Photovoltaik-Projekte sorgen in St. Georgen immer wieder für Spannungen. Bei einem Projekt in Brigach gab es nun schnell grünes Licht für weitere Schritte. Was ist anders?
Etwa 0,8 Hektar groß, maximal 4,5 Meter hoch und eine Gesamtleistung von 900 Kilowatt Peak – das sind die Rahmendaten zu der Agri-Photovoltaik-Anlage (Agri-PV-Anlage), die auf Brigacher Gemarkung geplant ist. Die Umsetzung der Pläne rückt nun in greifbare Nähe – in seiner Oktober-Sitzung gab der Technische Ausschuss sein einstimmiges Einvernehmen zum Bauantrag.
Damit geht es bei dem Vorhaben deutlich problemloser voran als bei anderen geplanten großflächigen PV-Anlagen auf dem Gebiet der Stadt. Erst im August wurden in einer Sitzung des Ortschaftsrats Stockburg, als es um eine geplante PV-Anlage nahe der Schwarzwaldbahn-Strecke ging, massive Bedenken laut – deutliche Auswirkungen auf das Landschaftsbild an einer weithin einsehbaren Stelle befürchtete man in Stockburg.
Die Abwägung zwischen Landschaftsbild und Nutzen einer PV-Anlage ist in St. Georgen bereits einem Vorhaben zum Verhängnis geworden: Einem Energiepark auf Langenschiltacher Gemarkung erteilte der Gemeinderat im Januar eine Absage – nachdem das Projekt im Vorfeld für Debatten gesorgt hatte.
Auch eine PV-Anlage an der Bundesstraße 33 auf Peterzeller Gemarkung sorgte im Juli für Diskussionen im Technischen Ausschuss. Obwohl es sich um ein privilegiertes Vorhaben handelt, wurde das Landschaftsbild als Gegenargument ins Feld geführt.
Anders gelagerter Fall
Ganz anders nun der Tenor zum Vorhaben in Brigach – dass das für Fragen sorgen könnte, hatte Bürgermeister Michael Rieger wohl schon erwartet. Er nahm den Einwurf in der Sitzung des Technischen Ausschusses gleich vorneweg: „Wieso schlagen wir hier das Einvernehmen vor und in einem anderen Fall nicht?“, fragte er rhetorisch. Die Antwort: Es handele sich schlicht um einen anders gelagerten Fall, befand der Bürgermeister.
Zum einen könne die Anlage in unmittelbarer Nähe der Hofstelle dem landwirtschaftlichen Betrieb zugerechnet werden. Damit sei das Vorhaben ohnehin privilegiert. Zudem sei hier keine bloße Freiflächen-PV-Anlage geplant – vielmehr soll die Fläche unter den Modulen weiterhin bewirtschaftet werden. Um dies zu gewährleisten werden die PV-Elemente in sieben Reihen montiert, die jeweils 18 Meter voneinander entfernt sind. „Da ist der Konflikt mit der Landwirtschaft nur halb so groß“, fand Hartmut Breithaupt (Grüne Liste).
Vor-Ort-Termin gibt Räten Einblick in Auswirkung
Und das Landschaftsbild? Um die Auswirkungen der Anlage auf dieses zu beurteilen, hatten sich der Technische Ausschuss und der Ortschaftsrat Brigach bereits im Juli des vergangenen Jahres vor Ort getroffen, sich die Lage angesehen – und einstimmig das Einvernehmen zur Bauvoranfrage gegeben. Auch dass die geplante Anlage in ein Landschaftsschutzgebiet hineinragt, bringt das Vorhaben nicht ins Wanken.
Sensibles Gebiet, aber kaum einsehbar
Zwar sei das Gebiet nahe der Brigachquelle sensibel, sagte Georg Wentz, Brigachs Ortsvorsteher, in der Sitzung des Technischen Ausschusses. Doch der Ortschaftsrat habe sich einstimmig dafür ausgesprochen. Aus seiner Sicht sei klar – und das habe er auch in der Vergangenheit so gesagt: „Jeder Fall muss einzeln behandelt werden.“
Und im vorliegenden Fall seien die Auswirkungen auf das Landschaftsbild eben überschaubar: Wenn man auf der nahe gelegenen Landesstraße unterwegs sei, sei die Fläche nicht wirklich im Blickfeld. Wenn man aus Richtung St. Georgen komme, sehe man die Anlage fast gar nicht, aus Richtung Brigach sei die Fläche zwar einsehbar, die Anlage jedoch nicht störend, schilderte Wentz.