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Aichhalden Jonas Fuß besteigt höchsten Berg Irans

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Geschafft: Oben posieren die beiden für die Kamera. Foto: Fuß

Aichhalden-Rötenberg - "Der Aufstieg war anstrengend. Ich war mir nicht sicher, ob ich es schaffen werde." Der Rötenberger Jonas Fuß hat eine Leidenschaft: Klettersteigen.

Regelmäßig erklimmt Jonas Fuß mit seinem Freund und Kollegen Sebastian Kaufmann auf die verschiedensten Berge. Angefangen habe alles mit dem Feldberg, erinnert er sich. Ab diesem Zeitpunkt waren beide dem Hobby verfallen. Unter anderem bezwangen sie den Mont Blanc in Frankreich.

Doch auch die etwa 4800 Höhenmeter des höchsten Bergs der Alpen verblassen verglichen mit dem Damavand. Das ist der höchste Berg im Iran. Mit seinen 5610 Metern Höhe übertrifft der Berg die bisherigen Touren des Rötenbergers um ein Vielfaches. "Wir waren beide noch nie so weit oben", sagt Fuß.

Bevor die Reise jedoch beginnen konnte, mussten Fuß und Kaufmann die Tour und Anreise in den Iran planen. "Transport und Übernachtungen kann man dort kaum im Voraus buchen. Das mussten wir alles spontan erledigen", erklärt Fuß. Eine Herausforderung in einem Land, in dem die englische Sprache nicht weit verbreitet ist. Nach der Ankunft auf dem Flughafen in Teheran, der ein Stück außerhalb der Stadt liegt, wechselten die beiden Geld. "Es ist brutal wie günstig dort alles ist. Für den Transfer vom Flughafen in die Stadt haben wir umgerechnet 20 Cent bezahlt", meint Fuß. Mit knapp 36 Millionen iranischen Rial – etwa 1000 Euro – in der Tasche begann die dortige Reise. "Das war schon ein mulmiges Gefühl mit so viel Geld in der Tasche herumzulaufen", gesteht Fuß.

Sich selbst ein Bild machen

Gerade im Bezug auf das Bild, das die Medien vom Iran zeichnen, seien viele ihrer Bekannten und Freunde skeptisch gewesen. "Genau deswegen wollten wir aber auch hin. Um selbst zu sehen, wie es dort ist und um das Land kennenzulernen." In Teheran angekommen, seien die beiden positiv überrascht worden. Die Einheimischen hätten sie oft angesprochen und ihnen Hilfe angeboten. Fuß sagt, er habe sich noch nie so wohlgefühlt wie in Teheran. Die Stadt und die Menschen dort seien offen und freundlich.

Am zweiten Tag im Land ging es schon hinauf. Jedoch noch nicht auf den Damavand. Bevor eine solche Höhe erklommen werden könne, müsse man sich akklimatisieren, so Fuß. Dabei begebe sich der Kletterer nach und nach immer weiter nach oben, um den Körper an die Belastung zu gewöhnen. Je höher der Berg, desto weniger Sauerstoff ist vorhanden. Das beeinträchtigt nicht nur die Atmung, sondern auch die Leistungsfähigkeit des Körpers.

Deswegen entschieden sich die beiden Freunde, zunächst den Hausberg Teherans, den Mount Tochal, zu erklimmen. Mit 3964 Metern Höhe sei dieser auch nicht zu unterschätzen, so Fuß. Da die beiden bereits auf dem Mont Blanc Erfahrungen in größerer Höhe sammeln konnten, gelang ihnen der Aufstieg ohne Probleme. Dabei übernachteten sie einmal im Basislager auf etwa 1000 Höhenmetern. Am nächsten Tag ging es hinauf zum Gipfel. Wichtig sei, sich beim Aufstieg Zeit zu lassen und viel zu trinken, sagt Fuß. Außerdem sollte davon abgesehen werden, oben auf dem Berg zu schlafen. Man sollte immer zuerst wieder hinabsteigen und sich unten ausruhen, wo es mehr Sauerstoff für den Körper gebe, so Fuß.

