Die Veranstalter des Agrartags in der Donauhalle in Donaueschingen freuen sich über einen Besucherrekord. Foto: Lutz Rademacher

Landwirte aus ganz Südbaden treffen sich zum Austausch. Kanzleramtsminister Thorsten Frei spricht über Regierungsarbeit. Er geht auf aktuelle Herausforderungen ein.

Da strahlte der Maschinenring-Vorsitzende und Mitveranstalter Rainer Hall: „Wir meinen immer: Mehr geht nicht mehr an Besuchern und Resonanz, doch dieses Jahr sind unsere Erwartungen erneut übertroffen worden“.

 

Gemeint war der Agrartag, an dem sich alljährlich Landwirte aus ganz Südbaden in den Donauhallen zum Austausch treffen. Und selbst diese geraten langsam an ihre Grenzen, zumindest, was die Parkplätze betrifft. Für das Vortragsprogramm konnte dieses Jahr Kanzleramtsminister Thorsten Frei als Gastredner gewonnen werden, der unter dem Motto „Bericht aus dem Kanzleramt – Regierungsarbeit hautnah“ für einen voll besetzten Mozartsaal sorgte. Ein sehr weit gefasstes Thema. Doch inwieweit geht er auf unsere Anliegen ein? Das mag sich so mancher der anwesenden Landwirte im Vorfeld gefragt haben.

Während der Begrüßungsworte von OB Erik Pauly warten die Gäste im fast komplett gefüllten Mozartsaal gespannt auf den Vortrag von Kanzleramtsminister Thorsten Frei. Foto: Lutz Rademacher

Nach der Begrüßung durch den BLHV-Kreisvorsitzenden Johannes Schwörer betonte Frei, der sich als Donaueschinger über eine Veranstaltung „in der eigenen Stadt“ freute, wie wichtig die Bedeutung der Landwirtschaft sei, wenngleich sie nur zwei Prozent unserer Volkswirtschaft ausmache, denn sie schaffe „Ernährungssicherheit für unser Land“.

Ernährung sichern

Gerade in einer komplizierter werdenden Welt müssten gesunde und regionale Lebensmittel dann zur Verfügung stehen, wenn man sie brauche. Er erinnerte daran, dass in der Ukraine nun schon seit vier Jahren ein Krieg mitten in Europa tobt. Der Frieden hierzulande seit 80 Jahren sei das Wichtigste, was zu verteidigen sei. Es gebe aber auch sehr viele Probleme in Deutschland, die Einfluss auf die Landwirtschaft haben, wie beispielsweise die hohen Energiepreise oder ein Steuersystem, das in den vergangenen Jahren zu wenig verändert worden sei.

Deutschland sei „besonders gut“ in Bürokratie und Regulierung. In der Landwirtschaft werde die Bürokratie auf die Spitze getrieben. Hieran arbeite man, das ginge aber nicht von heute auf morgen. Er sei froh, dass die Agrardiesel-Rückvergütung wieder auf den alten Stand zurückgesetzt worden sei, hierfür erhielt er großen Applaus. Ebenso für seine Ausführungen zur Senkung der Stromsteuer für produzierendes Gewerbe.

Auf Freihandel angewiesen

„Wir haben viele Einzelthemen vorangebracht, und wir behalten sie im Blick“, so Frei. In Anbetracht von Partnern, die von heute auf morgen die Zölle erhöhen, sei man auf Freihandelsabkommen angewiesen. Damit verteidigte er auch das Mercosur-Abkommen, das bei den Landwirten umstritten ist. Es seien Sicherungen eingebaut und es biete auch Chancen für die Landwirte. Insgesamt sei es wichtig, Rahmenbedingungen zu schaffen, damit Landwirtschaft „eine gute Zukunft“ habe.

Thorsten Frei (links) und Clemens Hug vom Aussteller Hartmann – die Stallprofis. Foto: Lutz Rademacher

Und was sagen die Zuhörer? „Es gibt zu viel Bürokratie und einen Preisdruck durch die Discounter. Es wird sich nicht viel bewegen, die Fronten sind verhärtet“, sagt Bernhard Baumann, Jäger aus Mundelfingen. „Es wirkt schon überzeugend, aber es wird immer schwieriger, zu glauben, was die Politik verspricht“, antwortet Simon Weber aus Gaienhofen. „Für Deutschland ist Mercosur sicherlich gut. Man hat aber das Gefühl, dass die Landwirtschaft verkauft wird, damit man Autos nach Südamerika liefern kann“, fügt sein Bruder Christian hinzu. „Es ist das übliche, was Politiker reden“, sagt Stefan Mink aus Klengen, „und Mercosur ist mehr Risiko als Chance, denn es kommt Ware auf den Markt, die nicht unseren Standards entspricht.“

Kritik an Mercosur

Anders Klaus Hettich aus Blumberg. Er erklärt: „Thorsten Frei ist gut auf unsere Themen eingegangen. Das hat gepasst. Man darf nicht immer nur schimpfen“. Wohlgemerkt handelt es sich hier um einige wenige Aussagen, die nicht repräsentativ sind. Unter Landwirten scheint sich eine gewisse Politikverdrossenheit breit zu machen. Viele der Angesprochenen wollten sich nicht äußern – mit der Begründung, dass Politiker im Allgemeinen nur Versprechungen machen, die sie dann ohnehin nicht halten würden.

Die Tradition

Der Agrartag in Donaueschingen
fand erstmals 2011 in der Bürgerhalle Aasen und 2017 erstmals in den Donauhallen statt. Er ist eine gemeinsame Veranstaltung des Maschinenrings Schwarzwald-Baar e.V. und des Badischen Landwirtschaftlichen Hauptverbands (BLHV) Bezirk Donaueschingen/Villingen und einer der wichtigsten Termine im Kalender der südbadischen Landwirtschaft. Lediglich in den Jahren 2021 und 2022 musste die Veranstaltung wegen der Pandemie-Auflagen pausieren. Der Agrartag bietet im Bartoksaal und im Foyer des Strawinsky-Saals eine Maschinenausstellung und zahlreiche Messestände an. Im Rahmen eines umfangreichen Vortragsprogramms im Mozartsaal bekommen die Landwirte auch die Gelegenheit, die obligatorische Fortbildung in „Pflanzenschutz-Sachkunde“ zu absolvieren. Und natürlich gibt es jede Menge Gelegenheit zum persönlichen Austausch.