Stefan Teufel (von links), Peter Hauk, Marie-Lena Weiss, Harry Wirth, Daniel Karrais Mark Prielipp, Uwe Mei, Heiko Hildebrandt und Andreas Roth von der CAV Partners AG eröffnen am Donnerstag den Agri-Solarpark Epfendorf. Foto: Schnekenburger

„Ein großer Tag für die ganze Region“: Umdenken bringt die Energiewende in Schwung und moderne Technologie empfiehlt Solarernte auch für Landwirte im Nebenerwerb.

Harry Wirth stellt eine Zahl in den Raum. Ob sie für diese Anlage exakt stimmt, ist zweitrangig, wahrscheinlich ist sie sogar zu niedrig.

 

Wichtiger ist die Perspektive, die dahinter steht: Der Bereichsleiter Strom des Fraunhofer-Instituts für Solare Energiesysteme – kurz „Fraunhofer-ISE“ – spricht von einer „Flächenertragseffizienz von 180 Prozent“.

Flächen lassen sich doppelt nutzen

Mehr als 100 Prozent also, und das könnte Fragen aufwerfen, wären die Teilnehmer des Festakts zu diesem Zeitpunkt nicht schon hinlänglich informiert: Was da an Fotovoltaik-Elementen vertikal in langen Linien in Nord-Süd-Richtung installiert ist, kann jede Menge Strom liefern. Von einem Jahresenergieertrag von 4000 Megawattstunden geht „Next2Sun“ aus, die die Anlage projektiert und auf zehn Hektar Grünland erstellt haben haben. Das entspreche dem Bedarf von etwa 1200 Haushalten. Gleichzeitig wird aber weit weniger als zehn Prozent der Fläche angetastet.

Mechanisierte Grünlandernte zwischen Fotovoltaik. Foto: Schnekenburger

Das heißt: Fast die ganze Wiese bleibt Wiese und kann entsprechen bewirtschaftet werden, wie eine kleine Vorführung zeigt. Für die Landwirtschaft bedeutet das die gewohnte Nutzung als Grünland mit volatilem Ertrag plus die Einnahmen aus der Stromerzeugung als relativ sicher zu kalkulierende Einnahme. So kommt man in Epfendorf auf diese so formulierten 180 Prozent.

Umdenken ist für die Energiewende notwendig

Es ist dieses Denken, das auch die Energiewende aber erst erreichbar macht – zusammen mit noch ein paar Bausteinen wie dem Kostensturz der Fotovoltaik-Elemente seit 1981 der Aufsatz „Kartoffeln unter dem Kollektor“ die „Agri-Fotovoltaik“ aus der Taufe hob. Und dann ist da die technische Lösung mit bifacialen Elementen, die nach Osten und Westen ausgerichtet und vertikal installiert sind, also bei flacher einstrahlendem Licht ihre höchste Effizienz haben. Warum das gut ist, erklärt Heiko Hildebrandt, Vorstand von „Next2Sun“.

Während konventionelle Anlagen die bekannte Spitze am frühen Nachmittag liefern, und damit auch den Strompreis ein bisschen zerschießen, spielt die Epfendorfer Anlage am frühen Morgen und am Spätnachmittag ihre Stärken aus. Dort kann man nicht nur Geld mit Strom verdienen, die Verteilung führt auch dazu, dass aktuell erzeugter Solarstrom länger über den Tag verteilt verfügbar ist.

Verstetigung der Versorgung mit solarer Energie

In Epfendorf sorgt zudem ein Batteriespeicher dafür, dass Energie, die zum Beispiel am Donnerstag, als bei schönem Sommersonnenwetter die Festgemeinschaft in der Anlage stand und die Anlage mit 20 Prozent der Kapazität Energie erzeugte, gepuffert und später abgegeben kann. Die Ernte von etwa zwei Stunden könne gespeichert werden und wird später etwa zwei Stunden lang ins Netz gespeist. Dann ist Nacht und idealerweise übernimmt auffrischender Wind irgendwo die Stromlieferung.

Landwirtschaftsminister Peter Hauk (Mitte) wirbt für die neue Technik als Ertragssäule für landwirtschaftliche Betriebe. Foto: Schnekenburger

Landwirtschaftsminister Peter Hauk, eigens für die Eröffnung nach Epfendorf gereist, betont den Wert solcher Anlagen für Landwirte auch im Nebenerwerb als eine verlässliche Säule im betriebswirtschaftlichen Konzept und würdigt, dass die Energievergütung für Agri-PV-Anlagen erhöht und Planungsvoraussetzungen heruntergeschraubt worden sind.

Für die offiziellen Vertreter (hier Bürgermeister Mark Prielipp, links) hat Sascha Krause-Tuenker aus dem „Next2Sun“-Vorstand eine Flasche Kürbiskernöl – aus einer Agri-PV-Anlage in der Steiermark. Foto: Schnekenburger

Mark Prielipp skizziert den Weg zur Anlage, bei dem „Next2Sun“ die Gemeinde nicht nur finanziell entlastete. Mit der Anlage „setzen wir ein weiteres Zeichen für eine zukunftsorientierte Energiepolitik und eine nachhaltige Landwirtschaft“, erklärt der Bürgermeister und skizziert die Agri-PV-Installation als einen wichtigen Baustein neben anderen, zu denen auch Windenergie zum Beispiel im Harzwald und Wasserkraft gehören.

Kein Konflikt mit dem Naturschutz

Uwe Mei beleuchtet das Projekt als Vertreter der politischen Gemeinde, der die Kooperation mit dem Projektentwickler als „offen und toll“ beschrieb, vor allem aber als Naturschützer, der mit der Frage konfrontiert ist, ob so eine Anlage – direkt ans Naturschutzgebiet Schlichemklamm anschließend – geht: „Man kann es als Musterbeispiel betrachten.“

Die CDU-Bundestagsabgeordnete Marie-Lena Weiss weist den Blick auf den Umstand, dass Epfendorf Pionierin in großem Umfeld sei. Der Landtagsabgeordnete Stefan Teufel (CDU) ordnet die Inbetriebnahme der Anlage als „großen Tag auch für die Region Schwarzwald-Baar-Heuberg“ ein. Für seinen FDP-Kollegen Daniel Karrais ist der Termin doppeltes „Heimspiel“: In Epfendorf aufgewachsen weist der Vorsitzende des Ausschusses für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft auf die Notwendigkeit von Netzausbau und Energiespeicher hin.