Viele Besucher kommen zum Agrartag 2024 in der Donaueschinger Donauhalle am vergangenen Wochenende. Foto: Lutz Rademacher

Agrardiesel ist in aller Munde. Viele Landwirte gehen ein um das andere Mal auf die Straße, um ihren Unmut zu bekunden. Daneben gibt es aber noch andere Themen für die Landwirte, die am Agrartag 2024 in der Donauhalle vertreten waren.

Fünf Landwirte erläuterten unserer Redaktion, was ihnen wirklich wichtig ist.

 

Hubert Ewald betreibt den Palmhof in Bräunlingen. „Was mich sehr belastet, ist die gesetzlich geforderte Stilllegung von vier Prozent der Ackerflächen, die nicht nötig wäre.“ Große Sorgen macht er sich um die Planungssicherheit. „Was sollen wir machen, wo sollen wir investieren?“, fragt er sich. „Auf was soll sich die nächste Generation einstellen?“ Es gebe viele junge Leute, die den Beruf toll finden. Das müsse man erhalten und pflegen.

Ein weiterer Punkt sei die Ansiedlung von Biber und Wolf ohne Maß. „Überall schreit man nach Fachkräften. Wir haben kaum Mangel. In der Politik sitzen zum Teil Leute mit einem abgebrochenen Studium, dagegen haben die Landwirte eine erstklassige Ausbildung. Bis zum Meister sind wir sechs Jahre auf der Schule. Und dann kommen Leute, die uns kontrollieren und alles besser wissen.“ Ein großes Ärgernis sei die Bürokratie.

Hubert Ewald, Landwirt vom Palmhof in Bräunlingen Foto: Lutz Rademacher

Daniel Kaltenbach betreibt einen Milchviehbetrieb mit Bullenmast, Ackerbau und Biogasanlage in Brigachtal. Für ihn ist das größte Problem die mangelnde Planungssicherheit für langfristige Investitionen.

So koste ein Stall, der früher mehrere hunderttausend Euro gekostet habe, heute mehrere Millionen. „Und was hat das für einen Sinn? Wir legen hier vier Prozent Fläche lahm und die Brasilianer holzen den Regenwald ab und beliefern uns dann. Das soll klimaneutral sein?“

Daniel Kaltenbach, Landwirt aus Brigachtal Foto: Lutz Rademacher

Auch die Bürokratie nehme zu. Neuerdings werde die Topographie der Felder aus der Luft überwacht, was teilweise zu falschen Ergebnissen führe. „Es kann sein, du hast eine topfebene Fläche, die du auf einmal nicht mehr pflügen darfst, weil sie als Hang registriert wird.“

Markus Keller, Landwirt aus Ofterdingen Foto: Lutz Rademacher

Markus Keller hat einen Milchviehbetrieb mit überwiegend Grünland in Opferdingen. Ihn beschäftigt, dass von Jüngeren die Nutztierhaltung schlechter dargestellt werde, als sie wirklich ist. Sie seien keine Kuscheltiere, aber Landwirte auch keine Tierquäler. „Wir brauchen die Nutztiere. Denn ohne sie würde das Nahrungsangebot auf unserem Planeten bei Weitem nicht ausreichen.“

Eine echtes Problem seien überzogene Vorschriften, die nicht praxisnah seien. So dürfe Gülle ab 2025 nur noch bodennah mit Schläuchen ausgebracht werden. Das Equipment sei extrem teuer und in Hanglagen nicht einsetzbar. Ein großes Ärgernis sei der Bürokratismus allgemein. Seit 2023 müsse zusätzlich eine „Stoffstrombilanz“ gemacht werden, in der aufgeführt wird, wie viel Nährstoffe in den Betrieb reinkommen und in Form von Milch oder Fleisch wieder verlassen.

Ein enormer Zeitaufwand für etwas, was in bisherigen Bilanzen schon enthalten gewesen sei.

Andreas Wolber, Landwirt und Unternehmer aus Löffingen Foto: Lutz Rademacher

Andreas Wolber aus Löffingen betreibt mit seinem Vater neben seinem Hof mit Legehennen- und Mastbullenhaltung eine Firma mit Mahlmischanlagen, die andere Höfe besucht und dort deren eigene Erzeugnisse zu hochwertigem regionalem Kraftfutter veredelt. Generell sei die deutsche Landwirtschaft stark benachteiligt. Das ließe sich nur ändern, „wenn Importe unsere Standards erfüllen oder mit Zoll belegt würden. Erst wenn wir unsere Grenzen schützen gegenüber fremden Waren und der Landwirt sein Geld mit seinen Produkten verdienen kann, kann man über Subventionen nachdenken.“

Philipp Hofacker, Landwirt vom Pauliwäldlehof in Bräunlingen Foto: Lutz Rademacher

Philipp Hofacker vom Pauliwäldlehof in Bräunlingen hat 66 Milchkühe und bearbeitet große Flächen. Er fordert einen generellen Bürokratieabbau. Er bemängelt, dass es keine Standards für Lebensmittel gebe, die eingeführt werden. „Wir haben hier die höchsten Standards im Umwelt- und Tierschutz.“ Bei Importen wisse niemand, was da war. „Es werden im pflanzlichen Bereich zum Teil Mittel eingesetzt, die bei uns zurecht verboten sind. Tierschutzauflagen sind nicht kontrollierbar.“ Viele Verbote seien nicht praxisnah.

Die Landwirtschaft sei der einzige Sektor, der die CO2-Ziele der Bundesregierung erfüllt habe. „Wir haben unsere Hausaufgaben gemacht.“ Jetzt müssten Ziele in Bereichen wie Verkehr oder Energie erreicht werden, bevor alles vermauschelt werde „und bei uns dann noch mehr CO2 eingespart werden muss.“ Und eines ist im wichtig: „Die Landwirtschaft ist die Mitte der Gesellschaft. Es stinkt uns zutiefst, wenn wir in die rechte Ecke geschoben werden oder uns Extremismus angedichtet wird.“

Der Agrartag

Die Veranstaltung
Der Agrartag fand erstmals 2017 statt. Er ist eine gemeinsame Veranstaltung des Maschinenrings Schwarzwald-Baar und des Badischen Landwirtschaftlichen Hauptverbands (BLHV) Bezirk Donaueschingen/Villingen. Er gilt als einer der wichtigsten Termine im Kalender der südbadischen Landwirtschaft. Der aktuelle Agrartag bot eine Maschinenausstellung und viele Messestände an. Zudem gab es ein breites Vortragsprogramm zu landwirtschaftlichen Themen.