Pfarrer Markus Fellmeth (links) und Karl Gaiser bei der Übergabe der ersten Bücher an die Verbundkirchengemeinde Mitteltal-Obertal, die bei der Ahnenforschung hilfreich sind. Foto: Gaiser

Karl Gaiser hat die alten Kirchenbücher in Mitteltal neu aufgelegt. Sie bieten vielerlei Interessantes zur Geschichte von Baiersbronn.

Da die alten Dokumente der Kirchen mit der Zeit kaum noch leserlich sind, hat Karl Gaiser aus Obertal „in weit mehr als 1000 Stunden“, wie er berichtet, die ersten Kirchenbücher aus Mitteltal – Band I, II und III – entziffert, alphabetisch aufgelistet und digitalisiert. Diese sind jetzt als zwei Bücher – A bis G und H bis Z – mit zusammen 1440 Seiten zusammengefasst und vorerst nur direkt bei ihm erhältlich.

 

Beim Durchblättern dieser beiden Bände stößt man auf Interessantes, wie Gaiser weiter mitteilt. Der häufigste Beruf in Mitteltal und Obertal war demnach Holzhauer, in Buhlbach Glasmacher. Kinderreichtum war einst an der Tagesordnung. So hatte beispielsweise ein Johann Friedrich Bischoff 20 Kinder mit einer Ehefrau, ein anderer 24 Kinder in zwei Ehen.

Kurios, so Gaiser weiter, sei der kürzeste Abstand zwischen zwei Geburten von gerade einmal neun Monaten und sechs Tagen. Der Glasmacher Matthäus Günter aus Buhlbach habe dies sogar in gerade mal nur knapp sieben Monaten zuwegegebracht. Allerdings sei dieses notgetaufte Kind gleich nach der Geburt gestorben.

Ergänzungsband für uneheliche Kinder

In beinahe jeder zweiten Ehe gab es laut Gaiser voreheliche Kinder, deren Vater oft unbekannt und nicht immer der nachfolgende Ehemann war. Anfang des 19. Jahrhunderts erreichte dies ein Ausmaß, dass sogar ein Ergänzungsband für uneheliche Kinder zusätzlich angelegt werden musste. Die höchste Zahl unehelicher Kinder bei einer Frau waren acht. Diese „Tradition“ wurde dann oft von den Töchtern fortgesetzt, so dass es in einer Familie einmal mehr uneheliche Enkel als Kinder gab.

Aber auch über Schicksalsschläge wird berichtet. Es sei erschreckend, so Gaiser, wie viele Söhne ihr Leben „fürs Vaterland“ gelassen haben. Über zahlreiche Selbstmorde aus finanziellen Nöten, aus „Liebeskummer“, „durch Erschießen“ oder „durch Erhängen im Ortsarrest von Baiersbronn, wo er wegen Brandstiftungsverdacht interniert war“ wird berichtet. Ein Mann war „wegen sittlicher Verfehlungen verhaftet und erhängte sich nach seiner Entlassung, nachdem er sich einen Rausch angetrunken hatte“.

Die Kindersterblichkeit war früher sehr hoch, so dass oft nicht einmal die Hälfte der Kinder das Erwachsenenalter erreichte. Eine Familie hatte neun Kinder, von denen acht früh gestorben sind, und das neunte, der einzig überlebende Sohn, ist im Krieg gefallen.