Nach dem Abstieg vom Hausberg waren die beiden mit der größten Herausforderung ihrer Reise konfrontiert: einen Schlafplatz zu finden. Weil sie vorab keine Hotels buchen konnten, ließen sich die beiden günstig von einem Taxi durch die Stadt fahren – von Hotel zu Hotel. "Es war aber alles ausgebucht oder unbezahlbar in Luxushotels", erinnert sich Fuß. Die Bemühungen der deutschen Bergsteiger fielen dem Taxifahrer auf. Dieser rief kurzerhand eine Freundin an, die eine Zeit lang in der Schweiz studiert hatte und etwas Deutsch sprach. So wurden sie zu den beiden eingeladen. "Am Anfang waren da schon Zweifel da", gibt Fuß zu. In der Wohnung seien sie aber gut versorgt worden und willkommen gewesen.

Am nächsten Tag konnten Fuß und Kaufmann von den Sprachkenntnissen der Freundin profitieren. Sie bestellte nicht nur das Taxi zum Damavand, sondern erläuterte dem iranischen Fahrer auch genau, wo die beiden hin wollen. Knapp 80 Kilometer mussten sie fahren, bevor sie am Fuß des Damavands ankamen.

Der lange Weg hinauf

Dann war es soweit: Der Aufstieg begann. "Ein Bus brachte uns in das erste Lager", erzählt Fuß. Von dort aus ging es hinauf zum zweiten Lager auf 4300 Metern Höhe. Bis dorthin hätten sich die beiden noch wohlgefühlt, meint Fuß. Nach einer Nacht, in der er kaum Schlaf finden konnte, brachen die beiden vom zweiten Lager auf, den Gipfel des Damavands endgültig zu erklimmen. "So hoch bin ich noch nie aufgestiegen", sagt der Rötenberger.

Um den Körper in dieser Höhe nicht zu überlasten, wegen der immer schlechter werdenden Pfade und aufgrund der Anstrengung gehe man langsam. "Ich bin noch nie in meinem Leben so langsam gelaufen", scherzt Fuß. Alle 100 Höhenmeter hielten die beiden an, um etwas zu trinken und sich auszuruhen.

Auf etwa 5000 Metern Höhe seien sie an einen Eiswasserfall gekommen, berichtet Fuß. "Der ist das ganze Jahr über gefroren. Bergsteiger nutzen diesen Punkt, um ihre Verfassung zu überprüfen und zu entscheiden, ob es weiter gehen kann." Es ging weiter. Ab dieser Marke wurde es jedoch beschwerlich, so Fuß.

Es sei schwer gewesen, eine Balance zwischen Vernunft und Ehrgeiz zu finden, meint Fuß. Die Anstrengungen seien spürbar gewesen. "Von einer Sekunde auf die nächste habe ich dann starkes Nasenbluten bekommen", berichtet der Kletterer. "Ich habe mich gefragt, ob ich es schaffen kann. Der Gipfel war da noch 200 Höhenmeter entfernt." Er habe sich ein Taschentuch in die Nase gesteckt und sei weiter aufgestiegen, gesteht Fuß.

Um 11.30 Uhr Ortszeit war es geschafft. Die beiden Wanderer standen auf 5610 Metern Höhe und überblickten das Land. "Länger als zehn Minuten konnten wir aber nicht oben bleiben. Da sind es Minus 17 Grad bei starkem Wind", meint Fuß. Fuß und Kaufmann seien extrem erleichtert und froh gewesen, es geschafft zu haben. So gelang der Abstieg ohne Probleme. Nach dem Erfolg gönnten die beiden sich noch einige Tage in Teheran, bevor sie die Heimreise in den Schwarzwald antraten.

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