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Aichhalden Gelder für Probebohrungen bewilligt

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Die Gemeinde kann beim alternativen Energiekonzept "Kalte Nahwärme" für das Baugebiet Günthershöhe III den nächsten Schritt gehen. Mehrheitlich hat der Gemeinderat seine Zustimmung gegeben, für Probebohrungen 20 000 Euro bereitzustellen.

Aichhalden. Nach Auskunft von Bürgermeister Michael Lehrer sind der Klimawandel und die Reduzierung des CO2-Ausstoßes große Herausforderungen dieses Jahrhunderts. Der Immobiliensektor nehme dabei eine Schlüsselrolle ein. Bei Neuerschließungen von Wohngebieten sehe er die Kommunen in der Pflicht, sich Gedanken über die Wärmeversorgung zu machen.

Anfang des Jahres sei dem Rat deshalb ein Energiekonzept der kalten Nahwärme für die 2020 beabsichtigte Erschließung des Baugebiets Günthershöhe III vorgestellt worden. Obwohl ein solches System in Baden-Württemberg noch nicht in Betrieb sei, sei die Verwaltung von dem Konzept der 100-prozentigen ENBW-Tochter Energiedienst AG überzeugt, bekräftigte er.

Es seien bereits Kontakte zum Umweltministerium geknüpft worden, um eine Förderung des Projekts zu ermöglichen. Für das weitere Vorgehen brauche es jetzt eine Zusage des Gemeinderats für Probebohrungen, so Lehrer. Hierfür müssten 20 000 Euro außerplanmäßig zur Verfügung gestellt werden. Damit werde Aichhalden die Welt nicht retten. Es bestehe aber die große Chance, dass das Vorhaben zu einem Leuchtturmprojekt für andere Kommunen werden könne. Die künftigen Hauseigentümer erhielten eine innovative Heizform, die das Gebäude ohne weiteren Aufwand mit Wärme versorge, schilderte Lehrer.

Laut Energie-Ingenieur Stefan Schlachter werde das Kühlen von Gebäuden im Sommer zunehmend ein Thema. Bei der kalten Nahwärme sei Heizen und Kühlen durch die Erdwärmenutzung mittels Wärmepumpe möglich. Für den Anschluss an das Nahwärmenetz entstünden Kosten per Umlageverfahren von circa 25 Euro pro Quadratmeter Bauplatz. Der Preis der Wärmekosten pro Jahr läge bei knapp 2000 Euro einschließlich der Lieferung der Wärmepumpe. Es bestehe ein Anschluss- und Benutzungszwang.

Gemäß geologischer Karten besitze Aichhalden eine gute Effizienz der Erdwärmenutzung. Die Probebohrungen führten in eine Tiefe von 100 bis 150 Meter. Die Sonden würden im Straßenbau installiert, dies müsse der Erschließungsplaner berücksichtigen. Für die Hauseigentümer könne der gleiche Graben wie für Wasser und Strom genutzt werden. Der Betrieb der Wärmepumpe sei mit eigener Fotovoltaik-Anlage möglich, so Schlachter.

Während Ratsmitglied Jochen Schmid von einem zukunftsweisenden Projekt sprach, wollte Thomas Engelhardt wissen, wie stabil der Grundpreis bei 50-prozentiger Anschlussquote sei. Außerdem missfiel Engelhardt die Abhängigkeit, wodurch der Betreiber die Preise nach Belieben erhöhen könne. Ähnlich skeptisch äußerte sich Uwe Scheerer. Für die Nutzer bestehe die Ungewissheit, wie sich der Preis künftig entwickle. Den Zwang, die Heizung einzubauen, sehe er bei Baukosten eines Hauses von rund einer halben Million Euro kritisch.

Rat Bernd Wilhelm dachte an die kalte Jahreszeit und wollte wissen, welcher Handwerker komme, wenn an Weihnachten die Wohnung kalt sei. Unter 70 Prozent komme das Projekt nicht zum Tragen, räumte Schlachter ein. Es bestehe die Möglichkeit, Verträge über zehn Jahre abzuschließen. Die Lohnkosten aber stiegen. Die Pacht bestehe aus einem fixen Sockelbetrag, die Instandhaltung werde in der Kalkulation berücksichtigt. Die Preise würden bei einer Ausschreibung festgelegt. Das System funktioniere wie eine Wasserversorgung mit einem Leckwarnsystem. Man sei nie ganz gefeit, einmal 1,70 Meter tief aufzugraben. Hierfür habe der Betreiber vertragliche Handwerkspartner aus der Region, erläuterte der Energie-Experte.

Wie Lehrer ergänzte, neige er dazu, dass die Gemeinde das Netz baue und an einen Betreiber verpachte. Das müsse in einem nächsten Schritt ausgelotet werden und hänge von der Förderung ab.

Mit zwei Gegenstimmen befürwortete das Ratsgremium, das Konzept einer kalten Nahwärme für das Baugebiet weiterzuverfolgen und die Mittel für Probebohrungen außerplanmäßig zur Verfügung zu stellen.

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