitiv nicht aus."

Sekinger sorgt für Wirbel

Das richtige Stichwort, um das pochierte Ei für die Vorspeise vorzubereiten. Nast gibt Salz und Weißweinessig in einen Topf mit siedendem Wasser: ­ "Jetzt rührt man mit einem Schneebesen so schnell, bis sich ein Strudel bildet." Werner Sekinger und ich teilen uns die Arbeit – er sorgt für den Wirbel, während ich ein Ei mit einer Hand aufschlage und es in einen Schöpflöffel gebe. Sobald genug Schwung im Topf ist, gibt Nast das Stichwort: "Jetzt rein damit. Aber vorsichtig." Als hätten die Männer zum ersten Mal ein Einhorn gesehen, stehen sie alle um den Topf herum: "Wow", sagt Lothar Flaig. Wir konnten beobachten, wie sich das Eiweiß um das Eigelb wickelt. "Das Innere bleibt flüssig, wenn ihr alles richtig macht", sagt der 35-jährige Profikoch und schmunzelt. "Etwa vier Minuten muss es kochen, damit das Eigelb nicht hart wird."

Multitasking und Männer?

Der Chef im Ring kann das natürlich alles gleichzeitig, lobt uns aber trotzdem: "Fürs erste Mal nicht übel." Er dreht sich zum Topf der zweiten Gruppe um, die wie wir auch sechs Eier vorbereiten sollen und fragt: "Oje, was ist denn hier passiert? Gut dass wir sie später noch frittieren." Einige der Eier sahen nicht so perfekt aus wie das Beispielstück des Eventkochs.­ "Der Wille zählt. Und was zum Lachen haben wir auch."

Multitasking können nur Frauen? Stimmt nicht. Zumindest beim Kochen.­ Einige Männer schnippeln, während die anderen sich mit den Eiern vergnügen, fleißig das Gemüse und Obst. Die anderen waschen den Salat und machen das Senf-Honig-Dressing an. Der 18-jährige Jungspund unter den Männern, Andreas Kunz, wäscht währendessen schon mal das dreckige Geschirr ab und Hermann Roth bereitet den Nudelteig vor.­

Aber was wäre ein Männerkochkurs ohne Fleisch? Vegetarier oder gar Veganer sind die Ortsbauern eher nicht. Lothar Flaig ist bereits im Element und brät den Schweinebraten in Olivenöl scharf an.­ Dieser kommt dann auf ein Backblech mit Gemüse und wird mit Salz und Pfeffer gewürzt. "Boah, ist das eine Sauerei", schimpft Flaig, der von Hand den Schweinebraten mit Senf einreibt. Jetzt geht’s für den Schweinebraten für eine gute Stunde in den Ofen – abgedeckt mit Alufolie.­

Das Beste kommt zum Schluss? Ja, aber solange der Schweinebraten gart, wird schon Mal das Dessert vorbereitet. Die Männer haben bereits fleißig die Birnen geschält und geviertelt, zudem haben sie Wasser mit Zucker aufgekocht. "Jetzt gebt ihr die Birnen, Zimtblüten und Wein dazu", erklärt Nast. "Es muss nur leicht köcheln und zieht schön ein." Den übrigen Wein vernichteten die Männer selbstverständlich.­

Andreas Kunz und Rainer Kopp bringen die Nudelmaschine in Gang. "Wir machen die ganz klar selbst", tadelt Nast. "Es ist so einfach, man kann kleine Nester daraus machen und sie einfrieren. Später auftauen, ab in den Topf und fertig." Kaum einer mache sich mehr den Aufwand, meint der Eventkoch.­ Der Teig wird solange durch die Maschine gedreht, bis er hauchdünn ist. Dann werden sie in die gewünschte Form – Tagliatelle – ebenfalls durch die Maschine, gebracht. "Mehl ist der Schlüssel, damit sie nicht aneinander kleben", betont Christian Nast.

Schmeckt wie’s aussieht

­Das Fleisch wird kurz vor Schluss aus dem Blech genommen und kommt auf einem extra Blech ohne alles noch mal in den Ofen. "Der Fleischsaft ist herrlich, der kommt jetzt in unsere Bratensoße", sagt der Eventkoch­. Das Gemüse ist Abfall, erklärt Nast, es sei nur für den Geschmack. Den Abfall nutzen die Männer, und besonders ich, um unseren Hunger auf das Mahl etwas zu stillen.­

Kurz vor dem Verspeisen des ersten Gangs kommen wir noch mal auf die Eier zurück: "Wir nehmen chinesisches Paniermehl und tunken die Eier ein", erklärt Nast.­ "Jetzt kommt es in einen Topf mit heißen Öl, und muss kurz frittiert werden." Währendessen servieren die Männer den Salat auf Tellern. Der Eventkoch nimmt eine Tasse, füllt es mit Rote-Beete-Tatar, dreht sie auf dem Salat um und Tada: ein kleines schickes Türmchen.­ Darauf legen die Männer nun das Ei, und fertig ist die Vorspeise. Sie schmeckt wie sie aussieht: köstlich.

Aufräumen gehört dazu

­Aber leider gehört zu jedem Kochen wieder das Aufräumen. Weshalb nach dem ersten Gang erstmal abgespült, abgetrocknet und das Geschirr wieder ordentlich aufgeräumt werden muss.

Danach geht es Schlag auf Schlag: die Nudeln werden von Nast in kochendem Salzwasser gegart. "Ein letzter Tipp von mir: ›Die Nudeln nicht kalt abschrecken‹", erklärt er. "Lieber etwas Butter darüber, damit sie nicht kleben und einen Moment lang warten."­ Des Schweinebratens Zeit ist ebenfalls gekommen, und ich darf den Anschnitt machen.­ Serviert auf den Tischen, freut sich jeder Mann und Frau über das Essen mit gefräßiger Stille.

Zum Abschluss folgte nochmals eine Aufräumaktion sowie der Genuss der Rotweinbirne.­ Die Männer, der Profikoch und ich waren uns einig, dass es Wiederholungsbedarf gibt, und Frauen mit Männern in der Küche durchaus gut harmonieren können.­

Ihre Redaktion vor Ort Schramberg

Stephan Wegner

Fax: 07422 9493-18

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